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Testbericht

2. November 2016
Hohenkammer, 3. November 2016

Alle wollen es sein, sogar Aldi entdeckt es inzwischen für sich: "Premium" ist nicht nur in der Automobilbranche Anspruch, Schlagwort und Gummiparagraph zugleich. Der gemeine Kunde lässt sich nicht mehr mit einem Butterbrot abspeisen, es muss schon eine Scheibe Lachs darauf liegen. Wolfgang Kopplin, Verkaufschef bei Ford, zeigt das an einem Beispiel: Bei den Baureihen, in denen es die Topausstattung "Titanium" gibt, greifen die Kunden gerne zu diesem höchsten Level. Seit einiger Zeit legt Ford noch eine Schippe drauf und bietet die so genannten Vignale-Versionen an. Nach Mondeo und Edge ist jetzt der S-Max an der Reihe. Wir haben den noblen Van mit 180 PS starkem Diesel getestet.

Nobel-Ford für Kundenkaiser
Vignale? Da war doch mal etwas? Der Name stammt vom italienischen Karosseriebauer Alfredo Vignale (1913 bis 1969), der unter anderem diverse Maserati-Modelle einkleidete. Nach Vignales Tod gingen die Namensrechte an Ford, als der Konzern die Firma Ghia kaufte. Letzteres kennen viele noch als plüschige Luxusausstattung mit nicht immer echtem Holz. Die neuen Vignale-Ford sind gewissermaßen Ghia 2.0, aber doch anders gedacht. Denn inklusive sind nicht nur Chromprunk an der Karosserie und edle Materialien innen, sondern auch ein besonderer Service. 40 spezielle "Ford-Stores" soll es bis Ende 2016 in Deutschland geben, angepeilt sind langfristig 90 solcher Stützpunkte. Dort gibt es eigene Vignale-Lounges, aber auch einen Hol- und Bringdienst bei Werkstattterminen. Der Kunde soll hier nicht nur König, sondern Kaiser sein.

Viel Glanz an der Hütte
Als wahrhaft royales Gefährt für die königliche Familie käme der Ford S-Max Vignale in Betracht. Bis zu sieben Personen kommen hier unter, allerdings ist die elektrisch versenkbare dritte Sitzreihe aufpreispflichtig. Ich gehe auf Tuchfühlung und schärfe meinen Luxusblick: Ins Auge fallen diverse verchromte Elemente an der Karosserie und ein spezieller Wabengrill. An der Seite und am Heck teilen Vignale-Embleme mit, dass hier Geld im Spiel ist. Dennoch bleibt der Auftritt eher dezent, den meisten Glanz bringen die serienmäßigen 18-Zoll-Leichtmetallräder.

Zwischen Premium und Plastik
Innen setzt sich mein Eindruck fort: Leder auf dem Armaturenträger, der Mittelkonsole und den Armauflagen schmeichelt der Haptik. Das Auge erfreut sich an den Sportsitzen mit wabenförmig abgesteppter Tierhaut. Ganz nett, aber so richtig knallt das Ambiente nicht. Etwas mehr Chrom und Holz würde hier mehr Noblesse hineinbringen. Und, liebe Fordler: Warum muss der Kunststoff in der aufgeräumten Mittelkonsole so billig wirken? Gerade in der Vignale-Version fällt das negativ auf.

Raumfahrt für Familien
Punkten kann der S-Max natürlich auch als Vignale mit seinem großzügigen Platzangebot: Bis zu 2.020 Liter Gepäck können eingeladen werden, die hinteren Sitze falten sich zu einer glatten Ebene. Hervorzuheben ist auch niedrige Ladekante, sie erfreut alle Eigentümer eines Kinderwagens. Schade nur, dass Ford der Topversion des S-Max keine elektrische Betätigung der wuchtigen Heckklappe ab Werk spendiert hat. Sie steht mit 470 Euro in der Preisliste.

