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Testbericht

Sebastian Viehmann, 31. Oktober 2010
Der Infiniti M soll bei BMW, Jaguar und Mercedes räubern – mit starken Motoren, einer Menge Hightech an Bord und einer im Premium-Segment ungewohnten Aufpreispolitik.

Wer ein Auto aus der Premiumliga bestellt, sollte sich einen Nachmittag freinehmen. Dann kann er sich in aller Ruhe vor den Kamin setzen und in den Aufpreislisten blättern, die in gefühltem Telefonbuchformat daherkommen und den Grundpreis des Wagens nicht selten um fünfstellige Summen in die Höhe treiben. Schließlich ordert im Premium-Segment kaum jemand ein Auto ohne Navigationssystem oder Lederausstattung.

An dieser Schwachstelle will der Infiniti M angreifen. Schon das 49.650 Euro teure Basismodell ist üppig ausgestattet. Das GT-Modell (ab 53.250 Euro) ist der luxuriöse, aber etwas behäbige Cruiser. Das S-Modell (ab 55.750 Euro) enthält alle Sportoptionen inklusive Allradlenkung und adaptivem Fahrwerk. Mit dem 6100 Euro teuren Premium-Paket hat die 4,94 Meter lange Limousine abgesehen von Metalliclack dann sämtliche Extras an Bord: Festplatten-Navigationssystem, Abstandsregeltempomat mit Auffahrwarnung, Rückfahrkamera, elektrisch verstellbare Ledersitze, ein ausgefeiltes Soundsystem und etliches mehr. Solche Großzügigkeiten kann man gerade bei den deutschen Premiummarken lange suchen.

Unter der Haube ist der M weniger großzügig, es gibt nur zwei Motoren. Das Hybridmodell M35h als dritte Option kommt erst 2011. Der drei Liter große V6-Diesel im M30d leistet 238 PS / 175 kW und besitzt genau wie in den Infiniti-Modellen EX und FX eine störende Anfahrtsschwäche. Ist die einmal überwunden, hält der Selbstzünder mit 550 Newtonmetern Drehmoment aber üppige Reserven bereit und verhilft der Limousine zu ansehnlichen Fahrleistungen. In 6,9 Sekunden sprintet der Wagen auf Tempo 100, Überholmanöver bereiten keinerlei Probleme. Die serienmäßige Siebengang-Automatik dürfte beim Zurückschalten manchmal etwas flotter sein, ist aber insgesamt ein ruckfreies uns harmonisches Getriebe.

Beim Verbrauch ist der Diesel allerdings nicht spitze. Der M30d genehmigt sich im Schnitt 7,5 Liter pro 100 Kilometer. Das können BMW 530d (6,3 Liter), Mercedes E350 CDI (6 Liter) oder Jaguar XF 3.0 V6 D (6,8 Liter) besser. Noch durstiger ist natürlich der 320 PS / 235 PS starke V6-Benziner im M37, die zweite Motorisierung des Japaners. Mit dem kraftvollen Sechszylinder rennt der Wagen in 6,2 Sekunden von 0 auf 100 Km/h und verbraucht im Schnitt 10,2 Liter pro 100 Kilometer (Werksangabe).

Sparhilfen wie eine Start-Stopp-Automatik hat der M nicht anzubieten, doch dafür steht im M37 das „Eco Pedal“ zur Verfügung. Die Funktion fordert den Fahrer auf ungewöhnliche Weise zum Sparen auf: Wenn man mehr Gas gibt als die Elektronik in der gegenwärtigen Situation für nötig erachtet, gibt es einen fühlbaren Widerstand im Gaspedal. Außerorts geht einem das schnell auf die Nerven. In der Stadt jedoch gewöhnt man sich nach einiger Zeit gern daran, dass man durch weniger Gaseinsatz viele Brems- und anschließende Beschleunigungsmanöver vermeidet. Per Knopfdruck oder mit einem Kickdown lässt sich das Eco-Pedal jederzeit abstellen.

Wer gern schnell unterwegs ist, wählt im S-Modell den Sportmodus mit spontanerer Gasannahme. Auf Querfugen gibt sich das ansonsten angenehme Sportfahrwerk des Japaners etwas hölzern. Die elektronische Allradlenkung des Infiniti verschiebt die Grenzen der Physik nach außen und macht den Wagen in engen Kurven wendiger, doch irgendwann muss das ESP umso härter eingreifen – die rund 1,8 Tonnen schwere Limousine schleppt eben reichlich Gewicht mit sich herum.

Reichlich vorhanden sind im Infiniti M auch die elektronischen Assistenzsysteme. So gibt es einen Abstandsregeltempomaten, der ist aber mitunter zu träge und lässt sich beim Beschleunigen nach dem Spurwechsel viel Zeit. Ein Spurwechselwarner erkennt mit Radarsensoren Autos im toten Winkel, was auch bitter nötig ist – die Sicht nach schräg hinten ist im M mit seiner ansteigenden Seitenlinie lausig. Das System warnt zunächst per Summton und Blinklicht im Außenspiegel davor. Wenn der Fahrer trotzdem zum Spurwechsel ansetzt, wird das Auto durch ein selektives Anbremsen auf einer Fahrzeugseite sanft in die jeweilige Spur zurückgedrückt. Dieser Effekt ist allerdings schwach ausgeprägt und kann vom Fahrer so leicht übersteuert werden, dass er den Eingriff der Elektronik kaum als „letzte Warnung“ wahrnimmt.

Nicht nur bei der Fülle an Assistenzsystemen, auch im Cockpit will Infiniti zu anderen Premiummarken aufschließen. Es gibt reichlich Leder und Edelholz, Verarbeitung und Materialanmutung hinterlassen einen sehr guten Eindruck. Eine Flut an Schaltern und die zu weit vom Fahrer entfernte Bedieneinheit des Navigationssystems trüben ein wenig das gute Gesamtbild. Das Platzangebot ist auf allen Plätzen ordentlich, als Beifahrer wünscht man sich allerdings etwas mehr Fußraum. Der Kofferraum fasst klassenübliche 500 Liter.Ein besonderes Gimmick des japanischen Luxuskreuzers ist das „Forest Air“-System. Per Knopfdruck stellt man die Klimaautomatik in den Waldmodus um. Die Luft wird dann aufwändig gefiltert, zur Geruchsbeseitigung ionisiert und mit einer zarten Duftnote versehen, die man aus Blättersaft und dem Holz eines tropischen Baumes gewinnt – quasi der Regenwald aus der Konserve.
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Quelle: Autoplenum, 2010-10-31

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