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Testbericht

19. Juni 2013
München, 20. Juni 2013 - Woran denken Sie bei der Marke Kia? Sieben Jahre Garantie. Stimmt. Preiswerte Technik in recht ansprechender Verpackung? Stimmt auch. Heiße Sportmodelle mit scharfer Leistung? Fehlanzeige. Bis jetzt zumindest, denn Kia gibt nun nicht nur bei den Verkäufen Gas. Der Cee'd und sein dreitüriger Bruder Pro_Cee'd wurden zum Kraftsport geschickt, um als GT-Version bei den so genannten "hot hatches" vom Schlage eines VW Golf GTI mitzumischen. Ist das Ergebnis tatsächlich heiß oder eher lauwarm? Ordentlich Druck Ermöglicht wird das bislang unbekannte Feuer unter der Haube durch eine neue Generation von Turbobenzinern mit Direkteinspritzung namens T-GDI. Es gibt sie in Hubraumstufen zwischen einem und zwei Liter, ihre Leistung reicht von 100 bis 245 PS. Während die kleineren Ausgaben als sukzessive Ablösung für die zwar soliden, aber wenig spritzigen Saug-Ottos gedacht sind, befeuert der 1,6 Liter mit 204 PS jetzt das neue Oberhaupt der Cee'd-Familie. Seine Exzellenz GT der Erste hat für seinen Auftritt einen recht dezenten Jogginganzug gewählt. Markante Details sind ein neu gestalteter Kühlergrill und die Tagfahrlichter mit jeweils vier LED-Spots im Stoßfänger. Anders als etwa beim VW Golf sind beim Cee'd sowohl Dreitürer als auch Fünftürer stark unterschiedlich gestaltet. Während der fünftürige GT seinen Nerz eher nach innen trägt, passt das extravagante Design des Dreitürers besser zur sportlichen Note. Klar, Optik ist immer Geschmackssache: Wir finden aber, gerade in Rot macht der Pro_Cee'd GT ordentlich was her. Sowohl bei der Länge (4,31 Meter) und beim Radstand (2,65 Meter) bestehen übrigens keine Unterschiede zwischen Pro und Cee'd. Nur nicht übertreibenZiemlich dezent ist die Optik des Innenraums. Weder Knallfarben noch inflationäre Aluleisten sind dort angesagt. Im ersten Moment wähnt man sich in einem Basis-Cee'd, ehe das Auge die roten Nähte an den Türverkleidungen und den Sitzen erspäht. Hinzu gesellen sich diverse Klavierlack-Applikationen und ein GT-Emblem im Lenkrad, das war es aber auch schon. So viel Zurückhaltung kann durchaus gefallen, doch weitere rote Akzente würden das Ganze aufwerten und zudem vom teilweise recht schlichten Kunststoff ablenken. Ganz und gar nicht schlicht sind die bequemen Recaro-Sportsitze vorne, die stets serienmäßig an Bord sind. Das Cockpit gibt in Sachen Bedienung kaum Rätsel auf, doch ein paar Knöpfe weniger am Lenkrad könnten nicht schaden. Einer von ihnen ist mit "GT" beschriftet. Was er wohl macht? Lenkung und Fahrwerk schärfen? Weit gefehlt: Mit ihm wechselt der Fahrer zwischen zwei Tachoansichten auf dem zentralen Sieben-Zoll-Display. Einmal die klassische Version mit virtueller Nadel, zum anderen ein Digitaltacho mit diversen Zusatzanzeigen im Playstation-Stil. Als da wären: Kühlwassertemperatur, Drehmoment und Druck des Turboladers. Gar nicht so bedrückend wie befürchtet ist die Atmosphäre im Fond des Pro_Cee'd GT. Auch Erwachsene können hier menschenwürdig sitzen, durch die kleinen seitlichen Schießscharten ist die Aussicht freilich sehr mau. Ohne Fehl und Tadel ist der Kofferraum, Werte zwischen 380 und 1.225 Liter gehen voll in Ordnung.
