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Testbericht

Stefan Grundhoff, 23. Februar 2015
Scheinwerfer prägen seit Jahrzehnten das Gesicht von Fahrzeugen. Das gilt mehr denn je, seitdem Xenon- und LED-Scheinwerfer die technische Regie übernommen haben. Einige Autohersteller haben ihre Modellgesichter dagegen beinahe zu Fratzen verunstaltet.

Ein Blick und man ist verliebt. So wünschen es sich seit Jahrzehnten die Autodesigner. Denn nichts macht in Sekundenbruchteilen mehr Eindruck, als ein schönes Gesicht mit strahlenden Augen. Der Sportwagen soll bullig und gefährlich wirken, das Cityauto mit Damenkundschaft blickt gerne verträumt in die Welt hinaus und die allgegenwärtigen Geländewagen sollen ihren rustikalen Anspruch nur allzu intensiv mit einem entschlossen Blick unterstreichen, um dann ins Gehölz abbiegen zu können. Soweit die kreative Theorie.

Bereits mit den Xenonscheinwerfern ergaben sich eine Vielzahl von Möglichkeiten für spezielle Lichtleistungen mit Wiedererkennungswert, doch erst die LED-Scheinwerfer lassen den Kreativköpfen der Autoherstellern nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, das neue Lieblingsmobil mit einem charismatischen Blick zu schärfen. Die Gründe liegen auf der Hand, denn die LED-Module sind klein, leistungsstark und somit vielfältiger als je zuvor einsetzbar. Doch die Realität zeigt, dass diese neuen Möglichkeiten bisweilen ungewöhnliche Stilblüten treiben, denn bisweilen wirkt so manches Autogesicht wie eine entstellte Fratze oder die verbauten Leuchtmittel erinnern an einen Kirmesausflug nach Crange, auf die Wasen oder zum Oktoberfest, weil die visuelle Reizüberflutung droht.

Besonders charakterstark strahlen seit Jahren die Frontleuchten von BMW in die Welt hinaus. Die doppelten Ringe sind besonders in der Tagfahrlichtfunktion markant, verwässern bei den neusten Kreationen jedoch etwas, indem die Lichtbögen ineinander verwachsen wie beim neuen Siebener. Einen ähnlich großen Wiedererkennungswert haben die aktuellen Lichtkreationen von Land- und Range Rover. Auch hier gibt es zwei Doppelbögen, die, leicht versetzt, gut im Meer der Fahrzeugfronten zu entdecken sind. So markant würde sich gerne auch Audi sein Lichtdesign links und rechts neben dem markigen Singleframe-Grill wünschen. Doch wer sich hier die Modelle von Audi A1 bis A8 anschaut, sieht zwar einprägsame Lichtgestaltungen, jedoch kein einheitliches Bild mit großem Wiedererkennungswert. Da gibt es wilde Säbelbögen wie beim nunmehr auslaufenden A4 / A5 oder die bogenförmigen LED-Module der Matrix-Scheinwerfer, die sich im Fernlichtbetrieb wie ein Vorhang aufspannen.

Mercedes setzt seit einiger Zeit auf das Fackeldesign, bei dem der LED-Blinker wie eine Augenbraue auf dem Hauptscheinwerfer ruht und bei Richtungsbetätigung erwacht. Porsche irrt neuerdings mit vier LED-Punkten wild umher und versucht dabei präzise und technisch zu wirken. Besonders markant präsentiert sich das neue Lichtdesign von Lexus, was enger als bei allen anderen Herstellern auf den mutigen Karosserieschnitt von Modellen wie NX oder RC abgestimmt ist. Ähnlich sind die spitz zulaufenden LED-Ohren wie bei einem Luchs, die Opel einigen Kollegen verabreicht hat. Vergleichsweise blass sieht es bei Marken wie Ford, Renault oder Toyota aus, die bisher kein einheitliches Familiengesicht haben. Volkswagen müht sich, dieses mit der Kombination aus Bögen und Punktmodule zu kreieren, um seinen Premiumanspruch visuell zu unterstreichen. Noch einiges zu tun gibt es auch bei Marken wie Skoda, Kia, Mitsubishi, Nissan oder Hyundai, die noch auf der Suche nach einem unvergesslichen Augenblick sind. Und ganz ähnlich sieht es bei den Rückleuchten aus.
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Quelle: Autoplenum, 2015-02-23

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