Komfort mit Diesel
Für meine Testrunde wähle ich die Kombination aus 180 PS starkem Zweiliter-Diesel und dem "PowerShift" genannten Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen. Wer lieber selbst zum Knüppel greift, zahlt 2.000 Euro weniger. Doch die schaltfaule Mischung überzeugt auf ganzer Linie: Zwar ist der Selbstzünder nach dem Kaltstart durchaus vernehmbar, das legt sich jedoch spätestens auf der Autobahn. Hier erweist sich der S-Max Vignale als leiser und kräftiger Gleiter. 9,5 Sekunden auf Tempo 100 und 208 km/h Spitze sorgen für Zufriedenheit. Stämmige 400 Newtonmeter liegen zwischen 2.000 und 2.500 Umdrehungen an.

Saubere Zukunft?

Natürlich stellt sich auch an Ford die Gretchenfrage: Sag, wie hältst du es mit dem Diesel? Als Antwort liefert Köln neue "EcoBlue"-Motoren mit zwei Liter Hubraum. Sie kommen zunächst im Transit zum Einsatz, werden aber später auch mit bis zu 240 PS Leistung in Pkw-Baureihen arbeiten. Ihre wichtigsten Punkte: AdBlue-Abgasnachbehandlung, Inspektionsintervalle von 24 Monaten respektive 60.000 Kilometer, mehr Laufruhe und 340 Newtonmeter Drehmoment schon ab 1.250 Touren.

Eine Frage des Geldes
Doch zurück in die Gegenwart und unserem S-Max Vignale. Was kostet der Luxus im Ford-Stil? Langfristig wird es Motoren von 150 bis 240 PS zur Auswahl geben, aktuell besteht das Programm aus einem Benziner (240 PS) und zwei Dieseln (180 und 210 PS). Das getestete 180-PS-Aggregat startet als Vignale bei 44.050 Euro, mit DKG sind es 46.050 Euro, für weitere 2.000 Euro extra ist ein Allradantrieb an Bord. Zum Vergleich: Die bürgerliche Topausstattung Titanium beginnt mit 37.350 Euro. Allerdings bietet der S-Max Vignale serienmäßig LED-Scheinwerfer, Parkpiepser vorne und hinten, eine Rückfahrkamera, viel Leder sowie ein Audiosystem mit großem Touchscreen. Wohlgemerkt: Ein Audiosystem ohne Navigation. Diese Option kostet mindestens 570 Euro zusätzlich. Generell gibt es auch beim Vignale noch viele kostenpflichtige Extras, die den Preis über 50.000 Euro treiben können.

Weniger kann mehr sein
Hier liegt der Knackpunkt beim S-Max Vignale: Ist mir die etwas noblere Optik und der bessere Service den Mehrpreis wert? Wenn Sie mich fragen: Da die Luxusversion des S-Max nicht so prunkt wie gedacht und kein Navi inklusive ist, rate ich zur "Business Edition": Wer nicht täglich sein Armaturenbrett streichelt, bekommt hier ein Navigationssystem, einen Tempomat, der die Geschwindigkeit mit der Verkehrsschild-Erkennung koppelt, eine Sitzheizung vorne, 17-Zöller und Parkpiepser vorne wie hinten. Vorne ist dringend nötig, da der Anfang des S-Max nicht einzusehen ist und das Armaturenbrett weit von der Frontscheibe entfernt ist. Der Preis mit 180 PS und DKG? 39.150 Euro. Für die fast 7.000 Euro Differenz zum Vignale lassen sich noch einige noble Extras dazu bestellen.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Doppelkupplungsgetriebe
Motor Bauart:Diesel mit Turboaufladung
Hubraum:1.997
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:132 kW (180 PS) bei UPM
Drehmoment:400 Nm bei 2.000 - 3.250 UPM
Preis
Neupreis: 46.050 € (Stand: November 2016)
Fazit
Für die Idee hinter den Vignale-Modellen ist Ford zu loben. Im Fall des S-Max entsteht jedoch das Gefühl, man habe dort die Idee nicht konsequent angewandt. Schlichte Kunststoffe stören das mit viel Leder aufgewertete Ambiente. Auch bei der Ausstattung würden wir uns mehr Komplettheit wünschen. Kluge Rechner ohne Materialfetisch können mit anderen Ausstattungslinien einige tausend Euro sparen. + viel Platz, gute Motor-Getriebe-Kombination, weit öffnende Türen - teilweise billiger Kunststoff, trotz Vignale vieles aufpreispflichtig
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2016-11-02

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