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Testbericht

Stefan Grundhoff, 18. Januar 2008
Um sich von der breiten Masse abzuheben, sind für Autohersteller Sportmodelle bekanntlich ein probates Mittel. Die leistungsstarken Trainingspartner stehen hoch im Kurs. Volvo geht einen anderen Weg.

Was für Audi die S- und RS-Modelle, für BMW die M GmbH und für Opel seine OPC, das sind für die Schweden seit Jahren die Volvo R-Modelle. Nach dem 1994 eingeführten Volvo 850 T-5R galten die Nachfolger S60 R und V70 R ab 2002 als sehr sportlich-elegante Ausbaustufen der skandinavischen Lebensart – luxuriös, 300 PS stark und mit variablen Allradantrieb sowie elektronischem Fahrwerk ausstaffiert. Doch überraschenderweise rudern die Schweden jetzt zurück. Mit dem Modelljahr 2007 war es das erstmal mit den beiden R-lebnismodellen. Die hauseigenen Sportskanonen wurden ersatzlos gestrichen. Stattdessen gibt es fortan für alle Modellreihen Designpakete mit der Bezeichnung "R" und einem kleinen Logo im Kühlergrill. Den Anfang machen C30, S40 und V50. Die größeren Modelle sollen mittelfristig ebenfalls folgen.

Wichtigster Unterschied zur bisherigen R-Philosophie: Einen "R" kann künftig jeder fahren - alles nur noch eine Frage der Optik. Die Sportpakete - bestehend aus Schwellersatz, Teillederinterieur, aufgewertetem Innenraum und 17-Zoll-Radsatz - können mit jeder Ausstattungsvariante und jedem Motor gekoppelt werden. Die aus der Masse herausstechenden Kraftmeier von einst sind somit Vergangenheit. Fortan kann auch ein müder S40 oder V50 1.8 auf dicke Hose machen und so tun, als ob der mächtig Leistung unter der Haube hätte. Sinnvoll, weil passend, sind die R-Designpakete jedoch nur bei den PS-stärkeren Modellen. Einem wie dem S40 AWD T5 stehen sie gut zu Gesicht. Denn der kompakte Schwede bietet mit seinem aufgeladenen Fünfzylinder nicht nur 169 kW/230 PS, sondern auch jede Menge Fahrspaß. Nach einem kurzen, kaum spürbaren Turboloch bekommt der quer eingebaute Reihenfünfzylinder ordentlich Dampf. Bereits ab 1.500 Touren steht das maximale Drehmoment von 320 Nm zur Verfügung – stetig bis 5.000 U/min.

Den Spurt 0 auf 100 km/h schafft der knapp 1,6 Tonnen schwere Allradler in 7,1 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h ist für die PS-Zahl ausreichend, aber wenig beeindruckend. Ab Tempo 210 wird die Luft für den Schweden überraschend schon recht dünn. Den Durchschnittsverbrauch gibt Volvo mit 9,6 Litern Super auf 100 Kilometern an. Die tiefere Schürze und die Breitreifen liefern optisch ein stimmiges Bild. Der aufgesetzte Spoiler am Heck ist dann aber doch etwas zu viel des Guten. Hier geht es weniger um Abtrieb für die Hinterachse als vielmehr um einen kraftvollen Auftritt.

Das Fahrwerk des Volvo S40 T5 bietet eine gelungene Mischung aus Komfort und Sportlichkeit. Für ein Sportmodell dieser Leistung sind die optionalen 18-Zoll-Felgen die bessere Wahl. Weniger als die serienmäßigen 17-Zöller sollten es beim S40 T5 sowieso nicht sein. Bei normaler Fahrt überträgt der S40 AWD T5 einen Großteil der Motorleistung auf die Vorderachse. Erst wenn hier Schlupf auftritt, wird die überschüssige Leistung via Haldex-Kupplung nach hinten transferiert. Im Vergleich zu größeren Volvo-Modellen ohne die Instant-Traction, die bereits ein Basis-Drehmoment an die Hinterachse anlegt und so schneller anspricht. So geschieht der Kraftfluss beim S40 T5 nach wie vor mit leichter Verzögerung. Zudem sind Antriebskräfte in der Lenkung spürbar.

Der Aufpreis für die R-Pakete liegt je nach Modell zwischen 1.530 und 4.050 Euro. Der Volvo S40 T5 AWD R startet somit bei 38.910 Euro. Mehr Konturschärfe für die einzelnen Volvo-Modelle bieten die R-Pakete ohne Zweifel. Ob langfristig auf die echten Sportmodelle mit dem R im Kühlergrill verzichtet werden kann, darf jedoch bezweifelt werden. Die Konkurrenz ist hart und sportlicher denn je unterwegs. Die wichtigsten Konkurrenten von Volvo kommen nun einmal aus München, Ingolstadt und Stuttgart. Und selbst Hersteller wie Chrysler, Volkswagen, Peugeot und Opel kommen längst nicht mehr ohne hoch motorisierte Sportmodelle aus.
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Quelle: Autoplenum, 2008-01-18

Getestete Modelle
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