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Testbericht

Wolfram Nickel/SP-X, 18. Mai 2020
SP-X/Köln. Alfa Romeo und Bertone, diese Allianz brachte einige der aufregendsten Sportcoupés aller Zeiten hervor. Während jedoch futuristische Bertone-Studien wie die BAT-Typen aus den 1950er Jahren schöne Träume blieben, nahm der 1967 für die Weltausstellung in Montreal/Kanada vom damals erst 29-jährigen Marcello Gandini entworfene Gran Turismo Montreal auf geniale Art den Geist der 1970er vorweg. Flache Formen für einen furiosen V8-Rennmotor, dazu ein bisschen Fake durch Kiemen für einen vermeintlichen Mittelmotor und knallige Farben: Fertig war ein spektakuläres Power-Coupé, das Panik im Club der Supersportwagenbauer bewirken sollte. Immerhin musste der von Bertone karossierte 2+2-sitzige Alfa „den größten automobilen Wunschtraum des Menschen erfüllen“, wie die Macher der Expo 1967 verlangten, die exklusiv die Mailänder Marke mit dem Quadrifoglio beauftragt hatten, einen ultimativen Traumsportwagen zu kreieren. Tatsächlich zogen die insgesamt zwei, zunächst namenlosen, neutral weiß lackierten Studien, auf der Weltausstellung täglich rund eine halbe Million Besucher in ihren Bann, wozu die spektakuläre Präsentation zwischen einer Spiegel-Galerie nicht unerheblich beitrug. Als Alfa Romeo auch noch nach Ausstellungsende Bestellungen für die Coupé-Concepts erhielt, bekam die Entwicklungsabteilung den überraschenden Auftrag, das Projekt „Montreal“ im Jahr 1970 in Serie gehen zu lassen.Die Supercar-Konturen der 1970er können auf eine Form reduziert werden: Keil. Extremes Design, das von Bertones Stardesigner Marcello Gandini und Giorgietto Giugiaro durchgesetzt wurde, und für das flache Sportcoupés wie Lamborghini Miura und Alfa Montreal direkte Vorboten waren. Auch antriebstechnisch bot der nur 1,21 Meter hohe Montreal Delikatessen, die sonst nur reinrassige Rennwagen zur Schau stellten. Denn während die Stilstudien auf der Weltausstellung in Kanada aus Kosten- und Zeitgründen noch einen 1,6-Liter-Vierzylinder aus der Giulia unter der Motorhaube verbargen, sorgte im Serienmodell des Montreal ein technischer Leckerbissen aus dem legendären Rennsportmodell Alfa Tipo 33/2 für spektakuläres Temperament: Eine straßentaugliche Variante des V8 mit nassen Laufbuchsen, 90-Grad-Kurbelwelle, vier oben liegenden Nockenwellen, Ölversorgung via Trockensumpfschmierung und gewichtssparender Fertigung aus Aluminium.Zugunsten alltagstauglicher Kraftentfaltung wurde der Hubraum des ersten in Serie gebauten Alfa-Romeo-V8 von 2,0 auf 2,6 Liter erhöht und die damals überaus respektable Leistung von 147 kW/200 PS – mehr als etwa bei Porsche 911 S oder Ferrari Dino – lag bei 6.400 Touren an. Möglich war sogar ein Ausdrehen des soundstark arbeitenden Aggregats bis in damalige Formel-1-Regionen von 7.000 bis 7.500 Umdrehungen, wie zeitgenössische Tests der Fachpresse bestätigten. Auch das Fünfgang-Sportgetriebe vermittelte Formel-Feeling, denn der erste Gang lag versteckt links hinten und die beim Fahren häufig gebrauchten Gänge dafür ergonomisch günstiger.Und die Fahrleistungen? Mit einem Tempo-100-Sprintwert von 7,5 Sekunden und 224 km/h Vmax setzte der Alfa Romeo Montreal keine Traumwerte – so wie es das Dreamcar-Concept 1967 optisch in Aussicht gestellt hatte -  und die Fabelwerte von V12-Boliden á la Ferrari Daytona oder Maserati Ghibli konnte das Mailänder Spitzenmodell ohnehin nicht erreichen. Aber Temperament und Fahrwerkstechnik – trotz starrer Hinterachse aus der