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Testbericht

Sebastian Viehmann, 28. Oktober 2009
Das Muscle Car ist tot, es lebe das Muscle Car. In den USA bauen Hubraum-Fetischisten einen Konkurrenten für moderne Supersportwagen. Basis ist ein alter Bekannter – der Pontiac GTO von 1969.

Grell und schnell, so lautete das Credo der amerikanischen Autoindustrie zwischen 1969 und 1970. In diesen beiden Jahren entstanden die stärksten, berühmtesten und politisch unkorrektesten Autos, die sich die „Big Three“ (Chrysler, Ford und General Motors) jemals haben einfallen lassen. Und kein Auto wurde so zum Synonym für die hubraumstarken Asphaltfräsen wie der Pontiac GTO.

Waren die ersten Modelle von 1964 noch dem Understatement verpflichtet, wurden die GTOs um 1969 in eine Optik getaucht, die sich ein Hippie im LSD-Rausch nicht extremer hätte ausdenken können. Mit einer hinreißenden Coupé-Form, martialischem Heckspoiler und einer aggressiven Schnauze aus Endura-Kunststoff machte das V8-Monster die Highways unsicher. Psychedelische Farben wie „Orbit Orange“ und ein Sondermodell namens „The Judge“ (Der Richter) gaben dem Image des Wagens den Rest.

Zum 40. Geburtstag kehrt der automobile Scharfrichter jetzt zurück: Die amerikanische Tuningschmiede Big 3 Performance aus Green Bay, Wisconsin, hat den „Jim Wangers Signature Edition GTO“ angekündigt. Der Namensgeber Jim Wangers ist eine Legende in der amerikanischen Muscle Car-Szene. In den 60er Jahren arbeitete er unter anderem als Werbeexperte für Pontiac und baute mit markigen Sprüchen den Kult um den GTO auf. Ob durch Anzeigen, Fernsehshows oder Songtexte – das frech aus Italien geklaute Kürzel GTO war in den USA bald jedem Schulkind bekannt, weckte die blanke Gier nach Leistung bei jungen Autofans und das blanke Entsetzen bei den Versicherungsgesellschaften.

Die Karosserie des Retro-Modells basiert auf Originalteilen des 1969er GTO, darunter steckt jedoch moderne Hochleistungstechnik – wenn man denn bullige V8-Motoren noch als modern bezeichnen möchte. Ein verstärktes Chassis und das Fahrwerk einer Corvette C6 mit Einzelradaufhängung soll für eine knackige Straßenlage sorgen, wie sie die Starrachsen-Dinos der späten 60er nicht gerade hatten. Der Motor basiert laut einer Pressemitteilung von Big 3 Performance auf einem Pontiac-V8, wurde aber mächtig aufgebretzelt und hat mehr als acht Liter Hubraum. Ein Sechsganggetriebe soll die geballte Kraft auf die Straße bringen.

Obwohl die Karosserie des Wagens bis hin zur Rallyestreifen-Kriegsbemalung weitgehend dem Original entspricht, legten die Designer hier und da noch Hand an. Der Grill bekommt eine große Spoiler-Lippe, Heckspoiler und Rückleuchten wurden komplett verändert. Während der 69er GTO einen Kunststoffbürzel auf der Heckklappe trug – 1969 waren Spoiler noch Neuland in der US-Autoindustrie – ist der Spoiler nun in den Heckabschluss des Wagens integriert. In der Motorhaube finden sich zwei Lufteinlässe, die das V8-Ungetüm mit genügend Frischluft versorgen. Im Innern des Wagens warten nicht mehr Vinylpolster mit Schwitz-Garantie, sondern beheizte und belüftete Recaro-Sitze. Ein Multimedia-System mit Touchscreen und Navigationsfunktion sorgt für Unterhaltung, falls man im Gebrüll des Motors noch sein eigenes Wort verstehen kann.

„Das ist das Auto, das Pontiac hätte bauen sollen, aber nie gebaut hat“, meinen die Hubraum-Jünger von Big 3 Performance in einer Pressemitteilung. Genaue Leistungsdaten und Preise des Retro-Renners haben die Tuner noch nicht bekannt gegeben. Man darf jedoch davon ausgehen, dass das bollernde Retro-Vergnügen mehr als 120.000 US-Dollar kosten wird.

Die Marke Pontiac übrigens steht längst auf der Abschussliste der Konzernmutter General Motors: Spätestens 2010 werde man die Marke auslaufen lassen, verkündete der kränkelnde Autoriese vor einiger Zeit. Mit den Ikonen von einst wie GTO, Trans Am oder Bonneville hat Pontiac allerdings auch nicht mehr viel gemein. Die aktuelle Modellpalette besteht aus leicht sportlich angehauchten Autos, zusammengesetzt aus GMs langweiligem Konzernbaukasten.
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Quelle: Autoplenum, 2009-10-28

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