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Testbericht

Stefan Grundhoff, 16. September 2009
Daniel Düsentrieb könnte in diesen Tagen zum Multimilliardär werden. Der Zeichentrick-Tüftler hätte sicher einen findigen Ausweg aus der Automobilkrise. Den vermisst man auf der diesjährigen IAA nämlich gewaltig.

Auch wenn allenthalben grüne und blaue Stromstecker die Stände zieren, Spardiesel in unschuldigem Weiß und mit aufgemalten, plakativ niedrigen Verbrauchsangaben als Messeshuttle dienen oder aus nahezu jedem Gespräch Worte wie Hybrid, Elektro und Akkutechnik flattern: Niemand weiß, wohin der Weg von Frankfurt aus führen soll.

Die 63. Internationale Automobilausstellung dreht sich derzeit vorrangig um die Sparstars wie das 1-Liter-Auto von Volkswagen, den E-Up aus gleichem Hause, Elektromobile wie den Opel Ampera, den Renault Z22/Z23 oder den schnuckeligen Peugeot BB1. Doch in eine grüne Zukunft wollten die Autohersteller vor zwei Jahren bei der vergangenen IAA schon steuern. Wir haben verstanden, lautete damals die unterschwellige Botschaft. Doch deutlich mehr zu bieten als vor zwei Jahhren haben die Messeständer auch diesmal nicht. Die Antwort nach einem Königsweg in eine sonnige Autozukunft ist unter dem Messeturm nicht in Sicht. In kaum einer Messehalle wird rund um die neuen Autos zudem noch wirklich viel Show und Tamtam gemacht. Das war früher zumeist ganz anders. Die Kostendämpungsmaßnahmen sind an allen Ecken und Kanten zu spüren. Viele Stände sind kleiner, die Studien dezenter und selbst die Messeschönheiten an den einzelnen Ausstellungsstücken sind rarer gesät als in den Jahren zuvor.

Hersteller wie Audi, Mercedes, Peugeot, Lexus, BMW oder Kia versuchen einen schwierigen Spagat. Fahrspaß, sportliches Design und beeindruckende Fahrleistungen lassen sich mit geringen Verbräuchen, alternativen Antrieben und günstigen Preisen nur selten unter einen Hut bringen.

Wie sehr das Publikum nach wie vor an alten Autodogmen festhält, davon kann man sich an den meisten Messeständen überzeugen. Die schönen Stars der 63. IAA heißen Audi R8 Spyder, Maserati GranCabrio, Mercedes SLS oder Ferrari 458 und lassen die Fotoapparate klicken. Bei den Sparmodellen ist deutlich weniger los. Ein deutlicher Fingerzeig, dass auch in Zukunft ohne Emotionen für die Autohersteller nicht viel zu gewinnen ist. Nur wenige Aussteller lassen sich von der Krise kaum beeindrucken. Da sind die starken Koreaner, die mit Kia und Hyundai längst nicht nur von der deutschen Abwrackprämie, sondern auch von einer zeitgemäßen Technik profitiert haben. Da ist der VW-Konzern, der mit seinem üppigen Event am Vorabend der Messe und dem Auftritt in Halle 3 vor allem der deutschen Premiumkonkurrenz eine lange Nase dreht. Mit Golf R, Audi R8 Spyder, dem VW L1 oder dem Seat Ibiza Kombi ist für nahezu jeden etwas dabei.

Die Frankfurter Messe wirft genau die Fragen auf, die sie eigentlich beantworten sollte. Darüber täuschen auch ein paar ansehnliche Ansätze zur Elektrifizierung nicht hinweg. Nach jüngsten Absprachen versucht sich die längst tot geglaubte Brennstoffzelle über Nacht wieder ins Gespräch zu bringen. In die Herzen und Köpfe der Kunden hat sie es bis dato nicht geschafft. Elektrische Antriebe werden kommen – aber in welcher Form und insbesondere wann, darüber wird an fast jedem Messestand wild gesponnen. Range Extender, Diesel-Hybrid, efficient dynamics oder blue zero – kein Wunder, dass viele Kunden längst den Spaß und das Verständnis für solche Autos verloren haben.

Schön immerhin, dass die IAA zumindest hier und da an ihre alte Stärke als ehemals wichtigste Automesse der Welt anknüpfen kann. Da zeigt Skoda einen praktischen und ansehnlichen Superb Combi und Mercedes den hoch emotionalen Flügeltürer Mercedes SLS. Da strahlt das T-Modell der Mercedes E-Klasse, der Ford C-Max und der schmucke Citroen C3. Volumenstarke Publikumsstars sind Fahrzeuge wie der neue Opel Astra, der sich sowohl innen als auch außen stark an seinem großen Bruder Insignia orientiert oder der schnittige Peugeot 308 RCZ. Doch wer die Messe besucht, wird sie genau so wenig schlau verlassen, wie er gekommen ist.
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Quelle: Autoplenum, 2009-09-16

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