Giulia - genügten für ein Abo auf die linke Spur von Autostrada und Autobahn und sensationelle Durchschnittstempi auf Langstrecken.Nützlich bei Überholvorgängen war ein zeitgeistiges, heute politisch vollkommen unkorrektes Ausstattungsdetail: Die per Schalter aktivierbare, akustisch alles durchdringende Überlandfanfare. Damals ein echtes Traumwagen-Detail. So trieb die italienische Presse einen Montreal in nur 20 Stunden die 2.574 Kilometer von Reggio Calabria nach Lübeck und ein deutscher Fachjournalist rühmte sich eines 160-km/h-Schnitts auf der Strecke Bonn-Flensburg. Mille-Miglia-Sieger und Targa-Florio-Titan Stirling Moss bewegte seinen Montreal bei einer privaten Italienreise 1972 sogar schneller als andere ihre Ferrari Daytona, die überdies häufigere Tankpausen als der Alfa einforderten.Der mit einer Saugrohreinspritzung aufwartende Rennmotor im Montreal entzog dem 64-Liter-Tank bei Vollgas-Touren zwischen 17 und 25 Liter pro 100 Kilometer, bei ruhiger Fahrt genügten aber auch 13 Liter: Bis zur Ölkrise von 1973/74 galt dies als akzeptabel, zumal konventionelle Luxuslimousinen auf ähnliche Werte kamen. Außerdem forderte die Montreal-Preisliste trotz des nur geringfügig domestizierten Tipo-33-Rennmotors aus der Sportwagen-Weltmeisterschaft keine Phantasiesummen, sondern nur Beträge wie sonst etwa Mercedes S-Klasse-Fahrer bezahlten. Überraschend kurz war die Optionsliste für den damals glamourösesten Alfa, umfasste sie doch nur die in Amerika essentiellen Features Klimaanlage und elektrische Fensterheber. Auf den weltweit größten Sportwagenmarkt kam der Alfa Montreal dennoch nicht.Trotzdem gelang dem Montreal ein Überraschungscoup, der sowohl dem gefeierten Tipo 33 Stradale als auch dem auf dessen Chassis basierenden Alfa Carabo von 1968 verwehrt blieb: Eine Gesamtproduktion von fast 4.000 Einheiten und damit die Bestätigung, dass auch Prototypen begehrenswerte Alltagsqualitäten besitzen können. Mit dem Montreal teilte sich der gleichfalls von Gandini gestaltete Carabo übrigens nicht nur die Motorsport-Gene des Tipo 33, es gab die 99 Zentimeter flache Flunder in signalgrüner Lackierung, die in ähnlicher Tongebung auch den Montreal zum Strahlen brachte. Eine Farbe, die so viel Faszination vermittelte, dass Alfa Romeo heute das 50-jährige Jubiläum des V8 mit der Sonderfarbe „Verde Montreal“ für Stelvio und Giulia Quadrifoglio feiert. Der glitzernd-grüne Alfa Carabo ergänzte die Farbenlehre noch um eine grelle Facette, die andere Verkehrsteilnehmer vor dem 250-km/h-Wagen warnen sollte: Fluoreszierende orange Umrandungen der Fahrzeugfront und hellgrüne am Heck. Unter den potentiellen Käufern des keilförmigen Carabo konnte nur ein arabischer Prinz das Lichtsystem bei nächtlichen Touren durch London erproben, nachdem der Prototyp für angeblich 700.000 Mark von Bertone in die Hände von Alfa Romeo gewechselt war. Dort blieb er auch und der arabische Prinz wurde auf den Montreal verwiesen.Dieser Alfa verlangte seinen Fans übrigens anfangs viel Geduld ab, denn die Serienproduktion startete erst 1971 und damit vier Jahre nach der Premiere auf der kanadischen Expo. Dennoch bewahrten die Formen des Coupés ihre Magie. Besonders die von einem Lamellengitter bedeckten Doppelscheinwerfer, die Lufteinlässe hinter den Türen und die große gläserne Heckklappe zogen alle Blicke an. Wie ein altersloses Model schmückte der Montreal sogar noch ein Jahrzehnt nach seinem 1977 erfolgten Fertigungssende Werbeanzeigen für Produkte gehobenen Lebensstils.Chronik:1966: