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Testbericht

Sebastian Viehmann, 14. September 2011
Noch nie wurde auf der IAA soviel getwittert, gepostet und vernetzt wie in diesem Jahr. Das Auto – und nicht erst das von morgen – ist ständig online und erweitert den digitalen Lebensstil des Fahrers.

Mercedes schwebt auf Wolke Sieben: Der Forschungsträger F125 ist permanent online. „Dank der ständigen Verbindung mit der Cloud kann der Fahrer sämtliche von ihm genutzten Medien übergangslos im Auto verwenden. Das am Vorabend zu Hause begonnene Hörbuch wird so im Fahrzeug am nächsten Morgen exakt an der richtigen Stelle weiter gespielt, die beim Frühstück gewählte Musik oder Fernsehsendung fortgesetzt, eingehende Nachrichten weiter vorgelesen“, heißt es bei Mercedes. Das Auto setzt den digitalen Lebensstil des Fahrers einfach auf Rädern fort.

Mit dem „Social Community Assistant” lässt sich einstellen, wer während der Fahrt stören darf und wessen Telefonanruf oder Nachricht das Auto lieber ignorieren soll. Bei der Urlaubsfahrt hat der Chef also Sendepause. Vom heimischen PC oder vom eigenen Smartphone aus kann man jederzeit den Status des Autos – zum Beispiel den Tankfüllstand oder den nächsten Wartungstermin – sehen. Sogar das Navigationssystem oder die individuell gewünschte Innenraumtemperatur für jeden einzelnen Sitzplatz lassen sich schon vor der Fahrt per Smartphone einstellen.

Der Online-Trend ist nicht mehr aufzuhalten. Versuchten Hersteller wie BMW zuerst noch, das Internet einfach 1:1 ins Auto zu übertragen, werden die Inhalte und all die mehr oder weniger sinnvollen Anwendungen nun konzentriert aufbereitet, sind intuitiv bedienbar und lenken nicht mehr so vom Fahren ab. Für einen Internetzugang, der nur im Stand funktioniert, will schließlich niemand Geld ausgeben. Mit Systemen wie BMW und Mini Connected kann man Onlinedienste wie Twitter, Facebook oder Webradio nutzen. Sogar einen Polizeifunk aus Texas könne man empfangen, freut sich Mini-Chef Kay Segler. Die lokale Google-Suche ist nicht nur im BMW-Konzern mittlerweile weit verbreitet und erweitert die Funktion des Navigationssystems erheblich. Die Suchergebnisse lassen sich mit wenigen Klicks direkt als Zielpunkt festlegen.

Ein weiterer Trend ist, möglichst viel Rechenleistung auszulagern, entweder von der Fahrzeug-Hardware über Steckverbindungen oder drahtlos zu einem mobilen Gerät oder gleich ganz weit weg zu einem zentralen Server. VW wählt beim Stadtflitzer Up! die mobile Lösung mit einem 5 Zoll großen großen Touchpad. Das hat sogar eine Verbindung zum CAN-Bus – quasi dem Gehirn des Autos – und kann damit Informationen wie Spritverbrauch, Drehzahl oder die Öffnung der Türen anzeigen. Auch das fest im Auto verbaute Radio lässt sich über das große Touchpad steuern und gibt die Navigationsansagen über die Fahrzeuglautsprecher aus.

Mit dem System Maps More stellt sich Volkswagen beim Up ganz auf die gewünschte jugendliche Zielgruppe ein. Das Gerät kostet 355 Euro, ist aber nur in Verbindung mit dem ebenfalls 355 Euro teuren Radio bestellbar. Das digitale Multitalent hat VW zusammen mit dem Zulieferer und Navi-Hersteller Navigon entwickelt. „Ein wesentlicher Vorteil des System ist, dass es nie alt wird, weil die Hardware-Zyklen viel kürzer sind“, sagt Navigon-Manager Jochen Katzer. Wer sich 2013 einen Up! kaufe, werde schon die neue Generation des Systems an Bord haben.

„Damit hält man die Kunden davon ab, sich im Elektronikfachmarkt ein neues Navi zu kaufen“, so Katzer. Das Touchpad im Up kann man als Navigationssystem mit einer Scheibenhalterung nämlich auch in jedem anderen Auto nutzen. Die Navi-Ansage erfolgt dann über einen geräteinternen Lautsprecher. Für sein Unternehmen sei die Gewinnmarge beim Up-System zwar nicht so groß wie bei einem normalen mobilen Navigationssystem, sagt Jochen Katzer. Dafür hofft Navigon aber auf weitere Aufträge. Schließlich soll es auch bei Seat und Skoda eine Fahrzeugfamilie auf Basis des VW Up geben.

Sinn machen mobile Applikationen auch bei Stromern. Beim neuen Elektro-Smart kann man per Smartphone von unterwegs den Ladezustand der Batterie überwachen, während das Auto an einer Tanksäule Strom zapft. Sobald die Ladung abgeschlossen ist, gibt es eine SMS. BMW hat für sein Elektroauto i3 ebenfalls eine Reihe von Apps in Vorbereitung, die zum Beispiel die Reichweite des Wagens auf einer Karte anzeigen. Eine solche App gibt es schon jetzt von All4IP Technologies aus Darmstadt. „Unsere App rechnet sogar die Umgebungstemperaturen oder die Geländehöhe mit ein“, sagt Vertriebsleiter Josef Zlaber. Damit könne man die tatsächliche Reichweite eines Stromers besser bestimmen.

Bei Toyota stehen die Zeichen ebenfalls auf Vernetzung. Für einen Aufpreis von rund 200 Euro soll bald in allen Modellen ein neues Multimedia- und Navigationssystem verfügbar sein. Das ist deutlich günstiger als andere fest eingebaute Systeme, benötigt zur drahtlosen Datenübertragung aber ein internetfähiges Smartphone. Per Bluetooth-Kopplung wird das Toyota-System dann zum interaktiven Radio, kann empfangene SMS vorlesen und das eigene Telefonbuch anzeigen, samt Foto des Gesprächspartners. Eine weitere Funktion lautet Park Go. „Das dient der sogenannten Navigation der letzten Meile“, erklärt Toyotas Infotainment-Produktplaner Sebastien Weckering, „wenn man sein Auto parkt, sendet der Wagen seine letzte Position ans Handy des Fahrers. So findet man das Auto auch später jederzeit wieder“, erklärt Weckering.Die Funktionen des Toyota-Navis werden ständig erweitert, bald soll ähnlich wie bei Mini auch die Anzeige von Facebook-Seiten hinzukommen. Alle sechs Monate gebe es ein Update, sagt Sebastien Weckering, man müsse es aus dem Internet herunterladen und per USB-Stick im Handschuhfach ans Auto übertragen. Das System ist vor allem als Hilfe im Alltag gedacht – aber eine Spielerei konnte sich Toyota dann doch nicht verkneifen: Mitarbeiter aus Schweden entwickelten die Wasserglas-App fürs Auto. Die App kann mehrere Fahrzeug-Sensoren auslesen, etwa für Giermoment und Geschwindigkeit. Wenn der Fahrer keinen Tropfen seines digitalen Wasserglases verschütten will, muss er also besonders sanft und gleichmäßig fahren.
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Quelle: Autoplenum, 2011-09-14

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