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Testbericht

Sebastian Viehmann, 12. Juni 2011
Gegen den Willys Wagon ist der erste Range Rover ein junger Hüpfer: Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg kreuzte Jeep die Gene von PKW und Geländewagen und verarbeitete in der Karosserie sogar Kühlschränke. Eine Fahrt im Uropa des modernen Allradlers.

Bulliges Auftreten, hoher Fahrkomfort, variabler Innenraum und Allradantrieb – diese Eigenschaften zeichnen ein modernes SUV aus. Beim Geländewagenbauer Willys-Overland, dem Schöpfer des Jeep, gab es das alles schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. 1946 erschien der Willys Wagon, zwei Jahre später gab es das Multitalent optional mit vier angetriebenen Rädern. Jeep bewarb den Wagen als Allzweckfahrzeug und „Business Pleasure Vehicle“ – ein Auto für Arbeit und Freizeit also und damit das erste SUV aller Zeiten.

Den gewöhnlichen „Station Wagons“ hatte das 4,4 Meter lange Auto noch ein weiteres Merkmal voraus: Der Willys war der erste Kombi mit einer Ganzstahlkarosserie. Normalerweise bestanden damals die Aufbauten der Kombiwagen noch aus Holz, weswegen die Autos auch „Woodies“ genannt wurden. Als Reminiszenz an diese Zeiten brachten viele amerikanische Autohersteller bis in die 90er Jahre hinein Kombis mit angeklebter Holzfolie auf den Markt.

Der Auto-Boom nach dem Zweiten Weltkrieg schuf für Karosseriefirmen so viel Beschäftigung, dass der kleine Offroad-Spezialist Willys händeringend nach Zulieferern für sein neues Modell suchte. „Firmenchef Charles Sorensen kam deshalb auf eine Idee“, berichtet Jeep-Historiker Brandt Rosenbusch, „er ließ eine Karosserie mit einer Prägungstiefe entwickeln, die auch Hersteller von Kühlschränken liefern konnten.“ Tatsächlich erinnert die Haut des SUV-Urahns ein wenig an einen jener klassischen mannshohen US-Kühlschränke. Nur der schmucke Chromgriff fehlt.

Im Vergleich zum kargen Armee-Jeep Willys MB oder dessen Zivilversion CJ war der Willys Wagon aber fast schon luxuriös. Noch heute kann man im Original von 1949 die Anfänge moderner Freizeit-Kraxler erkennen. Bis zu sieben Personen nehmen auf strapazierfähigen, aber bequemen Polstern Platz. Die zweite Sitzreihe ist im Verhältnis 30:70 geteilt umklappbar, im Kofferraum findet sich ein Einzelsitz an der Seitenwand. Dessen Passagier sitzt dem Reserverad direkt gegenüber. Vom Laderaumboden bis zu den Vordersitzen verlaufen hölzerne Leisten. Die hinteren Sitzbänke lassen sich nämlich abschrauben – so wird aus der Familienkutsche ein Transporter und auf den Leisten lässt sich die Ladung einfacher vorschieben. Die Heckklappe ist in der Mitte geteilt. Die untere Hälfte klappt nach unten, die obere schwenkt nach oben. Diese Idee kam im US-Automobilbau nie ganz aus der Mode und findet sich noch heute bei vielen SUV.

Auf der Straße bleibt der Willys Wagon allerdings ein echtes Männerauto. Unter der Haube des 1,4 Tonnen schweren Wagens verrichtet der gleiche 2,2 Liter große Reihenvierzylinder seinen Dienst, der in den 40er Jahren auch den normalen Jeep CJ antrieb. 64 PS und ein immerhin synchronisiertes Dreiganggetriebe sorgen für eher bescheidenen Vortrieb. Gestartet wird wie beim legendären Armee-Jeep nur mit den Füßen: Der rechte Fuß muss gleichzeitig auf den Starterknopf im Fußraum und aufs Gas treten, der linke auf die Kupplung.

Wer das mehr als 60 Jahre alte SUV auch bei höherem Tempo auf Kurs halten will, muss schon mit Nachdruck am Lenkrad ziehen. Die hakelige Gangschaltung dagegen verlangt nach viel Gefühl, sonst ächzt und knarzt es im Getriebe, bis dem Fahrer die Tränen kommen. Neben dem knochigen Ganghebel ragen die beiden Allradhebel in den Fußraum, die die Vorderachse an- oder abkuppeln und die Geländeuntersetzung aktivieren.

Das Thema Komfort steckte bei Jeep in den 40er und 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen. Doch schon damals musste man etwas bieten fürs Geld – schließlich kostete der Willys Wagon fast 1900 US-Dollar, während es den zweisitzigen CJ schon für 1200 Dollar zu kaufen gab. So hat der Urahn des SUV kleine Schubladen unter den Sitzen, die heute bei modernen Familienvans zum guten Ton gehören. Den Fond-Passagieren gönnte man winzige Armstützen, die einfach an die Innenseite der Karosserie geschraubt sind. Zur Mehrzonen-Klimaautomatik war es 1949 freilich noch ein weiter Weg – der Willys Wagon verfügt nur über einen simplen Heizlüfter im Fußraum des Beifahrers.

Ende der 50er Jahre sah der Familien-Jeep dann doch ziemlich altbacken aus, doch sein Abenteuer-Image ließ sich immer noch gut vermarkten. 1958 erschien das Sondermodell Maverick Special, in Anlehnung an die populäre Western-Fernsehserie mit James Garner in der Hauptrolle. Der Willys Wagon blieb bis 1965 in Produktion, obwohl schon 1963 der erste Jeep Wagoneer als größeres und deutlich komfortableres Modell erschien.
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Quelle: Autoplenum, 2011-06-12

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