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Testbericht

24. Mai 2006
München, 19. Mai 2006 – Es gibt Tage, an denen ich gerne aufstehe. Und es gibt Tage, an denen ich GANZ besonders gern den rechten Fuß aus dem Bett schiebe, um ihn kurze Zeit später auf ein Gaspedal niedersinken zu lassen. Und wenn das Pedal zu einem Lamborghini Gallardo Special Edition gehört, wird es bestimmt ein ganz besonders schöner Tag. Special Edition: Nur 250 Stück Nur 250 Stück gibt es von der Special Edition, kurz SE genannt. Das Dach, der Heckspoiler, die Motorhaube und die Außenspiegelgehäuse sind nachtschwarz gefärbt, der Rest ist bei meinem Testexemplar in Giallo Midas lackiert. Der leuchtend gelbe Gallardo beschleunigt meinen Puls, ohne dass ich ihn auch nur berühre. Der böse Blick aus schmalen Lampen-Schlitzen, die großen, schwarzen Luftschlünde rechts und links, die scharfen Ecken und Kanten – alles macht mich an, das wilde Tier zu bändigen. Sitzen wie eingesaugt „Knack“ macht die ferngesteuerte Zentralverriegelung und gibt den Weg frei in den italienischen Spaßpool, der eher einer Nobelhütte gleicht als einem reinrassigen Sportwagen. Ich sitze tief, wie eingesaugt und festgepresst, aber unerwartet bequem. Das Innere des Editions-Boliden fühlt sich gut an: Es gibt Leder, wohin die Hand greift. Leder in Schwarz und in Gelb, perforiert, glatt oder rau – die Gefühlsvielfalt der Oberflächen ist beeindruckend. Mein Blick schweift über ein Navisystem mit großem Display und eine Zweizonen-Klimaautomatik. Von wegen karger Sportwagen!

Fordernd-sattes Brabbeln Ich will endlich den V10 hören. Also Schlüssel rumdrehen und erst mal eine Sekunde warten. Die Bedenksekunde ist verständlich – bis 520 Pferde geweckt und in Reih und Glied am Start sind, dauert es schon ein Weilchen. Aber wenn sie zur Stelle sind, dann mit Nachdruck. Das tief-grummelnde Geräusch, dieses fordernd-satte Brabbeln, stellt meine Gänsehaut auf. Doch noch ist der Ton gemäßigt, noch spielt das italienische Orchester mezzoforte und nicht forte. Schlechte Sicht nach hinten Mein Testwagen hat das automatisierte Schaltgetriebe E-Gear an Bord, also muss ich zum Rückwärtsfahren einen kleinen Knopf links neben dem Lenkrad drücken. Gleichzeitig wird das Bild der Heckkamera am Navi-Bildschirm angezeigt. Dieses nette Feature ist eine hilfreiche Erfindung, denn die Sicht nach hinten strebt wegen der hohen C-Säulen und der kleinen Heckscheibe gegen Null. Herrlich: Cruisen in der City Endlich ist es soweit: Am rechten Lenkradpaddle ziehen und den ersten Gang einlegen. Los geht’s. Gaaaaanz sanft tippe ich ans Gaspedal, um den Stier nicht gleich zu reizen. Und wirklich: Man kann ihn anfahren, ohne dass Mütter erschreckt ihre Kinder zur Seite zerren. Der Drang, dem Rassesportler gleich richtig die Sporen zu geben, ist groß. Mein Fuß kribbelt, aber ich beherrsche mich. Erstaunlich: Ich kann mit diesen Lambo herrlich cruisen, kann ihn leise mit unterdrücktem Grummeln wie einen normalen PKW durch die City fahren.

Brachialer Vorwärtsdrang Doch wehe, wenn die Straße frei ist: Der erste Vollgasstoß wird von einem röhrenden Aufbrüllen hinter mir quittiert, die Drehzahlmessernadel schnellt nach oben und im Rücken drückt es, als stürze mir gerade ein Bücherregal ins Kreuz. Der Lambo prescht mit so brachialer Gewalt nach vorne, dass ich das kleine Lenkrad richtig fest packe. Schier unendlich dreht die Maschine bis über 8.000 Touren hoch. Kurze vier Sekunden auf Tempo 100 Sobald ich mich an den Vortrieb gewöhnt habe, geht es richtig los. Zack ... den Zweiten ... zack ... den Dritten ... und so geht es weiter, begleitet von einem wohligen Hicksen aus Richtung Auspuff. Die Schaltzeiten sind bei der Special Edition kürzer, die Lenkung direkter und das Fahrwerk straffer. Kurze vier Sekunden braucht die Tachonadel, um über die hundert zu flutschen. Und: Der Wagen schafft 315 km/h. Wer es auf diese Spitze treibt, lernt, dass es einen Tunnelblick auch ohne Alkohol gibt. Apropos Tunnel: Fenster runter, zurückschalten und Vollgas geben. Das ungehemmte Stier-Brüllen macht vorstellbar, was passiert sein könnte, wenn ein Trapper 1902 in den Staaten versehentlich einen Eisenbahntunnel betrat und schreiend vor einer tösenden Lok rückwärts wieder herausrannte. Straff, nicht bretthart Dieses Auto ist aber keinesfalls vordergründig laut, es lässt sich wunderbar bewegen: Die überaus direkte Lenkung erlaubt ein präzises Handling und der permanente Allradantrieb verschafft eine Traktion, als wolle der Lambo mit der Straße verschmelzen. Der Wagen liegt auf dem Asphalt wie ein Brett, allerdings ohne dessen absolute Härte. Straff? Ja. Knackhart? Nein. Fast 174.000 Euro teuer Ehrlich, glauben Sie es, der Gallardo Special Edition ist alltagstauglich. Naja, fast. Auf den Boden der praktischen Tatsachen holt mich meine Holde, als ich sie mit dem fast 174.000 Euro teuren Italiener abhole. „Und wo ist der Kofferraum?“ Mmh ... vorn halt 110 knapp geschnittene Liter. Aber ist das nicht egal? Fürs Übernachtungstäschchen reicht es allemal.
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Technische Daten
Antrieb:permanenter Allradantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:V-Motor
Hubraum:4.961
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:10
Leistung:382 kW (520 PS) bei UPM
Drehmoment:510 Nm bei 4.500 UPM
Preis
Neupreis: 164.140 € (Stand: Mai 2006)
Fazit
Ob brachialer Vortrieb mit Höllensound im Rücken oder sanft-brabbelndes Cruisen in der City – der Lamborghini Gallardo setzt das Thema Sportwagen facettenreich in nahezu perfekter Weise um. Dass man das noch toppen kann, zeigt die Special Edition mit ihrer kontrastreichen Farbgebung, dem elegant gestalteten Innenraum und dem nochmals sportlicheren Setup. (hd)

Quelle: auto-news, 2006-05-24

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