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Testbericht

automobil-magazin.de, 6. Januar 2014
Erst zierte sich Jaguar mit dem Diesel, dann mit dem Kombi. Und nun sitzt man im Jaguar Kombi Diesel? Manchmal regelt es halt doch der Verbrauch und – wie sinnigerweise jüngst auch bei der FDP – der Markt. Hier mit gutem Ausgang bei der Wahl, denn der neue XF Sportbrake ist der konsequenteste XF, weil er die Tradition vollends neu interpretiert: Da war nichts, da muss man sich an nichts halten. Das Ergebnis: höchst ansehnlich.

Mit einer Länge von 4,97 m und einer Breite von 1,88 m ist der Sportbrake nicht nur eine stattliche Erscheinung, sondern der variabelste der XF-Baureihe. Der Hochflorteppich und die eleganten Packschienen machen schon Lust auf Koffer. Die hinten nicht abstirbt, auch wenn der Kofferraum mit 550 Liter im Volumen nur zehn Liter größer ausfällt als in der Limousine (540 Liter). Der klare Vorteil ist die Variabilität, wenn man das Volumen weiter voran treibt, indem man mit den seitlich im Laderaum angebrachten Zughebeln die hinteren, im Verhältnis 60:40 geteilten Sitzhälften umlegt. Nun entsteht eine komplett ebene und 1,97 Meter lange Ladefläche. Auch mit der auf 1,06 Meter gewachsenen Laderaumbreite geht einiges mehr (maximales Volumen: 1.675 Liter), mit Zuziehautomatik und elektrischer Heckklappe vieles bequemer. Im hinteren Teil des Laderaumbodens sitzt unter der Bodenklappe mit dem eleganten Griff nicht nur die Batterie, sondern dort befindet sich ebenso ein Fach (Volumen: 28 Liter), das, wenn die Gepäckabdeckung nicht ausgefahren wird, ein gutes kleines Versteck im Kofferraum abgibt.

Bei voller Beladung ist eine waagerechte Lage des Aufbaus immer gewährleistet, denn ab Werk rüstet Jaguar den Kombi an der Hinterachse anstelle der Schraubenfedern der XF Limousine mit einer selbst nivellierenden Luftfederung aus. Das adaptive Fahrwerk kostet allerdings Aufpreis. Wie das “Aerodynamic-Pack” (tiefere Frontstoßfänger, schwarze Grilleinfassung, tiefere Schweller, vergrößerter Dachspoiler) oder das “Black-Pack” mit schwarzem Finish statt dem klassischen Chrom.

So souverän wie die Achtgang-Automatik stellt sich auch das Fahrwerk in den Dienst des Katzenhalters. Der formidable Automat von ZF verteilt die Gänge kongenial im Hintergrund. Auf Schaltbefehle mit den Lenkradwippen reagiert das System rasch. Nötig ist der manuelle Eingriff allerdings selten. Beim Downhill vor Kurven, bei forcierter Kurvenfahrt oder zum Motorbremsen beim Ausrollen vor der Ampel. Vom Fahrwerk gesehen heißt Sportbrake-Fahren, dass es zügig voran gehen kann. Bei Nässe sollte vor dem Kurvenscheitel allerdings beachtet werden, dass die Power an der Hinterachse waltet.

600 Newtonmeter Drehmoment und nur 7,9 Liter Abgang aus dem 70 Liter-Tank: Noch Zweifel an der Kraft? Noch Fragen zur Vernunft? Beim Antrieb darf beim XF Sportbrake grundsätzlich zwischen drei Motoren, allesamt Diesel, gewählt werden. Der V6-Variante mit 275 PS bei 4.000 Umdrehungen und der vollen Drehmomentkraft schon bei 2.000 U/min ist die erste Wahl vor dem 2,2 Liter großen Vierzylinder (190 PS) und dem 3,0 Liter-Selbstzünder mit 240 PS. Der stärkere V6 ist schnell (6,4 Sekunden bis 100 km/h, Höchstgeschwindigkeit 250 km/h) und auch sonst ein Genuss. Tief wie ein Schiffsdiesel pochend, kultiviert und laufruhig, mobilisiert er mit der Aufladung aus seinem Hubraum sämige Power. Gefühlt fast immer. Tatsächlich, aber vor allem im unteren und mittleren Drehzahlbereich – wo man einen Diesel im tagtäglichen Verkehr bewegt.

Gut wie der starke Dieselmotor steht dem Sportbrake die ab der B-Säule neu gestaltete Heckpartie. Die fördert nicht nur das Ladetalent, sondern auch den Platz direkt davor. Obwohl der XF Sportbrake mit 1,46 Meter betont tief baut, wächst die Kopffreiheit im Fond um stattliche 4,8 Zentimeter. Erstaunlich, aber auch einfach erklärbar mit dem abfallenden Dach der XF Limousine. Von den Ledersesseln blickt der Fahrer auch in der Kombiversion auf die kraftvoll gewölbte Motorhaube und im Cockpit auf die versammelte XF-Moderne: auf den pulsierenden Start-Stop-Knopf, den aufschwebenden Automatikwähler und sich surrend öffnende Belüftungsdüsen. Die Sport-Taste ist bekannt, die Eco-Taste, mit der sich Start-Stop abstellen lässt, neu. Das LED-Nachtdesign macht was her, die fesche Mittelkonsole ebenso. Ihre Breite trennt Fahrer und Beifahrer wie sie mit dem USB- und AUX-Anschluss im Mittelfach beide wieder miteinander verbindet. Die Navi tut es manchmal definitiv zu langsam, jedoch auch lobenswert durchdacht mit dem Bedienfeld für die Monitorabschaltung und der Nach-Hause-Direkttaste auf dem Touchscreen.

Wenig Konzeptschwächen, ansprechendes Konzept. Emotional wie rational vernünftig. Der Vernunft nicht genug, liefert Jaguar den XF Sportbrake auch mit Anhängerkupplung. Mit einer zulässigen Anhängelast von 1.850 Kilogramm und Anhängerspurstabilisierung. Der Jaguar Kombi Diesel taugt damit als kraftvoller Zugwagen. Auch eher neu in Jaguars Geschichte. Aus der Freude am Packen, sozusagen.


(Lothar Erfert)


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Testwertung
5.0 von 5

Quelle: automobilmagazin, 2014-01-06

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