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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 12. Januar 2016
Hyundai macht ernst und tritt mit der Submarke Genesis ab sofort im ertragreichen Luxussegment an. Doch die Pfründe im Werben um die solvente Kundschaft sind längst verteilt.

"Es gibt keine größere Herausforderung als den Luxusmarkt", sagt Hyundai Amerika-Chef Dave Zuchowski. Der Hyundai-Stadthalter weiß, wovon er spricht. Schließlich gilt Zuchowski als ausgewiesener Vertriebsexperte und hat schon mehr als 30 Jahre in der Automobil-Industrie auf dem Buckel. Bevor er zu dem koreanischen Autobauer wechselte, war er lange Jahre bei Mazda und Ford tätig. Hyundai hat die USA mit Bedacht für den Start der neue Luxus-Submarke Genesis auserkoren. Die Amerikaner sind offener gegenüber Neuem und die hiesige Wirtschaft erholt sich zusehends.

Das zeigen auch die Automobil-Verkaufszahlen: Insgesamt wurden in den USA 2015 17.470.659 Autos verkauft, das sind 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Zeitpunkt ist also günstig, um ins umkämpfte Luxussegment einzusteigen. Der Genesis-Erstling orientiert sich mit einer Länge von 5,20 Metern an dem erfolgreichen Segment-Platzhirschen. "Wir wollen die besten Luxus-Marken übertreffen, vor allem die Mercedes S-Klasse", trommelt Zuchowski. Das geht schon bei der Optik los: Äußerlich erinnert das Heck durchaus an den deutschen Konkurrenten Nummer eins.

Beim Interieur-Luxus geben sich die Koreaner alle Mühe, um zu den Deutschen aufzuschließen: Ein 22fach verstellbarer Fahrersitz wird durch einen 14fachen einstellbaren VIP-Platz im Fond ergänzt. Dazu kommen Assistenzsysteme, ein Allradantrieb und eine Surround-Stereoanlage mit 17 Lautsprechern. Für den Komfort sollen variable Dämpfer sorgen. Dieses Fahrwerk dürfte aber nicht dem Komfort der Luftfederung der S-Klasse mit dem Magic-Ride-Feature, das auf Hindernisse reagiert, erreichen. Bei den Motoren bietet der Asiate ebenfalls nichts Außergewöhnliches: Neben einem 3,3-Liter-Biturbo mit Direkteinspritzung, der es auf 365 PS bringt, steht noch ein 420 PS-V8-Fünfliter-Triebwerk zur Auswahl. Von einem Hybrid oder weiteren leistungsstärkeren Varianten, war noch nicht die Rede. Beim Getriebe setzt Genesis auf eine Achtgang-Automatik.

Über die Preise ist nichts bekannt, aber der Genesis G90 sollte deutlich billiger sein, als das Mercedes-Flaggschiff, um den Einstieg in den Markt zu erleichtern. Dennoch werden die Koreaner bis 2020 nachlegen und sechs weitere Modelle auf den Markt bringen. Die nächsten beiden sind schon bekannt: Der G80 wird eine etwas kleinere Limousine sein, die die E-Klasse im Visier hat und der G70 eine sportliche Limousine. Auch ein SUV dürfte eine wichtige Rolle in den Modellplänen spielen. Dieser Hyundai-Offensivgeist kommt nicht von ungefähr: Ein Blick auf die Verkaufszahlen zeigt, dass die margenträchtigen Premium-Produkte in den USA weiter gefragt sind: Mercedes verkaufte im vergangenen Jahr 372.977 Autos und legte um 4,7 Prozent zu.

Auch andere Luxus-Ableger hörten die Kassen in den letzten zwölf Monaten klingeln: Lexus brachte 344.601 Modelle an den Mann, das sind 10,7 Prozent mehr als im Vorjahr. In Detroit haben die Japaner den viertürigen Lexus GS F mit einem 467-PS-V8 und das neue Sportcoupé LC500 im Gepäck. Weiter abgeschlagen, zumindest, was die absoluten Zahlen angeht, landen die Honda-Tochter Acura (177.165 / + 5,6 Prozent) und Infiniti (133.498 / 13,8 Prozent). Das "Acura Precision Concept" zeigt mit seinen scharf geschnittenen Linien, wir dynamisch das Design der Honda-Tochter in Zukunft aussehen wird.

Konventioneller ist da schon die Lincoln-Attacke: Das Town Car zeigt in Detroit endlich sein echtes Gesicht, das schon in den seriennahen Studien zu erkennen war. Mit Luxus, wie feinem Leder, Stereo, vielfach verstellbaren Sitzen verwöhnt der Ford-Premiumableger seine Passagiere. Sobald der Town-Car-Effekt durchschlägt, wird Lincoln noch mehr zulegen. 2015 waren es immer 101.227 Autos, das entspricht einem Plus von 7,1 Prozent. Und was macht Cadillac? Die Traditions-GM-Edelmarke verkaufte im letzten Jahr 175.267 Fahrzeuge (+ 2,6 Prozent). Der CT 6 hat dazu sein Teil beigetragen. Die andere GM-Marke Buick hat sich mit 223,055 abgesetzten Modellen, um 2,6 Prozent negativ entwickelt. Das soll sich mit dem Sportwagen, der der Studie Avista, die auf dem Camaro basiert, ändern.
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Quelle: Autoplenum, 2016-01-12

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