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Testbericht

Stefan Grundhoff, 14. Februar 2011
Die getrennten Sphären von Autos und Häusern sollen bei der Energieversorgung langfristig miteinander verschmelzen. Ein Zukunftshaus in Wien zeigt, wohin die Reise gehen könnte.

Matthias Horx ist einer der bekanntesten Trendforscher in Deutschland. Seit Jahren berät er Firmen jeglicher Art über das Leben im Morgen und Übermorgen. Er selbst hat sich im Nordwesten von Wien einen Traum verwirklicht. Zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt und arbeitet er in einem Haus der Zukunft. Nicht nur Design, Aufteilung und Miteinander im Future Evolution House muten futuristisch an. Mittelfristig will Horx auf seinem Hanggrundstück nahe des Wiener Waldes energieautark leben. Das Auto hat dabei eine essentielle Bedeutung. Von 2005 bis 2008 hat Matthias Horx das Zukunftshaus zusammen mit seiner Frau Oona geplant. Im vergangenen Sommer zog Familie Horx dann ein. „Das Haus ist im Werden begriffen und noch nicht fertig“, erläutert Zukunftsforscher Horx, „viele Technologien sind erst langsam verfügbar. Das gilt auch für das Auto, das zu einem Haushalt gehört. Mobilität wächst mehr und mehr mit dem Haushalt zusammen.“

Bis vor kurzem war Matthias Horx mit einem Range Rover unterwegs. Als es darum ging, das Fahrzeug als Bestandteil des häuslichen Energiekonzeptes zu integrieren, stieg er zu Testzwecken auf ein kleines Elektroauto von Think und einen Toyota Prius Plug In um. Der Winter war kalt und so tat sich das zweisitzige Elektromobil aus skandinavischer Produktion zumeist schwer, die versprochenen Reichweiten zu generieren. Beim Erprobungsträger des Toyota Prius sah das Alltagsgeschäft schon besser aus. Fährt der Plug-In-Prius in die hauseigene Garage unter dem 180 Quadratmeter großen Home-Modul, in dem die Familie lebt, wird er an die Steckdose gekoppelt und lädt sich voll für den nächsten Trip. So verbindet er im Alltagsbetrieb die Vorteile von Elektrofahrzeug und Hybridantrieb mit rein elektrischem Fahren auf kurzen Strecken und einer großen Reichweite durch den Verbrennungsmotor. „Bis hinunter in die Innenstadt kommen wir normalerweise rein elektrisch“, erzählt Horx, „zurück verbrauchen wir ein Liter Kraftstoff. Das ist ideal.“ Die Reichweite im rein elektrischen Fahrbetrieb des Plug-In-Modells liegt bei rund 20 Kilometern. Gespeichert wird die Leistung in einem 5,2 kWh starken Kobalt-Lithium-Ionen-Akku. Familie Horxs hat sich bereits nach kurzem an das Cruisen im nahezu lautlosen Elektromodus gewöhnt.

Langfristig will Matthias Horx für sein Haus eine autarke Energieversorgung. Der fahrbare Untersatz ist hierbei ein wichtiger Bestandteil. „Wir arbeiten daran, mehr Energie zu gewinnen, als wir verbrauchen“, unterstreicht der Zukunftsforscher, „derzeit erzeugen wir rund ein Drittel der Energie, die wir verbrauchen selbst.“ Die beiden getrennten länglichen Quader mit der Aufschrift „Work“ und „Home“, in denen gewohnt und gearbeitet wird, verfügen nicht nur auf dem Dach über Solarpaneele. Auch zahlreiche Außenwände liefern wertvolle Sonnenenergie, die genutzt werden kann.

„Um uns selbst mit Energie versorgen zu können, brauchen wir eine Brennstoffzelle“, so Matthias Horx, „doch die Technik ist so teuer, dass diese subventioniert werden müsste. Mit einem solchen Energiespeicher hätten wir dann ganz andere Möglichkeiten.“ Das Auto von morgen soll in dem Smart-Grid-Projekt eine Doppelrolle übernehmen. Zum einen dient es als mobiles Fahrzeug; zum anderen soll es als Energiespeicher arbeiten, wenn es an sich ungenutzt in der Garage steht und elektrische Energie ans Haus zurückgeben. Die Energie, die ein Elektroauto oder eine automobile Brennstoffzelle in seinem Speicher hat, könnte im Haus elektrische Verbraucher wie Waschmaschinen oder Fernseher antreiben. Voraussetzung ist jedoch eine intelligente Vernetzung. Schließlich darf der fahrbare Untersatz vor der morgendlichen Fahrt ins Büro oder zum Einkaufen nicht seine ganze Energie dem Haushalt gespendet haben.

„Ein energieeffizienter Fernseher benötigt etwa 0,15 kW pro Stunde und ein Kühlschrank 0,35 kWh pro Tag“, so der verantwortliche Toyota-Techniker Dirk Breuer, „daher können die nutzbaren etwa drei kWh der Autobatterie durchaus einen Beitrag zum Haushalt liefern.“ Was Horx für sein Haus im Kleinen plant, gibt es bereits in anderen Zukunftsprojekten. So wurde rund 200 Kilometer weiter westlich in Salzburg ein Smart-Grid-Projekt ins Leben gerufen, wo rund 300 Elektrofahrzeuge nicht nur als lautlose Verkehrsteilnehmer, sondern auch als Energiespeicher dienen. Toyota hat in Japan ein Smart-Grid-Projekt aufgesetzt, in dem sich die Kleinsiedlung Rokkasho Village im äußersten Nordosten des Landes mit sechs Häusern und Fahrzeugen eigenständig mit Energie versorgt.

So sehr Familie Horx den Plug-In-Hybriden Toyota Prius auch ins Alltagsherz geschlossen hat. Bald wird der Platz in der Doppelgarage neben dem knallroten Elektro-Think von einem Lexus RX 450h belegt. Matthias Horx: „Wir haben hier einen langen Winter und fahren auch immer wieder einmal in die Berge. Ideal ist für uns als Familie ein kleines Elektroauto für die City und ein SUV mit für längere Fahrten.“ Vielleicht dauert es ja nicht mehr lang und der Toyota-Konzern bringt auch einen Gelände-Crossover wie den Lexus RX 450h nicht nur als Hybridversion, sondern auch mit einer Lademöglichkeit für daheim auf den Markt. Zukunftsforscher Matthias Horx dürfte es freuen.
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Quelle: Autoplenum, 2011-02-14

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