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Testbericht

4. Juni 2009
Haar, 4. Juni 2009 - 00:00 Uhr, die Filmpremiere im Berliner Kulturkino "Brotfabrik" ist vorbei. Es lief "Lieben", ein Film über die komplette Abwesenheit von Liebe. Wir gehen durch die inzwischen ruhige Nacht zu unserem Auto, einem Porsche Cayenne S Transsyberia. Urplötzlich brüllt es aus dem dritten Stock des gegenüberliegenden Hauses: "Geile Karre habt Ihr da." Okay, zu übersehen ist unser Wagen ganz bestimmt nicht - auch nicht nachts.

Tribut an harte Zeiten Außen: Orangefarbene 18-Zoll-Felgen, orangefarbene Außenspiegel, orangefarbene Lufteinlässe, orangefarbene Seitenaufkleber mit "Transsyberia"-Schriftzug, orangefarbener Einsatz im Dachkanten-Doppelspoiler und der Rest ist schwarz. Innen: Orangefarbene Anschnallgurte, orangefarbene Armaturentafel und orangefarbene Zierleiste und der Rest ist wiederum schwarz. Unser Transsyberia kommt nicht auffällig daher sondern knallig. Inspiriert wurde diese polarisierende Gestaltung von der Transsyberia-Rallye, die bis 2008 stattfand und von der russischen Hauptstadt Moskau über 7.200 Kilometer bis zur mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator führte. Porsche feierte bei diesem vielleicht härtesten Offroadrennen der Welt regelmäßig Mehrfach-Triumphe - 2008 gingen die ersten drei Plätze der Gesamtwertung an Cayenne-Fahrer.

Zum Liebhaben So ein knallharter Brocken wie eins der 23 Rallye-Fahrzeuge ist das Transsyberia-Sondermodell allerdings nicht: kein Notschalter, der einen Hubschrauber-Einsatz auslöst, kein Überrollkäfig aus armdicken Rohren und auch keine orangefarbenen Schmutzfänger, die hochgeschleuderte mongolische Gesteinsbrocken auffangen müssen. Die meisten Leute, denen wir unser Gefährt zeigen, staunen erst und fangen dann an zu schwärmen. Sie mögen die akzentuierte Gestaltung, halten die Kontrast-Außenspiegel für niedliche Ohren. Und in der Kabine empfinden die Passagiere den Wagen als liebevoll gemacht, freuen sich über das frische leicht exotische Orange. Kleiner Wermutstropfen: Steht das Licht ungünstig, blendet die Scheibe über dem hellen Armaturenbrett und erschwert teilweise das Ablesen der Instrumente. Wer den Wagen mag, sieht darüber großzügig hinweg.

Erhellend: Die Lichtbrücke Die Ledereinrichtung des Cayenne S Transsyberia lädt zu langen Fahrten ein: Das Gestühl gibt guten verstellbaren Seitenhalt und bietet Komfort für die große Reise. Der Alcantara-Dachhimmel sowie das Alcantara-Lenkrad mit 12-Uhr-Markierung verstärken den hochwertigen Eindruck. Wer will, bekommt zum Sondermodell kostenlos eine Lichtbrücke mit vier leuchtstarken Scheinwerfern - wann bekommen wir bei Porsche schon mal was kostenlos dazu? Die Brücke darf nur auf privatem Gelände montiert und eingesetzt werden , da laut Paragraf 50 Absatz III Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung bei Abblendlicht "... der höchste Punkt der leuchtenden Fläche nicht höher als 1.200 mm über der Fahrbahn ..." liegen darf. Da die Dachleuchten in 1,70 Meter Höhe schweben, liegen die Lichter 50 Zentimeter über dem erlaubten Niveau. Montiert ist das Gestell in zwei Minuten, wobei die breiten 1.178 Euro teuren Trittbretter rechts und links des Wagens sehr hilfreich sind. Die Scheinwerfer der Lichtbrücke werden über einen Druckknopf links neben dem Innenspiegel aktiviert und erzeugen einen überzeugenden Lichtkorridor, der beinnahe nach Zeittunnel aussieht.

