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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 29. August 2020
Es gibt sie noch, die unverwüstlichen klassischen Geländewagen, die dem traditionellen Ideal eines Gefährts mit dem man nahezu überall hinkommt, frönen und auf die politisch korrekte Verzichtsmobilität pfeifen.

Radikaler kann eine Nutzungsänderung nicht sein. Wo jahrelang kleine rollende Schuhschachteln namens Smart vom Band rollten, soll demnächst ein beinharter klassischer Geländewagen produziert werden: der Ineos Grenadier. Verhandlung zwischen dem britischen Chemieriesen Ineos und Daimler über die Übernahme der Smart Fabrik in Hambach sind in der Endphase. Hinter dem ganzen Vorhaben steht ein Name: Jim Ratcliffe. Für den britischen Milliardär sind die ganzen modernen Crossover neumodischer Krimskrams, sozusagen Spielzeuge auf vier Rädern. Die einzigen Fahrzeuge, die den Namen Geländewagen verdienen, sind Kaliber wie eine Mercedes G-Klasse, ein Jeep Wrangler oder ein Land Rover Defender.

Und das reguläre Dasein dieses britischen Klassikers endete im Jahre 2016, als das letzte Modell in Solihull vom Band lief. Doch jetzt soll es eine automobile Reanimation geben und das ehemalige Smart-Werk soll die Geburtsstätte des Ineos Grenadier werden. Die Optik des Grenadiers lässt keinerlei Zweifel offen, wer der einzig legitime Nachfolger des britischen Kult-Kraxlers ist. Denn der neue Geländewagen entspricht von den Abmessungen und der Optik her einem klassischen Land Rover Defender 110. Natürlich kommt die kantige Optik mit modernen Innenleben: Die Reihensechszylinder stammen von BMW, die Achtgangautomatik von ZF und auch das Infotainment wird moderner als das des Ur-Defenders - keine große Kunst.

Aber neben dem Briten, der den Off-Roader Spruch \"It\\\'s never over in a Rover\" prägte und dieser Aussage eine unerbittliche Substanz verlieh, gibt es noch einen zweiten Star unter den klassischen Über-Stock-und-Stein-Künstlern, die Mercedes G-Klasse. Ebenso wie der Land Rover Defender musste der Klassiker einer Neuauflage weichen, sehr zum Unwillen der gusseisernen Fans. Aber auch hier gibt es- zumindest optisch - würdige Nachfolger. Einer davon ist der Force Gurkha, ein Geländewagen, der als Drei- und Fünftürer mit verschiedenen Karosserieaufbauten angeboten wird. Als Kraftquelle dient entweder ein 2,2 Liter großer Vierzylinderdiesel mit 103 kW / 140 PS oder ein 2,6-Liter-Triebwerk mit überschaubaren 63 kW / 85 PS. Neben einer Version mit Heckantrieb haben die Inder auch einen Allradantrieb im Angebot. Dieses Fahrzeug macht die Geländewagen-Fans glücklich - mit rustikaler Optik und einfacher, solider Technik, die man zur Not auch am Straßenrand zwischen Mumbai und Delhi zum Laufen bringen kann. Komfort ist etwas für Weicheier, der Force Gurkha ist rollender Purismus.

Der große Konkurrent des Force Gurkha ist der Mahindra Thar und der orientiert sich an einer weiteren Off-Road Ikone, den Jeep Wrangler. Die Ähnlichkeit geht sogar so weit, dass sich amerikanische Touristen in einem Jeep wähnen, bis der Blick auf das Symbol auf dem Pralltopf und die Innenausstattung fällt. Doch da haben die Inder unlängst nachgebessert und eine neue Version des Thar vorgestellt. Immerhin hat der Geländekraxler jetzt LED-Tagfahrlicht, ESP, ein Infotainment samt USB-Anschluss, Android Auto, Apple CarPlay und ein Navigationssystem. Ein Allradantrieb mit Untersetzung und Sperrdifferenzialen, darunter ein mechanisches an der Hinterachse, ist bei den indischen Straßen fast schon selbstverständlich. Angetrieben wird der neue Thar entweder von einem Benziner mit 112 kW / 152 PS oder einem Diesel mit 97 kW / 132 PS. Als Alternative zur manuellen Sechsgangschaltung gibt es eine Sechsgangautomatik.

Und dann kehrt noch eine Ikone zurück, die die Herzen der Geländewagen-Fans bereits im Sturm erobert hat: Der Ford Bronco, den es sowohl als Zweitürer und Viertürer mit dem entsprechenden Radstand geben wird. Der Bronco ist kein Lifestyle-Poser sondern soll überall seinen Mann stehen. Dass es die Amerikaner mit dem Angriff auf den Offroad-Thron ernst meinen, sieht man an den Geländefähigkeiten. Und da greifen die Ford-Manager gleich in das Sport-Regal. Denn als G.O.A.T (Greatest of all Time) bezeichnen die Fans Athleten wie Basketballlegende Michael Jordan oder den unerreichten Boxer Muhammad Ali. Witzigerweise bedeutet \"Goat\" auch Ziege. Diese Allradtechnologie mit dem Terrain Management System des Bronco ist der Kern der Offroad-Fähigkeiten des Bronco. Mit den G.O.A.T. Modes soll der Fahrer in jedem Gelände besser navigieren können. So ist der neue Ford-Geländewagen nicht nur mit Siebengang-Handschaltung oder mit einer Zehngang-Getriebeautomatik zu bekommen, sondern verfügt über insgesamt sieben Fahrprogramme, mit denen es sicher durch Schnee, Matsch, Sand oder Geröll gehen soll. Mit einer neu konzipierten Elektronik lässt sich mit einem Pedal Gas und Bremse wie bei einem Elektroauto steuern, um die harten Gelände kraxeln zu können. Beim Antrieb bedienten sich die Ingenieure beim Ford Konzernregal, die Alternativen können sich ja durchaus fahren lassen. Der 2,7 Liter große V6 mit Turboaufladung sorgt mit 228 kW / 310 PS und 540 Newtonmeter Drehmoment für Vortrieb, als Alternative steht der 2,3 Liter großen Vierzylinder-Turbo mit 199 kW / 270 PS sowie 420 Nm parat.
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Quelle: Autoplenum, 2020-08-29

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