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Testbericht

Patrick Broich/SP-X, 13. Dezember 2018
SP-X/Köln. Porsche zeigt schon seit 1975, wie man dem ohnehin nicht gerade schwächlichen Boxer im 911 weiter einheizen kann. Gleichzeitig werden Fans von Hochdrehzahlkonzepten bei den Zuffenhausenern auch dann nicht nach Hause geschickt, wenn die Automobilwelt neue Trends setzt. Inmitten der Diskussionen um CO2-Ausstoß und Effizienzsteigerung bleibt Porsche dem Saugmotor treu: Wer einen 911 GT3 kauft, entscheidet sich ganz bewusst gegen einen Turbolader. Wer ab 1975 Porsche 911 Turbo gekauft hat, der wusste ebenso klar, was unter dem Heckdeckel steckte. Porsche war nach BMW der zweite Autohersteller, der mittels Abgasturbine bei gleichem Volumen ein paar Pferdchen mehr springen ließ. Und der stärkste Elfer wurde bald zum heißbegehrten Prestigeobjekt, das noch heute ein grandioses Standing genießt. Heiß begehrt ist auch der GT3. Beim Wunsch, auf einen Turbo zu verzichten, geht es aber um mehr als gegen den Strom zu schwimmen. Es geht darum, wie die 500 PS entfaltet werden – letztendlich eine Typfrage. Zum Vergleich tritt in diesem Fall die Version mit Touring Paket an, dann verzichtet der Schwabe auf den auffälligen Spoiler. Der 930 rollte immer mit Heckflügel vor. Dass der GT3 mit Touring Paket so schlicht aussieht, ändert nichts an seiner Bestimmung – man merkt, dass dies kein Elfer von der Stange ist. Das exklusive Coupé ist straffer ausgelegt, sägt lauter als die Basismodelle und kommt überhaupt schriller rüber. Kennern fällt sofort der Schalthebel mit lediglich sechs Übersetzungen ins Auge. Es gibt keinen langen Schongang – kurz ist schnell und schnell ist gut. Aber die Performance muss man sich im GT3 erarbeiten, sie kommt nicht nebenbei. Fahr das Motoröl warm und gib dann Gas. Sei nicht schüchtern, trau’ dich Drehzahl – der rote Bereich beginnt erst bei 8.500 Touren. Unter 4.000 Umdrehungen passiert nicht viel, ab 6.000 verbreitert sich das Grinsen im Gesicht des Fahrers. Dann erst wird der Schub brachial und man muss mit dem präzisen Schalthebel schnell nachlegen. Wer es nicht übertreibt, kann mit dem Heckantriebsmodell jede Menge Spaß haben, weit vor dem Grenzbereich mit den G-Kräften spielen und den Magen des Beifahrers strapazieren. Für die Sicherheit, selbst bei schnellen Tempi in der Spur zu bleiben, sorgen 305er-Walzen an der Hinterachse, ein fein austariertes Fahrwerk (2,5 Zentimeter tiefer als das der Basis) und der Rettungsanker in Form eines effektiven Stabilitätsprogramms. Die Trockensumpfschmierung ist hier noch leistungsfähiger, Hinterachslenkung sowie aktive Quersperre hinten sind serienmäßig. Zeitreise ins Jahr 1978. Der innovative und damals unfassbar schnelle 911 Turbo bietet 3,3 Liter Hubraum und 221 kW/300 PS Leistung. Das erscheint angesichts der 500 Pferde des 991 mau, aber vor vier Jahrzehnten sah die Welt noch anders aus. Außerdem bringt der Oldie mit 1,3 Tonnen rund 100 Kilo weniger auf die Waage als. Nur 5,4 Sekunden benötigt das betagte Coupé, um 100 km/h zu erreichen. Das ist verdammt schnell. Und Kenner warnen, der Ur-Turbo sei ein Biest. Also vorsichtig angehen und nicht so unbedarft mit dem rechten Pedal herumspielen. Herrlich, wie sich der lange Schalthebel dem Fahrer entgegenstreckt, ein Viergang-Getriebe, wie drollig. Schnell steht fest: Die Gänge hier reißt man nicht durch, man legt sie vielmehr mit Gefühl ein. Um Kurven heizen mit dem alten Gefährt? Muss nicht sein. Einmal etwas Vertrauen gewonnen, kann man den 40-jährigen aber flott treiben. Ist das Öl warm, jubelt man den Boxer ohne Reue hoch, dann setzt der Turbobiss ein, das Coupé sprintet davon. Eine Erkenntnis: Beide sind nur mit ordentlich Drehzahl richtig schnell. Der Oldie, weil ihm schlicht die variable Schaufel-Geometrie fehlt. Und der Neue, weil es ein Sauger ist. Cool, dass es so etwas heute noch gibt. Porsche 911 Turbo (930) – Technische Daten: Zweitüriger, 2+2-sitziger Sportwagen, Gesamtbauzeit 1975 bis 1989, Länge: 4,29 Meter, Breite: 1,78 Meter, Höhe: 1,32 Meter, Radstand: 2,27 Meter 3,3-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit Turboaufladung, 221 kW/300 PS, maximales Drehmoment: 412 Nm bei 4.000 U/Min, 0-100 km/h: 5,4 s, Vmax: 260 km/h, Viergang-Schaltgetriebe Ehemaliger Neupreis:  ab 78.500 Mark (1978) Heutiger Marktpreis nach Classic Data Note 1: 147.000 Euro Note 2: 113.000 Euro Note 3: 81.000 Euro Porsche 911 GT3 Touring Paket – Technische Daten: Zweitüriger, 2+2-sitziger Sportwagen, Länge: 4,56 Meter, Breite: 1,85 Meter, Höhe: 1,27 Meter, Radstand: 2,46 Meter 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer-Saugmotor, 368 kW/500 PS, maximales Drehmoment: 460 Nm bei 4.600 U/Min, 0-100 km/h: 3,9 s, Vmax: 316 km/h, Sechsgang-Schaltgetriebe, Durchschnittsverbrauch: 13,3 l/100 km, Grundpreis: ab 152.416 EuroSaugmotor war früher, und Turbo ist heute? Von wegen, wie das Zusammentreffen des historischen Porsche 911 Turbo mit dem brandneuen 911 GT3 mit Touring Paket und Saugmotor zeigt.  
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Fazit
Saugmotor war früher, und Turbo ist heute? Von wegen, wie das Zusammentreffen des historischen Porsche 911 Turbo mit dem brandneuen 911 GT3 mit Touring Paket und Saugmotor zeigt.  

Quelle: Autoplenum, 2018-12-13

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