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Testbericht

Stefan Grundhoff, 9. September 2009
Vorbei sind die Zeiten, in denen auf der Internationalen Automobilausstellung das Tuch gehoben wurde und die Öffentlichkeit mit einem Beifallssturm Anerkennung für das neue Produkt bekundete. Die Zeiten der großen Automessen scheinen vorbei – auch in Frankfurt.

Die Vorzeichen für die am 15. September beginnende IAA könnten an sich schlechter sein. Die größte deutsche und bedeutendste europäische Automesse findet nur alle zwei Jahre statt. Die viel diskutierte Abwrackprämie brachte bis vor kurzem noch mächtig Schwung in die müden deutschen Verkaufszahlen und die Elektroantriebe sind längst mehr geworden als die Nebelkerzen, die vor zwei Jahren gezündet wurden. Und doch kann einem um die Bedeutung der Frankfurter IAA durchaus Bange werden. Denn kaum ein Hersteller will es sich noch erlauben, seine Neuheiten erstmals auf der Messe zu zeigen. Der Druck ist groß, die Konkurrenz gigantisch und so umgehen immer mehr Hersteller auf einer Messe wie der IAA die großen Premieren von einst. Stattdessen gehen immer mehr Autobauer dazu über, ihre neuen Hoffnungsträger bereits vor der Messe einem ausgewählten Publikum zu zeigen oder bei Einzelevents zu präsentieren. Das schlimmste für heimische Marken wie Mercedes, Opel, Audi oder Ford wäre, wenn über das neue Modell nicht berichtet würde oder das Fahrzeug nur am Rande wahrgenommen würde.

Besonders die deutschen Autobauer zeigen sich bei ihrer Heimmesse in Frankfurt angeschlagen. Bei der der vermeintlichen Öko-IAA vor zwei Jahren waren scheinbar alle über Nacht dem grünen Wahn verfallen, sprachen über hybride Gedanken, Elektroantrieb und Effizienzprogrammen. Wenig Substanz – viel Schau um nichts Greifbares. Zwei Jahre später sind die ersten teilelektrifizierten Fahrzeuge im Handel, doch die großen Schritte liegen noch in weiter Ferne. Opel zeigt zum wiederholten Male seinen immerwährenden Hoffnungsträger Ampera und Mercedes zeigt eine S-Klasse mit Sparantrieb. Triebwerke bei VW und BMW setzen auf Turbotechnik und die Koreaner bieten sparsame Fahrzeuge en Masse.

Viele der gezeigten Studien sind noch wilde Ingenieursträume; andere Fahrzeuge ein Stochern im grünen Dschungel. Zu kaufen gibt es viele Messemodelle – wenn überhaupt – erst in zwei bis vier Jahren. Anderes grünes Gedankengut wie der BMW Vision Efficient Dynamcs oder der Mercedes SLS mit Elektroantrieb sind sehenswerte Gedankenspiele. Der Realitätsbezug ist dagegen dünner, als vor zwei Jahren zu befürchten war. Sparsamere Motoren, Hybridantrieb, Downsizing und Start-Stopp sind bei jedem ein Thema; doch wenn eines fehlt, ist es eine Initialzündung.

Nach wie vor scheint das Auto nicht mehr der Deutschen liebstes Kind zu sein. Nach Jahren des hin und her hat die Wirtschaftskrise der Branche in den letzten eineinhalb Jahren zusätzlich zugesetzt. So wird von der diesjährigen IAA kaum ein ernsthafter Impetus in ein neues Zeitalter ausgehen. Das liegt zum einen an den gelähmten Firmen, aber auch daran, dass einige Hersteller die Frankfurter Leistungsschau schlicht im Vorhinein abgesagt haben. Renommierte Hersteller wie Nissan, Honda oder Mitsubishi bleiben rund um den Messeturm einfach außen vor. Hilfreich ist das bei einer derartigen Situation beim besten Willen nicht. Die meisten Hersteller haben ihre Standflächen zudem verkleinert und geben für den Messeauftritt deutlich weniger als in den Jahren zuvor aus. Auch im beliebten Rahmenprogramm rund um die Messe will keiner der Hersteller auf den Putz hauen, wie das in den Jahrzehnten vorher oftmals geschehen ist. Man macht nur das nötigste. Das merken auch Messebauer und leider eben auch die Öffentlichkeit und somit auch der Kunde. Wenn große Ideen fehlen und dann noch die Show ausbleibt, wirkt das auf manchen schon wie ein Abgesang und macht keinesfalls Lust auf neue Autos und moderne Technik.

Fatal erscheint in diesem Zusammenhang auch, dass die Emotionalität von Marken und Autos im Vorfeld zwar bei jedem Hersteller heraufbeschworen wird, die Produkte und Messeauftritte aber etwas völlig anderes befürchten lassen. Bei einem Blick auf Messeplan und Neuheiten scheint für viele das Motto zu gelten: Okay – es ist nun einmal Messe. Dann müssen wir auch irgendetwas zeigen. Natürlich gibt es Ausnahmen. Der grandiose Mercedes SLS ist einer der Höhepunkte, der offene Audi R8 Spyder und das filigran gezeichnete Maserati GranCabrio ebenso. Denn ohne Emotionen ist das Auto für die meisten eben nicht mehr als ein Fortbewegungsmittel.

Die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt in der zweiten Septemberhälfte und die Tokio Motorshow Ende Oktober hätten für die internationale Autobranche einen Herbst der Veränderung bringen können. Doch wenn schon die heimische IAA nur mit dem Basisprogramm beschickt wird, dann trifft es eine Interkontinentalmesse wie in Tokio noch schwerer. So strichen die großen europäischen Autohersteller die wichtigste Messe in Asien aus Kostengründen. Auch sie findet nur alle zwei Jahre statt. Weitblick und der unbedingte Wille zu einem Stimmungswechsel sehen anders aus.
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Quelle: Autoplenum, 2009-09-09

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