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Testbericht

Jürgen Wolff, 22. Mai 2016
Offroad? Bei vielen Herstellern ist es in Mode gekommen, Allerweltsmodellen ein paar Plastikplanken anzukleben und so einen Hauch von Freiheit und Abenteuer vorzuschützen. Im Škoda Octavia Combi Scout steckt da schon etwas mehr, zeigt eine 1.000-Kilometer-Tour durch Rumänien.

Kleine Jungs lieben kleine Pfützen, große Jungs lieben große Pfützen - und für Offroader können die Pfützen gar nicht groß genug sein. Dabei ist "Offroad" natürlich durchaus relativ. Škoda\\\'s Octavia Combi Scout etwa ist sicher kein Gefährt für Wüstenpisten, Geröllhalden oder Flussdurchfahrten. Aber für ein wenig Spaß abseits asphaltierter Straßen taugt er allemal. Das zeigte der tschechische Kraxler gerade wieder beim Škoda Euro Trek 2016, der über rund 1.000 Kilometer quer durch Rumänien von Sibiu ans Schwarze Meer führte - größtenteils über Nebenwege voller mit Regenwasser zugelaufener Schlaglöcher und andere abenteuerliche Wege.

Das rumänische Straßennetz bietet spätestens seit dem EU-Beitritt 2007 von allem Etwas. Man ist auf frisch asphaltierten Hauptstraßen ebenso unterwegs wie auf immer noch maroden Dorfstraßen, auf denen man sich im Slalom um die Schlaglöcher schlängelt - immer mit dem Straßenrand im Augenwinkel, an dem sich alle paar Meter einer der zahllosen Hunde in der Sonne räkelt. Dazu kommen je nach Gegend diverse Pferde- oder Eselsfuhrwerke. Oft macht es für Fahrwerk, Reifen und Geschicklichkeit beim Ausweichen wenig Unterschied, ob man nun auf einer offiziellen Straße oder einem steinigen Feldweg unterwegs ist und sich vom Gras den Unterboden schrubben lässt. Und was ein echtes Kind im Manne ist, das kurvt nicht einfach um eine Pfütze herum, sondern lässt das Dreckwasser möglichst spektakulär nach allen Seiten spritzen.

Der Octavia im Allrad-Outfit hält tapfer mit. Denn anders als bei so manchem "Offroad"- Derivat auch aus dem eigenen Konzern beschränkt sich Škoda nicht nur darauf, dem Scout links und rechts ein paar Plastikplanken anzukleben. Der Octavia Combi Scout ist mit einer Bodenfreiheit von 171 Millimeter um gut drei Zentimeter höher gelegt als die "Zivilversion". Das verschafft ihm vorne einen Böschungswinkel von immerhin 16,7 und hinten von 13,8 Grad. Zum Vergleich: Der Yeti aus gleichem Hause kommt in der "Outdoor"-Version auf einen vorderen Böschungswinkel von 19,0 Grad und eine Bodenfreiheit von 180 Millimeter. Beim Octavia Scout sorgt außerdem ein serienmäßiges Schlechtwegepaket mit Unterbodenschutz dafür, dass Motor sowie Brems- und Kraftstoffleitungen unbeschadet bleiben.

Vor allem aber hilft der Allradantrieb beim Fortkommen abseits zivilisierter Straßen. Das System basiert auf einer überarbeiteten elektronisch geregelten Lamellenkupplung, die je nach Situation die Kraft an die vier Räder verteilt. Per Knopfdruck lässt sich neben den üblichen Fahrmodi zwischen "Eco" und "Sport" auch ein Offroad-Modus einstellen. Vor allem das DSG-Automatikgetriebe reagiert wie gewohnt unterschiedlich auf die getroffene Auswahl. Im Eco-Modus etwa kommt der Octavia eher verhalten aus den Puschen, im Normal-Modus gönnt er sich zwischen dem Gasgeben und dem tatsächlichen Beschleunigen auch noch einen Moment der Besinnung. Sehr viel direkter geht es im Sportmodus zu - der leer knapp 1,6 Tonnen schwere Kombi dreht die Gänge deutlich auf und reagiert beim Gasgeben ebenso deutlich spontaner.

Das Fahrwerk mit McPherson-Vorder- und Mehrlenker-Hinterachse sorgt auch auf den Schlaglochpisten für erstaunlichen Sitzkomfort. Der Wagen sieht nach stundenlanger Tortur vielleicht etwas mitgenommen aus - die Insassen keineswegs. Entspannend ist dabei auch die Motorleistung bei den Euro Trek-Fahrzeugen: Unter der Haube arbeitete ein Zwei-Liter-Diesel mit 135 kW/184 PS, der es auf ein maximales Drehmoment von 380 Nm ab 1.750 U/min. bringt. Damit lässt sich souverän unterwegs sein.

Eine Souveränität, die einen dann auch die diversen Schmankerl auf dem (Off)Road-Trip entspannt genießen lässt. Sei es Schloß Bran, der Legende nach Stammsitz von Vlad III., der als Vorbild für Bram Stockers "Graf Dracula" gedient haben soll. Von dessen üblem Ruf lebt die Stadt am Fuße des Schlosses heute gar nicht einmal so schlecht - wenn auch der Andenkenkitsch rund um den Blutsauger sicher nicht jedermanns Geschmack ist. Eher passen da Optionen wie die Fahrt über eine 289 Meter lange, mit Holzplanken belegte und schwankende Hängebrücke, auf die der Octavia nur mit eingeklappten Außenspiegeln passt. Oder der Wechsel der Landschaften von den Gebirgsketten der Karpaten über das weite siebenbürgische Becken, hindurch zwischen sanften Hügelformationen bis ins weitläufige Donaudelta.

Eine richtig große Pfütze markierte das Ziel des Euro Trek: Nach knapp 1.000 Kilometer Fahrt war das Schwarze Meer erreicht. Aber um solche Pfützen machen dann auch die großen Jungs lieber einen Boden - Offroad-Paket hin oder her.
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Quelle: Autoplenum, 2016-05-22

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