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Testbericht

Sebastian Viehmann, 19. September 2011
Mit dem Elektroauto Ampera macht Opel wohl keinen Gewinn, trotzdem plant GMs Europachef Nick Reilly neue Modellvarianten. 2013 soll zudem ein Stadtflitzer gegen den VW Up! antreten.

GM und Opel hatten in den vergangenen Jahren nicht viel gemeinsam, auf das sie stolz sein konnten. Die Elektro-Zwillinge Chevrolet Volt und Opel Ampera allerdings ragen wie Leuchttürme aus einem Nebel voller Dauerzwist und brodelnder Gerüchteküchen. Die Stromer bringen Zukunft auf die Straße – aber noch kein Geld in die Kassen. „Typischerweise kommt bei neuen Technologien die große Kostenersparnis erst dann, wenn man in die nächste Generation wechselt“, sagt GMs Europa-Chef Nick Reilly. Er hoffe, dass die nächste Generation des Ampera profitabler werde.

Die Entwickler arbeiten deshalb schon jetzt an der zweiten Stromer-Generation, bei der wieder die Batterie der Knackpunkt ist. „Die Zielvorgabe lautet: Kostenreduktion um 40 bis 50%. Wir müssen die Batterie in ihrer Größe verkleinern sowie die Herstellungs- und Prozesskosten verringern“, sagt Opel-Vorstandsmitglied und Entwicklungschefin Rita Forst. Parallel dazu plant GM neue Varianten von Volt und Ampera. „Das Konzept des E-REV funktioniert sowohl eine Nummer kleiner als auch eine Nummer größer – das könnte dann ein MPV oder SUV sein“, stellt Nick Reilly in Aussicht. Der Begriff E-REV steht für die Kombination aus batterieelektrischem Antrieb plus Verbrennungsmotor als Stromgenerator zur Verlängerung der Reichweite (Range Extender).

Bis sich Stromer flächendeckend durchsetzen, dürfte allerdings ein anderes Auto Opels Expansion bestimmen. 2013 erscheint der als Projekt Junior bekannte Stadtflitzer, der in Eisenach gebaut wird. Mit diesem Wagen müssen die Rüsselsheimer punkten, denn bis dahin wird sich der VW Up! schon massiv im Kleinstwagensegment breit gemacht haben. Und die Konkurrenz steht nicht nur in Wolfsburg. Fiat-Chef Sergio Marchionne hat für 2013 ebenfalls ein City Car angekündigt, kleiner als die taufrische dritte Generation des Fiat Panda.

Mit dem neuen Opel-Winzling hat Nick Reilly große Pläne: „Wir werden besser sein als der Up!. Styling spielt eine große Rolle, die Leute werden sich nach diesem Wagen umdrehen. Das Thema Personalisierung nimmt einen breiten Raum ein, ähnlich wie bei Mini. Wir werden die neueste Infotainment-Generation inklusive WiFi und iPhone-Kompatibilität einbauen. Der Wagen wird mit Benzin- und Dieselmotoren erscheinen, im ersten Produktionsjahr rechnen wir mit rund 60.000 verkauften Einheiten. Es ist aber noch nicht sicher, ob es von diesem Fahrzeug auch eine Elektroversion geben wird“, so der europäische GM-Chef.

Die Ausweitung der Stromer-Palette nach ganz unten könnte dafür ein Fahrzeug wie der Opel RAK e übernehmen. Der batteriebetriebene Kabinenroller war als Studie auf der IAA zu sehen. „Wir wollen das Fahrzeug Behörden und Gemeinden vorführen und die Reaktionen testen. Der RAK e könnte als Flottenfahrzeug eine Zukunft haben“, so Reilly. VW und Audi experimentieren ebenfalls mit elektrischen Roller-Studien. Und alle schauen gebannt auf Renault. Dort muss der batteriebetriebene Zweisitzer Twizy beweisen, wie sich ein spartanischer Stromer für weniger als 10.000 Euro auf dem Markt schlägt. Der Twizy wird in einer gedrosselten Variante für 16-Jährige angeboten, auch für den Opel RAK e ist eine solche Drosselung denkbar.

Ebenfalls auf der IAA zu sehen war die Pickup-Studie Chevrolet Colorado Rally. Chevrolet-Sprecher Rej Husetovic würde einen solchen Wagen gern in Deutschland sehen – als Konkurrent für den VW Amarok. „Eine Serienversion ist durchaus vorstellbar“, sagt Nick Reilly, tritt aber schnell auf die Bremse: „Der Pickup-Markt ist in Europa noch nicht wirklich groß, auch wenn sich das vielleicht ändern wird. Der Chevrolet Camaro ist für uns ein toller Imageträger, von dem wir in Europa nicht hunderttausende Exemplare verkaufen müssen. Mit einem Pickup allerdings muss man schon ein signifikantes Volumen erzielen“, betont Reilly.

Die Expansion von Opel in andere Märkte wird GM wohl nur sehr behutsam zulassen. Mit dem Ampera werde man sich „auf absehbare Zeit“ auf den europäischen Markt konzentrieren, sagt Reilly. Den Rest bedient der Chevrolet Volt. Dafür steht Südamerika auf der Agenda. „Opel wird nach Argentinien und Chile expandieren, und zwar mit Produkten, die Chevrolet in Südamerika nicht anbietet, zum Beispiel einen Zafira oder Meriva. Nach Brasilien werden wir Opel nicht bringen, einfach weil man dort mit Importautos kein Geld verdienen kann – die Importzölle sind sehr hoch. Wir werden keine großen Summen investieren, um eine Marke in einem Land zu etablieren, in dem wir mit Chevrolet bereits sehr gut aufgestellt sind“, so Reilly. Chevrolet hat in Brasilien, dem wichtigsten Wachstumsmarkt Südamerikas, schon drei Fabriken.

Sowohl Opel als auch Chevrolet zugute kommt eine komplett neue Motorengeneration. Sie soll in etwa zwei Jahren den geplanten City-Flitzer antreiben und dann schrittweise weitere Modelle. „Es handelt sich gemäß dem Downsizing-Prinzip um einen kleinen aufgeladenen Benzinmotor mit Direkteinspritzung“, sagt Entwicklungschefin Rita Forst. Das Aggregat soll sowohl Erdgas (CNG)- als auch Autogas (LPG)-kompatibel ausgelegt werden. Insgesamt sind für Opels neue Motorenfamilie vier Mitglieder geplant: Drei Benziner mit 1,0 bis 2,0 Litern Hubraum und ein Dieselaggregat mit 1,6 Litern Hubraum. Alle Motoren sollen auf einer gemeinsamen Produktionslinie vom Band laufen. Damit wollen die Rüsselsheimer flexibler auf die wechselnde Nachfrage nach Benzin- oder Dieselmotoren reagieren.
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Quelle: Autoplenum, 2011-09-19

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