Unexplizite Lyrik Geht auch der neue Turbo-1600er in Ordnung? Bereits auf den ersten Metern überrascht seine Laufruhe. Offiziell will Kia einen "deutlich kraftvollen" Sound geschaffen haben, hörbar ist davon aber herzlich wenig. Doch dieser Umstand untermauert, dass der Pro_Cee'd GT keine Brüllbüchse sein will. Auch Kia-Marketingchef Benny Ooyen siedelt den GT weniger bei Sportgeräten wie dem Ford Focus ST oder dem Golf GTI an. Er sei kein pures Performance-Gerät, so Ooyen, sondern auf Komfort ausgelegt. Das untermauern die Fahreindrücke: Von einem minimalen Anfahrloch begleitet, zieht der Motor den Wagen zügig und elastisch nach vorne. 7,7 Sekunden auf Tempo 100 sind zwar kein Rekordwert, aber nicht jeder will auch vom sprichwörtlichen Pferd getreten werden. Gleiches gilt für das maximale Drehmoment: Die Konkurrenz aus dem VW-Konzern beißt zwar mit deutlich mehr als 265 Newtonmeter zu, dafür stehen diese im Kia zwischen 1.750 und 4.500 Touren bereit. In der Praxis bedeutet das eine turbountypische, sehr angenehme lineare Kraftentfaltung. Hier ist der Blick auf die besondere Tachoanzeige interessant: Selbst bei durchgetretenem Gaspedal ruft der Turbo nicht seine ganzen 1,6 bar Druck ab. Ein gutes Omen für die Haltbarkeit. Während der Testfahrt zeigt der Pro_Cee'd GT seine Bandbreite. Er kann beides: Im sechsten Gang locker mit 50 km/h bummeln oder auf der Autobahn ordentlich Stoff geben. Auf der linken Spur lässt die Maschine erst ab etwa 170 km/h nach, ab hier geht es eher gemütlich über die 200-Marke. Maximal soll der GT übrigens 230 km/h erreichen. Der Griff zum runden Schaltknauf macht Spaß, einzig zwischen der zweiten und der vierten Stufe schwächelt die exakte Bedienung. Geräuschmäßig dominant sind leider die serienmäßigen 18-Zoll-Niederquerschnittsreifen, deren Abrollen je nach Straßenzustand deutlich vernehmbar ist. Komfort-Note Darunter leidet auch etwas das zwar straffe, aber enorm ausgewogene Fahrwerk mit famosem Restkomfort. Und das, obwohl Kia sowohl vorne als auch hinten die Stoßdämpfer härter ausgelegt hat, hinzu kommt ein etwas stärkerer Stabilisator an der Hinterachse. Ein wenig direkter ansprechen könnte die Lenkung, sie wirkt insbesondere um die Mittellage zu indifferent. Positiv ist hingegen, dass Kia nicht auf ein kleines Lenkrad mit Kranz im Dauerwurst-Format setzt, denn das Volant lässt sich prima in "Viertel-vor-drei"-Stellung umfassen. Der Preis ist heiß Selbst wenn 204 PS unter der Haube sind, interessiert bei einem Kia natürlich der Preis. Bitte sehr: Der Pro_Cee'd GT startet spätestens im August 2013 bei 22.990 Euro. Zum Vergleich: Der neue VW Golf GTI kostet als Dreitürer mit 220 PS mindestens 28.675 Euro. Die Ausstattung des koreanischen Rivalen ist schon bei der Basisversion namens GT-Cup ordentlich, inklusive sind 18-Zoll-Alus, die Recaro-Sportsitze, eine Klimaanlage, LED-Rückleuchten und der umstellbare Tacho, offiziell "GT-Race-Mode" genannt. Absolut empfehlenswert ist die nächsthöhere GT-Challenge-Version. Sie beinhaltet für 24.490 Euro zusätzlich eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, eine Sitzheizung vorne, ein beheizbares Lenkrad und die immens wichtigen Parksensoren hinten. Zum gleichen Preis und gleicher Ausstattung startet übrigens der fünftürige Cee'd GT. An der Spitze rangiert schließlich für jeweils 26.990 Euro die GT-Track-Variante mit zusätzlichem Spurhalteassistenten, einer Rückfahrkamera oder auch adaptivem Abbiegelicht. Einzige Extras: Navigation, Panoramadach und Metalliclackierung. Gar nicht im Angebot sind hingegen zusätzliche Assistenzsysteme und ein Doppelkupplungsgetriebe. Letzteres befindet sich noch in den Entwicklerbüros, über einen Cee'd GT Kombi wurde noch nicht entschieden.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Benziner mit Turboaufladung und Direkteinspritzung
Hubraum:1.591
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:150 kW (204 PS) bei UPM
Drehmoment:265 Nm bei 1.750 - 4.500 UPM
Preis
Neupreis: 26.990 € (Stand: Juni 2013)
Fazit
Mit den GT-Varianten von Cee'd und Pro_Cee'd hat Kia zwei ausgewogene Alltagssportler auf die Räder gestellt. Eine positive Überraschung ist der agile und laufruhige 204-PS-Turbo, hinzu kommt ein gut abgestimmtes Fahrwerk mit der richtigen Balance aus Sport und Komfort. Abgerundet wird das Paket durch den günstigen Preis. Der GT macht seinem Kürzel "Gran Turismo" alle Ehre, doch um vollständig zum Golf GTI aufzuschließen, fehlen neben ein paar zusätzlichen PS mehr und einer feineren Lenkung auch dessen über Jahrzehnte gewachsenes Image. Wer darauf pfeift, bekommt mit Cee'd GT und Pro_Cee'd GT verdammt gute Autos. Merke: Lauwarm kann angenehmer sein als brühend heiß. + elastischer und laufruhiger Motor, ausgewogenes Fahrwerk, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis - obenrum fehlt etwas Biss, zu indirekte Lenkung, unangenehmes Abrollverhalten
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2013-06-19

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