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Testbericht

Sebastian Viehmann, 8. November 2009
Männer sind große Kinder, und sie verbinden ihren Spieltrieb gern mit der Arbeit. Ein Tüftler aus den USA verwandelt Modellautos in externe Festplatten oder USB-Speicher. Und auch Autohersteller lassen sich einiges einfallen.

Wenn die Herren der Schöpfung mit der Modelleinsenbahn spielen oder ferngesteuerte Rennautos über den Parkplatz jagen, trifft das bei der Partnerin nicht immer auf Gegenliebe. Doch wenn man mit seinem Spielzeug gleichzeitig die Büroarbeit erledigt, wer könnte da noch böse sein? Der amerikanische Tüftler Dave Hersch hat die Lösung gefunden. Er baut kleine Corvettes, Mustangs oder Ferraris in USB-Sticks um und verkauft sie für 20 Dollar das Stück im Internet.

Die kleinen USB-Datenspeicher, die die gute alte Diskette und oft auch die CD-Rom längst abgelöst haben, heißen im Englischen Flash Drive. Und aufgemotzte Autos nennt man in den USA Hot Rods. Da lag der Name FlashRods für die ungewöhnlichen USB-Sticks nahe. Die Idee zu den verspielten PC-Accessoires kam Dave Hersch, als er eines Tages im Wohnzimmer mit seinem Laptop arbeitet. Sein vierjähriger Sohn Miles schaute mit großen Augen den USB-Stick an, der auf dem Tisch lag. „Was ist denn das für ein doofes Plastikding?“ wollte der Filius wissen. Als Hersch es ihm erklärte, war Miles nicht ganz zufrieden: „Das Ding sollte viel cooler aussehen, so wie ein Auto.“ So sei die Idee zum FlashRod entstanden, erzählt der Unternehmer Dave Hersch. Und mittlerweile ist der kindliche Geistesblitz zu einem profitablen Geschäft geworden.

An Vorbildern für die rollenden Speichermedien mangelt es genau so wenig wie an passenden Spielzeugautos zum Einbau des Sticks: Der Matchbox-Maßstab 1:64, in dem die Streichholzschachtel-großen Autos produziert werden, ist in den USA sehr populär. Unter den Labels Hotwheels, Greenlight oder Johnny Lightning entstehen jährlich Dutzende neuer Modelle, die meist in einer durchsichtigen Plastikverpackung samt Sammlerkarte geliefert werden. Waren die Hosentaschen-Renner noch vor einigen Jahren höchstens vorbildähnliche Spielzeuge, sind viele 1:64-Miniaturen mittlerweile fast so vorbildgetreu wie die Modelle im größeren Maßstab 1:43. Diese Sammlerstückchen haben ungefähr die Größe einer Zigarettenschachtel und sind besonders in Europa beliebt.

Die populärsten Vorbilder für die FlashRods sind je nach Markt unterschiedlich. „In Amerika verkaufen wir vor allem den Dodge Challenger, in Europa den Audi R8. Und jeder liebt Muscle Cars! Unser weltweiter Beststeller ist der Ford Mustang“, sagt Dave Hersch. Er will sein Programm mit weiteren Mustangs, getunten Hot Rods und auch vielen europäischen Modellen ausbauen. Dazu kommen Industrieaufträge, bei denen die Modelle mit Firmenlogos bedruckt werden. Seit Juni hat Hersch bereits mehr als 5000 USB-Sticks in Autoform verkauft. Er hofft, dass sich der Absatz im kommenden Jahr verzehnfacht. Wem die kleinen USB-Brummer nicht ausreichen, der kann sich auch externe Festplatten in Autoform liefern lassen. Dafür benutzt Dave Hersch große Modelle im Maßstab 1:18, bei denen sich auch Motorhauben und Türen öffnen lassen. Auch in diesem Maßstab bietet die Spielzeugindustrie reichlich Futter. Dave Herschs Idee könnte also bald Nachahmer finden.

Übrigens beweisen auch die Hersteller echter Autos Erfindungsreichtum bei automobilem PC-Zubehör. Als Fiat den neuen Fiat 500 vorstellte, ließ der Autobauer Computermäuse in Cinquecento-Form herstellen. Das Dach besteht aus zwei Tasten, Scheinwerfer und Rückleuchten blinken beim Bewegen der Maus. Beliebt sind auch USB-Sticks, die einem Autoschlüssel nachgebildet sind. Sie wiegen zwar weniger als das Vorbild, sehen aber täuschend echt aus. Bleibt zu hoffen, dass nicht irgendwann ein schusseliger Autofahrer die beiden verwechselt und versucht, mit einem USB-Stick sein Auto aufzuschließen…
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Quelle: Autoplenum, 2009-11-08

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