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Testbericht

Sebastian Viehmann, 6. Februar 2010
Bevor VW den neuen Sharan präsentiert, gibt sein härtester Gegner mächtig Gas. Der Ford Galaxy bekommt neue Motoren, ein Doppelkupplungsgetriebe und ein paar frische Assistenzsysteme. Optisch tut sich dagegen wenig.

Der Sharan ist ein ganz alter Knochen. Anfang der 90er wurde er zusammen mit Ford entwickelt, und das Dreigestirn Ford Galaxy – VW Sharan – Seat Alhambra mischte den Markt der Familienvans ordentlich auf. Doch während VW mit mauen Facelifts das Rentenalter des Sharan immer weiter nach hinten schob, ging der Galaxy eigene Wege und erstrahlt längst in der zweiten Generation. So braucht es beim aktuellen Facelift des Kölner Familienvans auch nicht viel Schminke – er sieht immer noch jung und dynamisch aus. Schicke LED-Rückleuchten und ein paar winzige Retuschen an der Karosserie zählen zu den Neuerungen.

Innen bleibt der Galaxy vor allem eines: groß. Er ist mit 4,81 Metern zwar nur minimal länger als sein kleinerer Bruder S-Max (4,77 Meter), aber gut zehn Zentimeter höher (1,74 Meter, mit Dachreling sogar 1,8 Meter). Sieben Sitze sind serienmäßig an Bord, und selbst Erwachsene kommen auf den letzten beiden Plätzen unter – nicht wirklich bequem, aber es geht. Das liegt vor allem an den verschiebbaren Einzelsitzen im Galaxy-Fond. Der Beifahrer kann zur Erleichterung der anderen Passagiere seinen Sitz besonders weit nach vorn schieben, denn im Bereich des Handschuhfachs ist die Kniefreiheit enorm.

Etwas umständlich ist das Umlegen der Rücksitze. Die ebene Ladefläche entsteht nicht sofort, man muss erst die rückwärtigen Verkleidungen der Sitze sortieren. Maximal stehen im Galaxy bis unters Dach 2325 Liter zur Verfügung, was im Van-Segment kein Spitzenwert ist (VW Sharan / Seat Alhambra: 2610 Liter; Renault Espace: 2860 Liter, Peugeot 807: 2948 Liter). Werden alle sieben Sitzplätze benutzt, schrumpft der Kofferraum auf 308 bis 435 Liter. Kleinigkeiten vom Kinderspielzeug bis zur Sonnenbrille kommen in den Dachfächern unter, von denen der Galaxy eine ganze Armada besitzt – ergänzt durch Schubladen unter den Vordersitzen ab Ghia-Ausstattung.

Unter der Haube stehen Benziner von 107 kW / 145 PS bis 149 kW / 203 PS sowie Zweiliter-Dieselmotoren mit 85 kW / 115 PS, 103 kW / 140 PS oder 120 kW / 163 PS zur Verfügung. Die beiden stärkeren Selbstzünder wurden komplett überarbeitet und auf Sparsamkeit getrimmt. Die 163 PS-Version entwickelt ein maximales Drehmoment von 340 Newtonmetern, gibt sich auch unter Last angenehm zurückhaltend. Die knackige Sechsgang-Schaltung zeichnet sich durch eine gute Abstimmung sowie präzise, kurze Wege aus. Die Beschleunigung von 0 auf 100 Km/h ist mit 9,8 Sekunden auf dem Papier nicht berauschend, doch in der Praxis stecken in dem drehfreudigen und kraftvollen Diesel reichhaltige Überholreserven. Den Durchschnittsverbrauch gibt Ford mit 5,7 Litern pro 100 Kilometer an. Den falschen Sprit kann man beim Galaxy übrigens nicht einfüllen: Das serienmäßige EasyFuel-System macht nicht nur den Schraubverschluss am Tank überflüssig, sondern verhindert auch eine Fehlbetankung.

Für 2000 Euro extra spendiert Ford sein neues PowerShift-Direktschaltgetriebe mit sechs Gängen. Das schaltet nicht ganz so flexibel und schnell wie Volkswagens DSG-Direktschaltgetriebe und zehrt sowohl fühl- als auch messbar an der Beschleunigung, doch mit einer immer noch kurzen Reaktionszeit und sehr weichen Schaltübergängen erhöht es den Reisekomfort erheblich. Vorbildlich ist der Fahrkomfort des Galaxy. Die Federung wird mit allem fertig, was die Straße an Gemeinheiten bereithält, die Straßenlage ist ausgezeichnet und auch die Lenkung kann überzeugen. Ab Ghia-Niveau ist der Tempomat an Bord, der auf Knopfdruck alternativ als Geschwindigkeitsbegrenzer funktioniert. Der Wagen nimmt beim Erreichen des vorgewählten Tempos dann kein Gas mehr an, es sei denn, man tritt das Pedal voll durch. Für 945 Euro extra hält der Ford mit einem Abstandsregeltempomaten automatisch Distanz zum Vordermann.

Der neue Galaxy steht Ende Mai ab 30.000 Euro (145 PS-Benziner) beim Händler. Der 163 PS starke Dieselmotor erhöht den Preis auf 34.050 Euro (Basismodell Trend) bis maximal 38.650 Euro (Ghia oder Titanium mit PowerShift-Getriebe). Das Basismodell ist unter anderem mit ESP, elektrischen Fensterhebern, Nebelscheinwerfern, Multifunktions-Lederlenkrad, LED-Rückleuchten, Zweizonen-Klimaautomatik, Bordcomputer, CD-Radio und Mittelarmlehne ausgestattet.

Beim Türkonzept unterscheidet sich der Galaxy nicht von einem normalen Auto, obwohl gerade das gerade schwer in Mode ist: Während Opels Minivan Meriva mit Schmetterlingstüren auf sich aufmerksam macht, wird der neue Sharan wahrscheinlich Schiebetüren bekommen. Nick FitzGerald, Fords Chefingenieur der Modelle S-Max und Galaxy, sieht darin keinen Vorteil: „Schiebetüren erhöhen nicht nur die Kosten, sie sind auch das Erkennungsmerkmal Nummer Eins jedes Familienvans“, meint FitzGerald – und gerade das wollten die Käufer ja vermeiden, indem sie sich einen sportlicher anmutenden S-Max oder Galaxy zulegten.

Quelle: Autoplenum, 2010-02-06

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