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Testbericht

Joaquim Olivera / Stefan Grundhoff, 27. Dezember 2012
Mit dem Proceed bekommt der Kia Ceed einen dynamischen Bruder. Mit mehr Emotionalität wollen die Koreaner völlig neue Kunden locken.

In den letzten Jahren haben die Modelle von Kia und Hyundai insbesondere durch solide Technik und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis von sich reden gemacht. Kia positionierte sich zuletzt verstärkt als dynamische Designmarke zu bezahlbaren Preisen. Mit neu inspiriertem Design und verbesserter Qualität entstehen langsam die ersten Modelle mit einer großzügigen Dosis Fahrspaß wie der Kia Proceed GT, der nach seiner Weltpremiere auf dem Genfer Autosalon Anfang März im Sommer eingeführt wird. Was der neue Kia Proceed kann, zeigt eine erste Runde im Prototypen.

Es braucht etwas Fantasie um sich den getarnten Proceed mit einem sportlicheren Grill, üppigeren Stoßfängern, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen und Vierpunkt-LED-Tagfahrtleuchten als Serienmodell vorzustellen. Ab der B-Säule gewinnt der fünfsitzige Proceed durch den Wegfall der hinteren Einstiegs deutlich an sportlicher Kontur. Innen gibt es bequeme Recaro Sportsitze, Pedale aus Aluminium und weitere optische sportliche Dreingaben. Etwas mehr Differenzierung vom Kia Ceed hätte der Proceed jedoch durchaus vertragen. Genau wie im Ceed Fünftürer (ebenfalls als GT-Variante erhältlich) kann das Platzangebot vorne wie hinten überzeugen. Die Sitzposition kann jeder Körpergröße nach individuell angepasst werden und der zusätzliche Seitenhalt der Vordersitze verhindert übermäßige Bewegungen bei flotter Gangart. Während es im aktuellen Kia Ceed drei Lenkmodi gibt, ist im Proceed nur der schwächste Lenkassistent verbaut. Leichtgängig ist sie trotzdem; doch etwas mehr Rückmeldung würde dem Kia Proceed gut zu Gesicht stehen.

Der größte Unterschied bei diesem geschärften Ceed ist sein Triebwerk. Die deutschen Ingenieure des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim haben einen Twin-Scroll-Lader in die 1,6-Liter-Einheit mit Direkteinspritzung eingesetzt. Das Ergebnis ist vielversprechend: 150 kW / 204 PS und 265 Nm maximales Drehmoment stehen in einem breiten Drehzahlband von 1750 bis 4500 U/min zur Verfügung. 0 auf Tempo 100 schafft der Koreaner in 7,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h. Der Normverbrauch des Serienmodells soll knapp unter sieben Litern liegen. Der Vierzylinder-Turbo hängt gut am Gas und zieht aus niedrigen Drehzahlen kraftvoll von unten durch. Die Gänge vier bis sechs sind kürzer als beim Standard-Ceed ausgelegt. Die Schaltung ist knackig und präzise. Man darf gespannt sein, wie dieser Motor zukünftig mit dem neuen Doppelkupplungsgetriebe harmonieren wird, das Kia in Kürze vorstellen wird. Die Abgasanlage wurde so bearbeitet, dass sie im Innenraum präsenter ist, damit das Klangbild den emotionalen Ansprüchen des GT gerecht wird. Der Prototyp war mit einem Schalter ausgestattet, der zwischen zwei akustischen Modi wechselte. Ob brummmm oder BRRUUUMMMMM entscheidet der Kunde am Steuer selbst.

Dank härterer Federn und vergrößerter Wankstabilisierer wirkt der Kia Proceed straffer und gewinnt in schnell gefahrenen Kurven an Stabilität. Etwas dürfte hier bis zum Serienstart im kommenden Sommer noch nachgeschärft werden. Der Kia Proceed GT bietet guten Leistungen, ein dynamisches Fahrverhalten und ein gehöriges Maß Alltagsnutzen. Der Koreaner ist kein Golf GTI, kein Ford Focus ST oder Renault Mégane Coupé Sport, die allesamt mehr Sportlichkeit und Dynamik bieten. Doch der unter 30.000 Euro teure Proceed GT ist für Kia ein Schritt in die rechte Richtung.
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Quelle: Autoplenum, 2012-12-27

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