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Testbericht

Wolfgang Hörner, 28. Januar 2020
Hat klassischer Motorsport ausgedient, wenn praktisch alle Autohersteller auf Elektroantrieb setzen? Selbst in der Heimat von Tesla will man davon nichts wissen. Für Porsche käme ein Verzicht dort einem Offenbarungseid gleich.

Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: \"Die 24 Stunden von Daytona sind für Sportwagen in Nordamerika das wichtigste Autorennen\", stellt Pedro Mota, Marketing-Chef von Porsche Nordamerika, die Bedeutung des Langstreckenklassikers in Florida klar: \"Daytona ist das Le Mans der USA. Die 12 Stunden von Sebring und das Petit Le Mans in Road Atlanta haben ihre Reize, aber nicht diesen Stellenwert. Hersteller können in Daytona ihre ganze Kompetenz demonstrieren.\" Mota hat gut reden: Seit der Erstauflage des 24-Stundenrennens im Jahr 1966 holte Porsche 18 Gesamt- und unglaubliche 78 Klassensiege. Kein anderer Hersteller kann auch nur ansatzweise mithalten. Doch nicht nur dieser Erfolg macht den Mythos von Daytona aus: \"Die Atmosphäre dort ist etwas ganz Besonderes\", betont auch Pascal Zurlinden, Leiter von Porsche Motorsport, und spricht damit die eingefleischten Fans an, die im Infield von den Dächern ihrer Wohnmobile aus das Rennen beobachten und rund um die Uhr Party machen. \"Auch der Termin ist gut gewählt: Ende Januar finden praktisch keine anderen Motorsportveranstaltungen statt\", ergänzt Mota.

Parallel dazu laufen hinter den Kulissen von Porsche Nordamerika längst die Vorbereitungen für ein anderes Rennen auf Hochtouren. Zwar sind es noch über fünf Monate hin, bis der Formel-E-Lauf in New York City stattfindet, doch dieser Aufschlag soll sitzen: Zum ersten Mal ist auch Porsche mit am Start. Sportlich, das zeigte sich schon, muss man in der ersten Saison in der internationalen Elektrorennserie kleinere Brötchen backen. Dafür soll wenigstens den Besuchern Entertainment vom Feinsten geboten werden.

Der Unterschied zwischen Daytona und New York könnte größer kaum sein: Robuster Langstreckensport mit Hochleistungssportwagen und klassischen Verbrennungsmotoren auf einem Old-School-Oval der einen Seite, politisch korrekte E-Mobilität im Kreis mit hohem Lifestyle-Faktor im Schatten der Freiheitsstatue auf der anderen. Dazu kommt, dass die Formel E die weltweit einzige Rennserie ist, bei der sich die Veranstalter nicht über mangelndes Interesse seitens der Automobilhersteller beklagen können. Ganz anders bei den 24 Stunden von Daytona, wo man in diesem Jahr mit 38 Fahrzeugen mit dem kleinsten Starterfeld der Geschichte zu kämpfen hatte. Ist klassischer Motorsport also angezählt? Dem widerspricht Mota energisch: \"Es ist kein entweder oder. Wir werden nicht das eine tun, und das andere sein lassen.\" Das hat weniger mit Nostalgie und dem Schwelgen in Erinnerungen an große Rennen zu tun, sondern mit klarem Kalkül: \"Die Formel E zahlt stärker auf die Marke ein, weil man das Fahrzeug nicht kaufen kann. Sie ist eher wie ein Schaufenster, das zeigt, was die Zukunft bringt.\" Und die ist auch bei Porsche zumindest teilweise elektrisch. \"Die Aufmerksamkeit für das tatsächliche Produkt ist dagegen bei Sportwagenrennen höher - allein schon, weil man zum Händler gehen und dort einen 911 kaufen kann. Für uns sind daher Sportwagenrennen ein Muss. Hier können wir unsere Produkte unmittelbar unter Beweis stellen.

Einen Wettbewerber haben Mota und die gesamte Mannschaft von Porsche in den USA besonders im Auge. Es ist nicht etwa Ferrari oder der deutsche Rivale BMW, sondern ausgerechnet Massenhersteller Chevrolet. Sie bauen mit der Corvette seit Jahrzehnten den US-amerikanischen Gegenentwurf zum Porsche 911. Freimütig räumt Mota ein: \"Es ist gut, dass die Corvette in Daytona dabei sind. Sie sind auch auf dem Markt unsere Gegner.\" Hierzulande werden zwar nur vergleichsweise wenige Exemplare verkauft, doch in den USA kommt Chevrolet auf große Stückzahlen - nicht zuletzt auch wegen ihres deutlich günstigeren Preises bei annähernd gleicher Performance. Doch es gibt durchaus eine Seelenverwandtschaft. \"Die Leute von Corvette sind echte Racer, die nie aufgeben\", weiß Mota von seinen vielen Rennbesuchen. Diese Haltung verbindet mit Porsche. Gleiches gilt für die große und vor allem kontinuierliche Rennsporttradition des US-Sportwagens - ein Aspekt, weshalb Ford, der zweite amerikanische Auto-Gigant, trotz seines GT-Engagements in den zurückliegenden fünf Jahren nicht den gleichen Stellenwert hat. \"Es fehlt an ihrer Konstanz im Motorsport\", urteilt Mota.

Konstanz hat Porsche. Jedes Jahr vor Ort, oft siegreich - wäre das nicht angesichts des neuen Formel-E-Engagements ein idealer Zeitpunkt, um zu pausieren? Schon der Gedanke daran scheint Zurlinden und Mota so zu schockieren wie Hardcore-Fans die Vorstellung, der Porsche 911 müsste mit vier Zylindern auskommen. \"Nein\", stellt Mota klar und zeigt auf den Porsche-Platz inmitten der Rennstrecke. Hier haben unzählige Kunden ihre Fahrzeuge abgestellt - vom neuesten 911 bis zum historischen 356. Die Nummernschilder verraten, dass sie dafür durchaus weite Anreisen in Kauf nahmen. Und trotzdem spiegeln die vielen Autos nicht alle Porsche-Fans wider. \"Was wir schon vor dem Rennen in New York wissen: Das Publikum wird jünger sein, weil die Formel E mit Dingen wie Fan-Boost und Social Media viel mehr wie Gaming ist. Diese Leute würde nicht nach Daytona kommen, sind aber trotzdem Teil der Porsche-Community\", analysiert Mota.

Umgekehrt wollen Porsche-Kunden, die nach Daytona kommen, nicht auf den Sound der Rennwagen verzichten. Oder vielleicht doch? Ted, ein Mittfünfziger, der auf dem Porsche-Parkplatz aus seinem GT3 steigt, hat eine klare Meinung dazu. Auf die Frage, ob er auch zum Formel-E-Rennen nach New York kommt und dort seine Marke anfeuert, antwortet er mit einem scharfen \"No\". Dabei lebt Ted sogar dort. Doch er legte mit seinem Porsche lieber die 1.000 Meilen nach Florida zurück, um in Daytona mit dabei sein zu können. Nur hier gibt es, wie er es nennt, \"real racing\".
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Quelle: Autoplenum, 2020-01-28

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