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Testbericht

Sebastian Viehmann, 1. Mai 2011
Vor 50 Jahren degradierte der Karmann-Ghia Typ 34 jeden Volkswagen zum buckligen Verwandten. Eine Ausfahrt mit dem „Großen Karmann“, der eleganten Mischung aus Ami-Style, Italo-Schick und Wolfsburger Gemütlichkeit.

Zeit für den obligatorischen Sonntagsauflug! Die ganze Familie wirft sich in Schale, die Nägel sind frisch gebürstet, das Haar korrekt frisiert und Tante Lisbeth wartet schon mit Kaffee und Kuchen. Papa holt den Wagen aus der Garage, und der Nachbar mit seinem schnöden Käfer staunt nicht schlecht: Ein Karmann Ghia Coupé ist es, das da langsam und elegant die Einfahrt herunter rollt. In den 60er Jahren konnten sich zwar immer mehr Deutsche den Traum vom eigenen Auto erfüllen, doch ein Karmann war immer noch etwas Besonderes. Da nahm man als Besserverdiener gern den satten Aufschlag in Kauf. Das schicke Coupé aus Osnabrück kostete stets rund 3000 D-Mark mehr als eine VW 1500 Limousine.

Vor 50 Jahren rollte der „Große Karmann“ ins Rampenlicht. Damals begann eine neue Zeitrechnung für VW, denn 1961 wurde erstmals dem Käfer eine weitere Baureihe zur Seite gestellt. Der Typ 3 (VW 1500 / 1600) blieb zwar dem Heckmotor-Konzept treu, brachte aber völlig neue Karosserieformen mit Limousine, Kombi (Variant) und Coupé. Letzteres kam natürlich von Karmann. Die technische Basis stammte vom VW 1500. Optisch fuhr Osnabrück jedoch einen klaren Punktsieg gegen Wolfsburg ein. Ghia-Designer Sergio Sartorelli verlieh dem Karmann ruhige und elegante Formen, lunzte dabei aber auch über den großen Teich: Das flache Heck mit den Lüftungsschlitzen und die umlaufende Falz in Hüfthöhe erinnern doch sehr an den Chevrolet Corvair, das einzige jemals in den USA gebaute Großserienmodell mit Heckmotor. An der Front laufen die Blechfalze des Karmann-Coupés zu Augenbrauen zusammen, die frech über die Scheinwerfer ragen.

Die Eleganz setzt sich im Innenraum fort. Hübsche verchromte Rundinstrumente erfreuen das Auge. Die akkurat verlegte Holzfolie am Armaturenbrett kann noch so falsch sein, sie ist einfach schick. Das Exemplar aus der Osnabrücker VW-Sammlung, ein Karmann-Ghia 1600 L aus dem Jahr 1969, hat sogar ein elektrisches Stahlschiebedach an Bord sowie eine Dreigang-Automatik. Der Wandler-Automat frisst im Vergleich zum Viergang-Handschalter sechs Sekunden Beschleunigungszeit, aber selbst 25 Sekunden von 0 auf 100 Km/h vergehen am Steuer des Karmann-Ghia wie im Flug.

Im Heck brabbelt die Top-Motorisierung mit 1584 Kubikzentimetern Hubraum und 54 PS vor sich hin, während das Basismodell nur 45 PS aufbieten konnte. Der Vierzylinder-Boxer verrichtet seine Arbeit dezent und gesittet. Bei 940 Kilogramm Leergewicht geraten 54 Pferdestärken nicht in die Bredouille, auf Wunsch sind immerhin 140 Km/h drin. Das Coupé ist ein herrlicher Gleiter mit ordentlicher Straßenlage. Das dürre Lenkrad mit dem zierlichen Hupring gewährt freien Ausblick auf alle Instrumente. Für eine angenehme Belüftung des großzügig verglasten Cockpits sorgen Ausstellfenster, und das nicht nur vorne, sondern auch hinten.

Der 4,28 Meter lange Typ 34 war 14 Zentimeter länger als der viel bekanntere Karmann-Ghia Typ 14 und wurde von 1961 bis 1969 gebaut. Bei den Verkaufszahlen erreichte das große Coupé jedoch nicht annähernd den Erfolg seines kleinen Bruders. „Vom Typ 14 wurden 362.585 Coupés gebaut und 80.881 Cabrios, beim Typ 34 waren es nur 42.505 Coupés“, weiß Karmann-Experte Klaus Ulrich. Er betreut die Osnabrücker Volkswagen-Sammlung, zu der seit der Firmenübernahme auch zahlreiche Karmann-Modelle gehören.

Das Typ 34 Cabriolet war noch viel seltener, es wurden nur zwölf Prototypen gebaut. Es hätte sogar einen dritten Typ 34 geben sollen, ein Fließheck-Coupé mit runden Doppelscheinwerfern. Doch der Karmann-Ghia Typ 34 TL von 1965 blieb ein Einzelstück. Dabei hatte der TL eine moderne große Heckklappe, während sein buckliger Verwandter aus Wolfsburg (Typ 3 Fließheck, ab 1965) nur ein kleines Blechkläppchen über dem Motor aufwies. Erst 1973 konnte sich VW zu einem zeitgemäßen Fließheck durchringen, es kam mit dem ersten Passat. Der war ohnehin eine Revolution für VW, denn man war vom Heckmotor auf Frontantrieb mit Frontmotor umgestiegen.
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Quelle: Autoplenum, 2011-05-01

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