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Testbericht

Sebastian Viehmann, 21. September 2009
Studien, Studien, Studien - bei vielen Autobauern bleibt das Auto der Zukunft scheinbar ewig im Planungsstadium stecken. Sie könnten dumm aus der Wäsche gucken, wenn 2010 der Fisker Karma anrollt.

Im kommenden Jahr soll der Fisker Karma ein neues Sportwagen-Zeitalter einläuten. Der viertürige Plug-In-Hybrid hat zwei Elektromotoren mit insgesamt 403 PS. Ein Verbrennungsmotor produziert elektrische Energie, um die reine Batterie-Reichweite (80 km) auf rund 480 km zu erhöhen. Der Karma beschleunigt in 6 Sekunden von 0 auf 100 Km/h und ist 200 Km/h schnell. In Europa soll der Wagen rund 92.000 Euro kosten. Im Interview spricht Firmenchef Henrik Fisker über Chancen und Risiken seines Projektes, die Versäumnisse der großen Autobauer, den Aufbau des Händlernetzes und neue Modelle.

Herr Fisker, Aston Martin-Chef Ulrich Bez hat in einem Interview gesagt: „Das letzte, was ein Sportwagen braucht, ist ein Elektromotor“. Was meinen Sie dazu? Henrik Fisker: Wir haben in der Autoindustrie zwei Möglichkeiten. Die eine ist darauf zu warten, bis uns der Gesetzgeber zwingt, aus ökologischen Gründen irgendwelche kleinen und hässlichen Fahrzeuge zu fahren. Darauf wollte ich nicht warten und habe mich stattdessen gefragt: Wie wird die Autoindustrie in einigen Jahren funktionieren? Und wie können wir daran teilhaben, das heißt: Die Umwelt schützen und trotzdem an unserer Liebe und Leidenschaft für Autos festhalten? Ich liebe schnelle Autos, ich liebe Sportwagen. Also haben wir ein Fahrzeug kreiert, das effizienter ist als ein Toyota Prius, aber viel besser aussieht und erheblich schneller ist. Wir müssen als Autobauer erkennen, dass die Umwelt ein großes Zukunftsthema ist und müssen uns dem stellen. Dafür braucht es aber mehr als nur ein Show Car. Wir brauchen Autos, die die Menschen wirklich kaufen können.

Wer werden denn ihre Kunden sein? Werden die Leute zum Beispiel von einem Audi S8 oder Maserati Quattroporte zu Fisker wechseln? Henrik Fisker: Dazu haben wir Marktforschung betrieben. Die meisten Kunden werden von Mercedes kommen, es folgen BMW, Audi, Jaguar, Land Rover und Lexus. Wir werden auch einige Supersportwagen-Besitzer von Aston Martin, Lamborghini oder Ferrari für uns gewinnen, die ihren Fuhrpark mit einem Fisker ergänzen. Wer Luxusautos und Sportwagen kauft, tut das aus mehreren Gründen. Einer davon ist die Anerkennung von anderen Menschen, die sagen: „Wow, der ist erfolgreich und hat sich ein wirklich nettes Auto gekauft.“ Diese Anerkennung verliert aber rapide an Bedeutung. Heute heißt es: „Was ist denn das für einer, der da gerade in seinem Auto Energie verschwendet und die Umwelt verschmutzt?“ Man erhält also nicht die Anerkennung, die man sich erhofft. Mit unserem Auto wird man die aber bekommen, wenn man mitten auf der Straße in den „Stealth-Mode“ schaltet, lautlos rein elektrisch fährt und weniger Emissionen verursacht als ein Smart.

Funktioniert das Elektroauto nur im Luxus-Segment? Der Tesla ist ja auch ein hochpreisiges Fahrzeug. Für andere Elektro-Projekte ist es dagegen schwierig, Investoren zu finden. Henrik Fisker: Man muss zwischen reinen Elektroautos und Plug-In-Hybriden unterscheiden. Bei reinen Elektroautos mutet man dem Kunden immer noch einen Verzicht zu. Im Luxus-Segment wird man Elektroautos daher wohl eher als Dritt- oder Viertwagen finden. Ich bin daher vom Erfolg des Plug-In-Hybriden überzeugt. Viele unsere Kunden werden den Fisker als Alltagsfahrzeug einsetzen. Denn er hat nicht das, was wir in den USA den „Walk Home“-Faktor nennen: Die Batterie ist leer, Sie finden keine Lademöglichkeit und müssen nach Hause laufen. In unserem Plug-In-Hybrid produziert ein Verbrennungsmotor als Range Extender elektrische Energie, während Sie weiterfahren. Sie müssen also keine Kompromisse bei ihren Fahrgewohnheiten machen. Ein reines Elektroauto ist meiner Meinung nach auch die falsche Antwort für günstige Fahrzeuge, denn in diesem Segment können sich die Menschen in der Regel nur ein Fahrzeug leisten. Mit einem reinen Elektroauto können Sie nicht mal eben die Kinder einpacken und einen Kurzurlaub in Italien machen. Mit einem Plug-In-Hybrid können Sie es. Sie haben dann ein grünes Auto ohne Kompromisse.

