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Testbericht

2. Juni 2015
Saragossa (Spanien), 3. Juni 2015 - Was geht ab? Diese Frage stellt sich auch Renault seit Längerem. Bezogen auf den Automobilmarkt ist die Antwort eindeutig: SUVs. Im sogenannten C-Segment (auch Golf-Klasse genannt) betrug der Crossover-Anteil im Jahr 2014 schon 27,7 Prozent, Tendenz steigend. Ganz klar: Wenn die Pizza immer dicker belegt wird, möchte auch Renault einen Teil davon abhaben. Möglich machen soll das der neue Kadjar. Die neue Mitte Kadjar-was? Die künstlich geschaffene Modellname hat eine furchtbar komplizierte Erklärung, die ich Ihnen an dieser Stelle ersparen möchte. Wenden wir uns den harten Fakten zu: Mit 4,45 Meter Länge ist der Renault Kadjar über dem Captur (4,12 Meter) angesiedelt, übernimmt aber einige optische Elemente vom kleinen Bruder, was speziell an der Frontpartie deutlich wird. Auch eine optische Verwandtschaft zum neuen Espace ist beim Kadjar nicht zu leugnen. Anders als man denken würde, soll der Kadjar nicht den 4,52 Meter langen Koleos ablösen. Dessen Nachfolger entsteht auf Basis des Nissan X-Trail (4,64 Meter) und wird so etwas höher positioniert. Grüße aus JapanAber auch der Kadjar hat einen Nissan-Bruder, nämlich den Qashqai. Beide weisen den gleichen Radstand auf (2,64 Meter) und sind fast gleich hoch. Lediglich in der Länge ist der Qashqai acht Zentimeter kürzer. Zumindest im Fond profitiert der Renault kaum von seinem Bonus. Hier ist der Platz für die Beine zwar ausreichend, aber je nach Stellung der Vordersitze kann es eng werden. Für mehr Freude sorgt der Kofferraum, dessen Ladekante angenehm niedrig ist. Sehr praktisch ist der doppelte Boden, der aufgestellt zum Raumteiler wird. Zwischen 472 und 1.478 Liter gehen ins Heck hinein, das ist VW-Tiguan-Niveau.
Augenschmaus für alle Punkte sammelt der Kadjar auch mit seinem Cockpit: Sicher könnte die Materialgüte hier und da etwas besser sein, aber sehr viel besser macht es die Konkurrenz auch nicht. Vorzüglich ist die einfache, klar strukturierte Bedienung. Eher schrullig ist die Tempomat-Taste auf der Mittelkonsole oder der markentypische Bediensatellit fürs Radio hinter dem Lenkrad. Inwiefern das auf die angepeilte Zielgruppe zutrifft, wissen wir natürlich nicht. Aber Renault spricht angenehm unverblümt von "jung gebliebenen Seniorenpaaren", die man unter anderem im Visier hat. Nicht nur sie werden sich über die perfekt ablesbaren Instrumente freuen. Jedem Brillenträger kommen die großen Balken der Tank- und Temperaturanzeige entgegen. Der digitale Rundtacho stellt diverse Ansichten bereit. Ich empfehle den Modus "Drehzahlmesser klassisch außen, innen große Ziffern für das Tempo". Ziemlich zahnlos Tempo macht auch das optionale R-Link-Navi: Sobald ich an einem geplanten Abzweig fahre, beginnt das System mit der Neuberechnung der Route. Ganz schön fleißig, aber oft wäre mir der ursprünglich gewählte Weg lieber. Auf meiner ersten Route arbeitet unter der stark konturierten Motorhaube der einzig erhältliche Benziner mit 130 Turbo-PS aus 1,2 Liter Hubraum. Er startet schon bei verführerischen 19.990 Euro, Klimaanlage, Tempomat und Radio inklusive. Und eine sehr gute Laufruhe, auch bei 130 km/h hält sich das Aggregat mit Äußerungen zurück. Nur leider auch mit Biss, denn unter 2.000 Umdrehungen tut sich nicht viel. Und auch über dieser Marke muss das Gaspedal speziell am Berg fast in den Boden getreten werden, um voranzukommen. So richtig packt der Otto-Kadjar erst oberhalb von 3.000 Touren zu. Der Blick in die technischen Daten untermauert den subjektiven Eindruck: 10,1 Sekunden auf 100 km/h sind nicht die Welt, maximal sind 192 km/h möglich. Dennoch: Wer wenig fährt und es nicht eilig hat, ist mit dem Benziner gut bedient. Tempomat anstellen, auf 130 km/h gehen, fertig. Schöner Selbstzünder 1.700 Euro teurer als der Benziner ist der Einstiegs-Diesel mit 110 PS, den es als einzigen Kadjar auch mit Doppelkupplungsgetriebe gibt. 3.300 Euro Aufpreis verlangt Renault für den Selbstzünder mit 130 PS, mit dem ich auf den zweiten Teil der Testfahrt gehe. Schnell zeigt sich: Das ist der perfekte Motor für den Kadjar. Enorm laufruhig schaufelt er schon bei 1.750 Umdrehungen 320 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Beim Sprint auf 100 km/h und der Endgeschwindigkeit liegt er zwar mit dem Benziner gleichauf, verrichtet seine Arbeit aber deutlich lässiger. Einziger kleiner Kritikpunkt: Die höchsten Gänge des Sechsgang-Getriebes sind zu lang übersetzt. Allzu schaltfaul lässt sich der Kadjar daher nicht fahren.