Erster sensationeller Supersportwagen-Entwurf von Marcello Gandini bei der Carrozzeria Bertone ist der Lamborghini Miura, der dem Designer für weitere Fahrzeuge als Inspirationsquelle dient. Für die Entwicklung des 2+2-sitzigen Alfa Montreal – optisch wie der Miura als Mittelmotorauto gestaltet - zeichnen Orazio Satta Puliga (Alfa-Romeo-Chefingenieur, entschied sich gegen eine Mittelmotorkonstruktion), Giuseppe Busso (Mechanik), Nuccio Bertone und Bertone-Chefdesigner Marcello Gandini sowie der vorhergehende Bertone-Chefdesigner Giorgetto Giugiaro verantwortlich1967: Als Concept Car debütiert der Alfa Romeo Montreal – lackiert in weiß – als offizielles Hauptexponat des Landes Italien bei der Weltausstellung EXPO 67 in Montreal/Kanada. Als einziger Automobilhersteller überhaupt wird Alfa Romeo beauftragt für die Expo ein Concept Car zu bauen, dies unter dem Motiv „größter automobiler Wunsch des Menschen“ für die Ausstellungshalle „Man the Producer“. Insgesamt zwei Concept Cars werden gebaut. Der Transport nach Kanada erfolgt nicht auf dem Seeweg, sondern medienwirksam wie bei Kunstwerken per Luftfracht. Der erst 29-jährige Gandini wird nun von Medien und Fachwelt als Superstar unter den Nachwuchsdesignern gefeiert. Im Montreal-Concept-Car ist ein Vierzylinder aus der Giulia verbaut, weil der eigentlich vorgesehene V8 aus dem Alfa Tipo 33/2 noch nicht verfügbar ist. Die starre Hinterachskonstruktion und Bodengruppe ist aus Kosten- und Zeitgründen wie beim späteren Serienauto von der Giulia GT (Serie 105) abgeleitet. Besondere Designmerkmale sind die lamellenförmigen Scheinwerferabdeckungen, die bei Aktivierung der Beleuchtung per Unterdruck geöffnet werden können1968: Das leuchtend grün mit goldenen Metallic-Effekten lackierte, nur 99 Zentimeter hohe Concept Car Alfa Romeo Carabo mit hydropneumatisch arbeitenden Scherentüren wird von Marcello Gandini entworfen und leitet endgültig die Ära des Keil-Designs ein. Der Montreal soll diese Formensprache laut der Alfa-Kommunikation erstmals in die Serienproduktion übertragen. Der Carabo nutzt ebenfalls den Motor des Tipo 33/2 Stradale und dessen Rohrrahmenchassis 1970: Insgesamt fünf überarbeitete Fahrzeuge zeigt Alfa Romeo in diesem Jahr (darunter 1750 GTAm, GTA Junior, Giulia 1300 Super) und ein neues Modell, den Montreal. Vorserienproduktion von 25 Fahrzeugen. Weltpremiere feiert die nur minimal modifizierte Serienversion des Montreal (Serien-Typencode 105.64) im März beim Genfer Automobilsalon. Erstes Alfa-Serienfahrzeug in nennenswertem Volumen mit V8-Motor. Äußerlich trägt der Montreal keinen Modellschriftzug (nur auf dem Aschenbecher findet sich dieser). Unter der Haube des Montreal arbeitet ein vom Rennsportaggregat des Alfa Romeo Tipo 33/2 abgeleiteter und auf 2,6 Liter Hubraum vergrößerter Leichtmetall-V8 mit nassen Laufbuchsen, 90-Grad-Kurbelwelle, vier oben liegenden Nockenwellen, mechanischer Benzineinspritzung und Trockensumpfschmierung. Mit Präsentation des Montreal bei der Londoner Earls Court Show im Oktober wird der sofortige Auslieferungsbeginn kommuniziert, tatsächlich läuft die Serienproduktion aber erst im Folgejahr an1971: Serienstart im Frühjahr. Verkaufspreise ab 35.000 Mark, zu den Optionen zählen Klimaanlage, elektrische Fensterheber und Frontspoiler. Internationale Pressefahrvorstellung in Balocco/Italien, allerdings dürfen die Journalisten nur auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Zum Jahreswechsel nationale Pressefahrvorstellungen auf wichtigen Märkten und