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Testbericht

Jürgen Wolff, 29. April 2015
Im vergangenen Jahr hat der Škoda-Nachwuchs mit der Studie CitiJet zum ersten mal ein eigenes Fahrzeug von der Idee bis zum fertigen Auto entwickelt. Weil das ein großer erfolg war, gibt es auch dieses Jahr eine flotte Azubi-Studie: der FUNstar.

Dana Maria Stanková ist sichtlich stolz auf "ihre" Jungs und Mädels: Jeden Vortrag begleitet sie mit einem zufriedenen Lächeln und quittiert ihn mit einem kurzen Nicken. Die Leiterin der hauseigenen Škoda Auto Berufsschule am Stammwerk im tschechischen Mladá Boleslav hat auch allen Grund zur Zufriedenheit: Die kleine Show der 23 Azubis war perfekt. FUNstar heißt das Projekt, das die zwei jungen Frauen und 21 jungen Männer in den vergangenen Wochen und Monaten auf die Räder gestellt haben und das Mitte Mai auf dem GTI-Treffen am Wörthersee zum ersten mal öffentlich gezeigt werden soll.

Seit November 2014 haben die Azubis in ihrem gemeinsamen Projekt am FUNstar getüftelt. Vorbild ist die Designstudie Škoda CitiJet vom vergangenen Jahr. Dafür hatte eine andere Gruppe einen Škoda Citigo aufgeschnitten und ein flottes Cabrio daraus gemacht. Auch der CitiJet stand anschließend am Wörthersee.

Jetzt also ist mit dem FUNstar die zweite Designstudie als Pickup fertig - noch ein paar Tick ausgefeilter und spektakulärer. Durchgezogen wurde das Projekt der Azubis wie auch bei den "offiziellen" Fahrzeugstudien üblich: Ideen entwickeln, diskutieren, verfeinern, pragmatisch verwerfen und verändern, Teile bauen, Farbkonzepte erarbeiten, mit Abteilungen wie der Fahrzeugproduktion oder dem Design ausdiskutieren, was umsetzbar ist und was nicht, die Präsentation des Konzepts vor dem Vorstand. Und schließlich der Bau des Pickup in deiner handwerklichen Qualität, an dem auch deutsche Autojournalisten nichts auszusetzen haben - und die gelten gemeinhin als Spaltmaßfetischisten.

Basis für den FUNstar ist der neue Serien-Fabia. Dem wurde nicht einfach nur das Heck aufgeschnitten und zur Ladefläche umgewidmet - die Azubis legten Hand an bis ins Detail. So sorgen LED-Leuchten unter den Seitenleisten und den Stoßfängern für Leuchtstreifen rund ums Fahrzeug - in Škoda-Grün, versteht sich. Komplett auseinander genommen wurden auch die Scheinwerfer und die Heckleuchten. Vorne sorgen nun Zwei-Linsen-Scheinwerfer für Licht, dazu - grüne - LED-Lichtstreifen für das Fahrlicht. LED-Lämpchen, in fummeliger Handarbeit arrangiert, sind auch am Heck für individuelle Erkennbarkeit zuständig - bis hin zur Škoda-typischen C-Form der Rückleuchten. Auffällig lackiert ist die Studie in den Metallic-Farben mit den schönen Namen "Steel-Grey" und "Moon-White". In "Reflex-Green" abgesetzt dazu strahlen die Einfassung des Kühlergrills und der Heckspoiler.

Der FUNstar ist durchaus fahrbereit, versichert Filip Molnár, der ein wenig als Sprecher der 23 fungiert. Allerdings hat die Studie aus eigener Kraft bisher nur ein paar Meter auf dem Parkplatz zurückgelegt. Als Motor steckt unter der Haube ein 1,2-Liter-TSI-Benziner mit 90 kW/122 PS. Beim Serien-Fabia ist mit 110 PS Schluss. Der Motor selbst dröhnt durchaus kernig aus dem - ebenfalls modifizierten - Endrohr. Der FUNstar soll Spaß nicht nur fürs Auge bieten. Als Getriebe haben die Azubis ein modernes 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe genommen. Und die Räder haben sie sich beim Octavia RS ausgeliehen - dort heißen die 18-Zoll-Felgen "Gemini". Aber auch da haben die Azubis Hand angelegt: Die Lackierung der Felgen findet sich so in keiner Škoda-Zubehörliste. Die Ladefläche im Heck ist ein wenig kantig ausgeformt - irgendwo musste man die Radkästen verstecken. Aber die Edelstahlbleche wirken schon so robust, dass sie einiges aushalten könnten.

Modifiziert wurde auch der Innenraum. Dort finden sich bei einzelnen Elementen die Außenfarben wieder und das Serien-Lenkrad ist durch eine Sportversion ersetzt. Adäquat zum Motorsound sorgt innen ein Soundsystem mit satten 1.400 Watt Leistung für den akustischen Gegendruck.

Die Škoda-Berufsschule gibt es in Mladá Boleslav schon seit 1927. Seit Škoda im VW-Konzern untergeschlüpft ist, gehört die "Škoda Akademie" zum Ausbildungsverbund der Wolfsburger. Aktuell sind 880 Azubis zum Tagesstudium in 13 verschiedenen Ausbildungsgängen eingeschrieben, davon sind 12,5 Prozent Mädchen. Die kostenlose Ausbildung selbst dauer je nach Bereich drei bis vier Jahre und schließt mit dem Gesellenbrief oder dem Abitur ab. Seit 1927, so Škoda, haben dort knapp 22.000 Schüler ihre Ausbildung abgeschlossen.
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Quelle: Autoplenum, 2015-04-29

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