Auf allen Vieren Angenehm ausgewogen hat Renault nicht nur die Lenkung, sondern auch das Fahrwerk abgestimmt. Selbst mit den optionalen 19-Zöllern wird der Kadjar nicht zum Rückenmörder. Meine Empfehlung sind die meist serienmäßigen Felgen im 17-Zoll-Format. Optional ist der 130 PS starke Diesel auch mit Allrad zu haben. Das System bietet ein variablen 4x4-Modus, in dem bis zu 50 Prozent des Drehmoments auf die Hinterachse geleitet werden. Im Lock-Modus wird die Kraft bis zu 40 km/h im Verhältnis 50:50 verteilt, während im 2WD-Modus ausschließlich die Vorderräder angetrieben werden. Die dafür nötigen 2.000 Euro Aufpreis müssen jedoch nicht sein, sofern man nicht mit strengen Wintern zu kämpfen hat. Ansonsten reicht der normale Frontantrieb, der optional mit einer erweiterten Traktionskontrolle namens "Extended Grip" ausgerüstet werden kann. Über Bremseingriffe wird je nach Modus das Antriebsmoment zugunsten von idealem Grip geregelt. Preislich im Rahmen Ich fasse zusammen; Der Renault Kadjar mit 130-PS-Diesel ohne Allrad reicht aus. Was kostet er? Los geht es bei 26.990 Euro mit Zwei-Zonen-Klimaautomatik, für nur 900 Euro mehr gibt es die sehr empfehlenswerte XMOD-Ausstattung. Hier bleiben kaum Wünsche offen: Die Bandbreite reicht von der Verkehrszeichenerkennung über einen Spurhaltewarner und einem Fernlicht-Assistenten bis zur umklappbaren Lehne des Beifahrersitzes und der Extended-Grip-Traktionskontrolle. Eine gute Ergänzung sind das Safety-Plus-Paket für 890 Euro und das 390 Euro teure Winter-Paket. Mit dabei sind hier beheizbare Sitze vorne, eine beheizbare Frontscheibe, ein Totwinkel-Warner, 360-Grad-Sensoren für eine Vogelperspektive und Parkpiepser vorne wie hinten. Macht unter dem Strich faire 29.170 Euro. Starke Rivalen Und die Konkurrenz? Der Bestseller VW Tiguan ist mit 150-PS-Diesel über 2.000 Euro teurer, obwohl er kaum Assistenzsysteme bietet. Die bringt erst der Nachfolger mit, der im Herbst 2015 debütiert. Im Visier hat Renault aber auch den jüngst gelifteten Mazda CX-5. Auch sein Diesel leistet 150 PS und beginnt bei 26.290 Euro. Kadjars Konzernbruder, der Nissan Qashqai, hat natürlich den gleichen Diesel mit 130 PS unter der Haube. Hier geht es bei etwas besserer Ausstattung ab 27.500 Euro los. Der Renault ist zwar gut eingepreist, ein Super-Schnäppchen ist er aber nicht.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Diesel mit Common-Rail-Einspritzung
Hubraum:1.598
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:96 kW (130 PS) bei UPM
Drehmoment:320 Nm bei 1.750 UPM
Preis
Neupreis: 27.890 € (Stand: Juni 2015)
Fazit
Mit dem Kadjar hat Renault ein in Optik und Technik solides Auto auf die Räder gestellt. Auffallende Ausrutscher leistet sich der Kadjar nicht, man sollte ihn aber schon mit Diesel bestellen. Die meisten Fans dürfte er unter den Renault-Fans finden. Alle anderen SUV-Interessenten werden auch mit einem Auge auf die Konkurrenz aus Fernost schielen. Hoffentlich nur mit einem Auge, denn der Kadjar ist der bislang beste Renault der letzten Jahre. + laufruhige Motoren, übersichtliches Cockpit, großer Kofferraum - müder Benziner, mäßiges Platzangebot hinten
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2015-06-02

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