Auf Luft fahren Der Transsyberia bettet sich serienmäßig auf ein verstellbares Luftfahrwerk. Das darauf aufbauende Porsche Active Suspension Management (PASM) bietet für Sicherheit und Wohlbefinden die Stufen "Komfort", "Normal" und "Sport". Sport macht den Wagen fühlbar straff - das Richtige für die Autobahn. Den Unterschied zu Normal spüren wir kaum, zu Komfort dann schon. Aber selbst im Komfort-Modus gibt der Cayenne noch den Harten - ist nichts für "Prinzessin-auf-der-Erbse"-Typen. Das heißt aber auch, dass der Wagen kaum wankt, sich also auch im weichsten Fahrmodus dynamisch durch die Kurven wedeln lässt. Zudem bietet die Luftfederung sechs Niveaustufen, bis zu 271 Millimeter Bodenfreiheit sind drin. Zum Vergleich: Der ausgesuchte Offroader Jeep Wrangler ist mit 238 Millimeter Bodenfreiheit unterwegs. Im Sondergelände-Niveau bringt es der Transsyberia auf eine Wattiefe von etwas über 55 Zentimeter.

Viel geregelt Ebenfalls serienmäßig beim Transsyberia mit dabei: das Porsche Traction Management (PTM). Dieses System kümmert sich um den permanenten Allradantrieb, macht ihn noch effizienter. Grundsätzlich werden beim Transsyberia 62 Prozent der Motorkraft an die Hinterräder geleitet, 38 Prozent bleiben für die Vorderräder übrig. Dieses Verteilungsverhältnis wird je nach Fahrsituation angepasst - in schwierigem Gelände kann bei Bedarf die Längssperre zu 100 Prozent gesperrt werden. Außerdem bietet das PTM ein Reduktionsgetriebe, damit sich der Wagen auch noch aus dem größten Schlamassel freiwühlen kann. Der Transsyberia ist also definitiv kein Fahrzeug in reiner Offroad-Optik, er ist tatsächlich für schweres Gelände gerüstet. Geschützt wird sein wertvoller Unterboden dabei von einem massiven Unterfahrschutz aus Aluminium, der sich optional mit dem 2.272 Euro teuren Offroad-Technik-Paket noch verstärken lässt.

Mit GTS-Herz Unter der Haube unseres Transsyberia wummert ein V8 - und zwar der aus dem Cayenne GTS. So greift unser Wagen auf 405 anstelle der 348 PS aus dem Cayenne S zurück. 500 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 3.500 U/min helfen beim Druck nach vorn gewaltig. Wir treten das Gaspedal voll durch und werden mit für einen 2,2-Tonnen-Wagen gutem Anzug belohnt. Wer bereits vom Cayenne Turbo mit 500 PS verstrahlt ist, dem wird die Beschleunigungswirkung vielleicht nicht reichen, für alle anderen sind 6,5 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h vollkommen okay. Dabei gibt sich der Wagen leise, erst ab 170 km/h kommen ein paar erwähnenswerte Geräusche über die Außenspiegel rein. Das Aggregat selbst lässt sich beim Gas-Push zu einem angenehm dezenten Knurren hinreißen. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 251 km/h erreicht - mehr als genug für so einen Brocken. Porsche gibt den Gesamtverbrauch mit 13,9 Liter auf 100 Kilometer an, in unserem Test wurden im Schnitt 16,9 Liter Zündstoff pro 100 Kilometer verbrannt.

Tiptronic zum Zurücklehnen Serienmäßig übernimmt der Fahrer beim Transsyberia die Schaltarbeit per Sechsgang-Schaltung. Unser Wagen ist mit der 2.642 Euro teuren Sechsgang-Automatik unterwegs, die bei Porsche Tiptronic S heißt. Und diese Automatik ist für Harmonie und Komfort zuständig. Weich lässt sie die Schaltstufen abgleiten, ruckelt nie. Wer ins Gang-Geschehen eingreifen möchte, lässt seine Daumen an den beiden dafür vorgesehenen Lenkrad-Knöpfen spielen. So macht die Fahrt, besonders bergab auf kurviger Strecke, noch mehr Spaß.
Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb (permanent)
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:V-Ottomotor
Hubraum:4.806
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:8
Leistung:298 kW (405 PS) bei UPM
Drehmoment:500 Nm bei 3.500 UPM
Preis
Neupreis: 77.558 € (Stand: Juni 2009)
Fazit
Der Porsche Cayenne S Transsyberia ist in seiner schwarz-orangefarbenen Ausführung eine Aussage: Auffälliger kann man nicht zu seinem Auto stehen. Schnell gewinnen wir das exotische Äußere lieb - nach dem ersten Überraschungsmoment geht es vielen so.

Und auch der Rest des Wagens ist ein Erlebnisort: Der Cayenne mit GTS-Motor und Luftfederung macht on- und offroad extrem viel Spaß, ohne dabei anzustrengen. Nur der Verbrauch holt uns ab und zu wieder auf den harten Boden der Realität zurück.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2009-06-04

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