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Testbericht

Sebastian Viehmann, 14. Januar 2012
Die Marke Lincoln hat nach 30 Jahren ihre Luxus-Limousine Town Car eingestellt. Doch das berühmte Auto lebt noch lange weiter – dafür sorgt schon die Glitzerstadt Las Vegas mit ihrer Armada an Stretch-Limos.

Glanz und Glitter, Neonlichter überall, laute Musik und zahllose Luxusschlitten auf den Straßen: Mit einem normalen Auto geht man in Las Vegas gnadenlos unter. Eine Stretch-Limousine muss es schon mindestens sein, wenn man sich stilvoll ins nächste Casino chauffieren lassen möchte. Der mit Abstand größte Teil dieser Fahrzeuggattung basiert auf dem Lincoln Town Car. Zwar gibt es auch gestreckte Hummer oder Chrysler, doch der Lincoln beherrscht das Straßenbild in Las Vegas wie keine zweite Stretch-Limo.

Die Bezeichnung Town Car stammt aus den frühen 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ähnlich den europäischen Landaulets war das amerikanische Town Car eine Karosserieform, bei der der Fahrer im Freien am Steuer saß. Die Herrschaften saßen in einem eigenen Fondabteil mit festem Dach und schwelgten in größtmöglichem Luxus. In den 60ern erlebte die Typbezeichnung eine Wiederauferstehung.

Doch erst Anfang der 70er Jahre wurde das Town Car zum Inbegriff des automobilen US-Luxus. Elektrische Ledersitze, Klimaanlage und verlängerten Radstand bot der Lincoln Continental in der Ausstattungsvariante Town Car bereits ab Werk und wurde so zur Luxuslimousine der Schönen und Erfolgreichen. Hotels drehten Cadillac den Rücken zu, Banker in New York ließen sich fortan mit einem zumeist schwarz lackierten Lincoln ins Büro chauffieren. Die zweite Generation des Wagens ab 1990 war in drei verschiedenen Ausstattungslinien erhältlich, das Top-Modell trug den Namen Cartier. Die dritte und letzte Generation ab 1998 verzichtete erstmals auf die kleinen "Opera"-Fenster vor den C-Säulen, die das Heck des Wagens bis dahin geprägt hatten.

Die Glitzer-Metropole Las Vegas ist für das Town Car wie geschaffen. In Filmen wie "Casino", die die Mafia-Vergangenheit der Zockerstadt behandeln, cruisen Cadillacs und Town Cars unaufhörlich durch die Straßen. Heute ist Las Vegas eine knallbunte Touristen-Hochburg, in der Partys nur im XXL-Maßstab gefeiert werden. Limousinen-Betreiber bieten eine Fahrt in der Stretch-Limo im Komplettpaket an: Einmal vom Flughafen zum Strip, inklusive einer Flasche Champagner und roter Rose bei der Ankunft am Airport für kaum mehr als 150 Dollar. Da kann sich auch Otto Normalverbraucher ein wenig wie ein Filmstar fühlen. Man lümmelt sich auf bequemen Ledersitzen, holt sich eisgekühlte Drinks aus der bordeigenen Minibar oder steckt verbotenerweise den Kopf aus dem hinteren Schiebedach, um den Menschenmassen auf dem Strip zuzuprosten.

Doch so edel Lincolns Town Car auch ausgestattet ist, Hightech sucht man vergeblich. Xenonlicht, Luftfederung oder gar ein Navigationssystem ist im Serienumfang nicht enthalten. Das Fahrwerk ist butterweich, die Lenkung mit Wohlwollen schwammig zu nennen und die Schaltvorgänge übernimmt eine betagte Viergang-Automatik aus den frühen 80ern. Das 1998 eingeführte und 2003 überarbeitete Grundmodell verfügt immerhin über eine elektrische Heckklappe, eine Einparkhilfe und elektrisch einstellbare Pedale.

Im Vergleich zur europäischen Konkurrenz von Mercedes, Audi oder Jaguar blieb das Town Car aber stets hoffnungslos veraltet. Schon 2007 sollte die Produktion eigentlich auslaufen, doch wegen stürmischer Proteste seiner Kunden ließ Ford den Wagen noch eine Weile am Leben. Erst 2011 fiel endgültig der letzte Vorhang für den berühmten Luxuskreuzer.

Die Marke Lincoln erfreut sich zurzeit nicht gerade bester Gesundheit, dabei ist es die einzig verbliebene Luxussparte des Ford-Konzerns. Ford hat all seine Edelmarken in den letzten Jahren abgestoßen – Aston-Martin, Jaguar und Volvo fanden neue Besitzer. Auch die Marke Mercury ließen die Amerikaner sterben, wobei sich dahinter nichts anderes verbarg als leicht aufgewertete Ford-Modelle. Seit dem Spitzenjahr 1989, in dem Lincoln 200.000 Autos verkaufte, ging es mit der Marke abwärts. Im vergangenen Jahr wurden rund 85.000 Autos verkauft. Das war zwar nur ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2010, aber die Muttermarke Ford konnte 2011 um satte 17% zulegen.

Lincolns schwache Performance lässt sich zumindest zum Teil auf die Einstellung des Town Cars zurückführen, das bis zuletzt eine große Rolle im Flottengeschäft spielte. Zurzeit werden die Restbestände des Wagens verkauft. Die Preise starten bei 47.225 US-Dollar, umgerechnet rund 37.000 Euro. Auf der Detroit Motor Show zeigte Lincoln den neuen MKZ. Das Show Car soll mit wenigen Änderungen in Serie gehen. Als Town Car-Nachfolger taugt der Wagen auf der Plattform des neuen Ford Mondeo freilich nicht, er ist einfach zu kurz. Das Town Car in seiner L-Version erreichte ganz ohne nachträgliche Stretch-Behandlung 5,6 Meter.
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Quelle: Autoplenum, 2012-01-14

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