Vergabe von Pressetestwagen: Die Modellpflegemaßnahmen während der Produktionszeit des Montreal sind auf ein Minimum reduziert, so gibt es nach den ersten 100 Fahrzeugen den Frontspoiler als Serienausstattung, zusätzliche kleine Chromleisten unterhalb des hinteren Kennzeichens, höhenverstellbare Kopfstützen oder modifizierte Türöffner sowie ein optimiertes Abgasverhalten   1972: Rennfahrer Stirling Moss fährt privat einen Montreal und zeigt sich öffentlich begeistert von Leistung, Fahreigenschaften und Komfort des Fahrzeugs. Autodelta baut einen Motorsport-Montreal mit 3,0-Liter-Maschine und 276 kW/370 PS Leistung für die Gruppe 4 auf. Das Fahrzeug mit großem Frontspoiler und mächtigen Kotflügelverbreiterungen wird zwar auf mehreren Messen gezeigt, aber letztlich nicht eingesetzt. In den Jahren 1972 bis 1974 baut Alfa Romeo insgesamt 2.665 Montreal. Im Jahr 1972 verdoppeln sich die Alfa-Gesamtfertigungszahlen durch den neuen Alfasud von 109.000 Einheiten im Vorjahr auf nunmehr 225.000 Wagen1975: 430 Montreal sollen in diesem Jahr gebaut worden sein, ein Nischenprodukt im Alfa-Portfolio. Insgesamt baut Alfa Romeo 227.526 Fahrzeuge1976: Beim Genfer Salon fehlt der Montreal im Ausstellungsportfolio, gleiches gilt für das Jahr 1977. Tatsächlich soll die Produktion nach verschiedenen Quellen bereits eingestellt sein, aber der Abverkauf läuft bis 1977 und auch Alfa Romeo kommuniziert noch neue Produktionszahlen, für das Jahr 1976 insgesamt 90 Montreal1977: Offizielles Produktionsende nach 3.925 Einheiten, davon 180 mit Rechtslenkung. Für das finale Jahr vermeldet Alfa Romeo 46 produzierte Montreal. Die letzten Neuwagen werden von nicht wenigen Alfa-Romeo-Händlern mit drastischen Preisnachlässen veräußert. Die Konturen des Coupés sind aber so aufregend, dass der Montreal für Anzeigenkampagnen diverser Zubehörhändler (u.a. Blaupunkt) noch bis Ende der 1980er Jahre verwendet wird. Dank besserer Rostschutzmaßnahmen als bei anderen zeitgenössischen Alfa-Modellen ereilte den Montreal kein vorzeitiger Korrosionstod, allerdings überforderte die Wartung der Technik manche Alfa-Händler  2020: Alfa Romeo feiert den 50. Jahrestag der Montreal-Serienversion, dies u.a. mit einer neuen grünen, Montreal-typischen Lackfarbe „Verde Montreal“ für Stelvio und Giulia QuadrifoglioAlfa Romeo Montreal - Technische Daten:Zweitüriger, 2+2-sitziger Sportwagen; Länge: 4,22 Meter, Breite: 1,67 Meter, Höhe: 1,21 Meter, Radstand: 2,35 Meter, Leergewicht ab 1.270 Kilogramm.2,6-Liter-V8-Benziner mit Trockensumpfschmierung; 147 kW/200 PS bei 6.400/Umin (Maximaldrehzahl 7.000 U/min), maximales Drehmoment: 235 Nm bei 4.750 U/min, Hinterradantrieb, 5-Gang-Getriebe, 0-100 km/h: 7,6-7,5 s, Vmax: 219-224 km/h, Normverbrauch nach DIN: 13,7 Liter/100 Kilometer, Preis: ab 35.000 MarkDiese Studie war aufregend anders. Der von Marcello Gandini in futuristische Formen gegossene Alfa Montreal sollte auf der Expo 1967 das ultimative Traumauto verkörpern. So gewagt dieser Anspruch auch war, der schnelle Montreal wurde 1970 Realität und Alfa fuhr auf Augenhöhe mit Maserati  
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Fazit
Diese Studie war aufregend anders. Der von Marcello Gandini in futuristische Formen gegossene Alfa Montreal sollte auf der Expo 1967 das ultimative Traumauto verkörpern. So gewagt dieser Anspruch auch war, der schnelle Montreal wurde 1970 Realität und Alfa fuhr auf Augenhöhe mit Maserati  

Quelle: Autoplenum, 2020-05-18

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