Aber man produziert während der Fahrt mit Range Extender immer noch Emissionen. Im Tesla fährt man – abgesehen natürlich von den Emissionen, die zum Aufladen bei der Energieerzeugung entstehen – völlig emissionsfrei. Ist es nicht genau das, was viele Kunden auch nach außen hin zeigen wollen? Henrik Fisker: Beim Plug-In-Hybrid können Sie diese Wahl ja selbst treffen. Die ersten 80 Kilometer bewegen Sie sich im Fisker Karma rein elektrisch und emissionsfrei. Die meisten Menschen fahren weniger als 80 Kilometer am Tag. Sie fahren in die Stadt zur Arbeit, stehen im Stau, fahren auf dem Nachhauseweg vielleicht ein kleines Stück über die Autobahn. Wenn Sie ihren Plug-In-Hybriden also genau wie ihr Handy jeden Tag an der Steckdose aufladen, werden Sie die meiste Zeit über lokal emissionsfrei unterwegs sein. Natürlich wird es in der Zukunft verschiedene Optionen geben – ein Vertreter zum Beispiel, der tausende von Kilometern abspult, wird auch weiterhin ein Dieselfahrzeug fahren. Wer sich fast nur in der Stadt bewegt, wird vielleicht mit einem reinen Elektroauto auskommen. Und für die Fahrt am Wochenende sollen die Leute doch ruhig weiter mit einem Porsche 911 unterwegs sein – in so einem Fahrzeug braucht man nicht unbedingt einen Plug-In-Hybridantrieb. Die meisten Emissionen verursachen wir im Autoverkehr ja nicht bei der Spritztour am Wochenende, sondern beim täglichen Pendeln. Und dafür müssen wir möglichst saubere Lösungen finden.

Mit welchen Methoden wollen Sie eigentlich Ihre Kunden erreichen? Wird es aufwändige Show Rooms geben wie zum Beispiel bei Infiniti? Henrik Fisker: Für ein Start-Up-Unternehmen wäre es nicht klug, viel Geld in Showrooms zu investieren. Wir investieren alles in das Produkt. Wir handeln gerade Verträge mit Händlern in der ganzen Welt aus und werden deren bereits bestehende Infrastruktur nutzen. Die Händler sollen schließlich Profit machen und nicht erst viel Geld investieren müssen. Natürlich wird es Branding und Marketing-Material geben, aber das darf man nicht übertreiben. Wie viele Fisker-Händler wird es in Deutschland geben? Henrik Fisker: Wir gehen davon aus, dass wir 50 Prozent der Fahrzeuge in den USA und 50 Prozent im Rest der Welt verkaufen. In Europa planen wir rund 50 Händler, mit der Zeit sollen es mehr als 100 werden. Wir werden unsere europäischen Händler Anfang nächsten Jahres bekannt geben. Es wird auch einige in Deutschland geben, die genaue Zahl kann ich noch nicht sagen. Wir rechen aber damit, dass Deutschland unser wichtigster Markt in Europa wird. Wir haben von dort schon rund 100 Vorbestellungen.

Was sind die Risiken, wenn man wie Fisker ein völlig neuer Hersteller ist? Manche ambitionierten Elektro-Projekte sind ja bereits gescheitert. Henrik Fisker: Wenn wir keinerlei Erfahrung im Bereich des Automobilbaus hätten, wäre es natürlich sehr schwierig – das ist auch der Grund, warum manche neue Firmen scheitern. Es ist schwieriger ein Auto auf die Straße zu bringen, als eine Rakete ins All zu schießen, allein schon wegen der vielen gesetzlichen Bestimmungen. Wir haben ein sehr erfahrenes Team, Ingenieure aus der ganzen Welt mit besten Referenzen. Wir haben uns entschlossen, die Produktion des Fisker Karma auszulagern. Der Wagen wird bei Valmet in Finnland gebaut. Außerdem arbeiten wir mit einigen international bekannten Zulieferfirmen zusammen. So stellen wir eine hohe Qualität sicher. Gleichzeitig müssen wir uns nicht an die internen Vorgaben halten, die andere Autobauer für ihre neuen Modelle haben. Und wir haben gegenüber Marken mit einem bereits gefestigten Image einen entscheidenden Vorteil: Die müssen ihre Kunden davon überzeugen, dass sie plötzlich „grün“ sind. Wir sind es schon von Anfang an, denn wir haben einen fertigen Plug-In-Hybrid. Denken Sie schon an eine Erweiterung der Modellpalette? Henrik Fisker: Unser Ziel ist es, im Jahr 2015 mehr als 100.000 Fahrzeuge pro Jahr zu produzieren. Auf der Plattform des Karma wird es neben Limousine und Cabrio noch ein weiteres Modell geben. Wir arbeiten außerdem an einer weiteren Plattform für ein Fahrzeug in einem günstigeren Preissegment. Auch auf dieser Plattform wird es drei verschiedene Modelle geben.

Zur Person: Der gebürtige Däne Henrik Fisker (45) war unter anderem Designer bei Ford, Aston Martin und BMW. Er entwarf Meilensteine wie den BMW Z8, den Aston Martin DB9 und den V8 Vantage. 2005 gründete Fisker zusammen mit seinem Partner Bernhard Koehler das Unternehmen Fisker Coachbuild. Dort entstanden die exklusiven Sportwagen Fisker Tramonto und Fisker Latigo CS. Durch die Kooperation mit dem Hightech-Unternehmen Quantum Technologies wurde im September 2007 das Joint-Venture Fisker Automotive ins Leben gerufen. 2010 soll der viertürige Hybrid-Sportwagen Karma in den Handel kommen. Der Firmensitz des Unternehmens ist Irvine (Kalifornien).
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Quelle: Autoplenum, 2009-09-21

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