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Testbericht

Stefan Grundhoff, 24. Januar 2008
Es ist ein sehr elitärer Kreis, der sich bald über ein neues Spielzeug für sie schönsten Straßen der Welt freuen kann. Mercedes hat sein schnellstes Geschoss, den SLR, als 722 Edition noch weiter gen Himmel gerückt.

Allenfalls 149 Kunden werden das Vergnügen haben, sich einen SLR 722 Edition in die eigene Großgarage stellen zu können. Mindestens einen dürfte sich Mercedes für sein Stuttgarter Museum schon reserviert haben. Ist es schon unwahrscheinlich, einen profanen Serien-SLR auf der Straße zu sehen, so grenzt der Zufallskontakt mit einem 722er an einen Lottogewinn. Den würde Otto Normalverdiener auch brauchen, um sich einen 722 leisten zu können. Die normale Zielgruppe dagegen weniger: "Viele der 722er Kunden haben bereits einen normalen SLR in der Garage stehen", weiß Markenmanager Patrick Marinoff beiläufig. Kämen dann noch einmal rund 400.000 Euro dazu – selbstverständlich zzgl. Mehrwertsteuer. Na dann! Selbst, wer den Jackpot geknackt hat, muss sich sputen: Dieses Jahr sind alle 722 schon weg. "Die meisten Fahrzeuge sind bereits vergeben", sagt Mercedes-Sprecher Stefan Diehl.

Jedes von ihnen ein Supersportler, der faktisch keine Grenzen kennt. Es ist nicht die Höchstgeschwindigkeit von 337 km/h oder das Beschleunigungspotenzial von 0 auf Tempo 100 in 3,7 Sekunden. Nein, derartige Beschleunigungswerte bekommt man auch anderswo. Es ist das Gefühl von Formel 1, das der erlauchten Kundschaft nicht nur beim Beschleunigen sondern bereits bei der Ausfahrt aus der Garage schier den Atem raubt. Carbon, Leichtbau und Alcantara wohin das Auge auch sieht. Es ist eng. Und man fühlt sich immer schnell – egal was der Tacho gerade anzeigt. Selbst im Stand.

Kaum ein anderes Auto schafft es perfekter, ein so kompromissloser Rennwagen zu sein und gleichzeitig ganz auf Nobel-Coupé zu machen. Denn wer denkt, dass man im SLR 722 Edition einen bockelharten Begleiter für ein paar Flotte Runden in Monza oder Hockenheim bekommt, unterschätzt die Fähigkeiten des Mercedes Entwicklungsteams. AMG, Mercedes und McLaren – jeder hat die besten seiner Fähigkeiten eingebracht - und so kann man den 650 PS starken Renner auch im alltäglichen Straßenverkehr überraschend kommod bewegen. Auf nervöse Blicke der Umgebung und einen kleinen Volksauflauf bei jedem Ampel- oder Tankstopp sollte man sich allerdings einstellen. Der Showeffekt ist im Basispreis inbegriffen. Endlich wieder ein Fahrzeug, in dem sich der Fahrer nicht Insasse, sondern Pilot nennen darf und bei dem der Durchschnittsverbrauch ebenso wenig interessiert wie sein CO2-Ausstoß. Die handvoll Kunden, die sich diesen Luxusschlitten leisten werden, spielen für die globale Erwärmung sicher nicht die entscheidende Rolle - zumal sie ihr Schmuckstück ohnehin meist nur für gelegentliche Lustreisen nutzen dürften.

Schon vor dem Starten beginnt der Genuss - mit dem Einstieg in die graue Flunder. Die Tür schwingt lautlos nach oben und signalisiert ebenso wie die Rennsportsitze, dass der Fahrer nicht allzu füllig sein sollte. Die Sitze selbst könnten gerade für einen Boliden dieser Klasse enger anliegen und im Schulterbereich mehr Seitenhalt bieten. Auch die statische Neigung der Rückenlehne wird nicht alle Fahrer gleichermaßen begeistern. Doch man kann sicher sein: wer 476.000 Euro auf den Tisch legt, bekommt auch einen Sitz auf den Leib geschneidert.

Während das Gestühl angepasst wird, kann man sich so ganz nebenbei Gedanken über den Ursprung des Namens SLR 722 Edition machen. Mit diesem Sondermodell zelebriert Mercedes-Benz den Erfolg von Rennsportlegende Stirling Moss Stirling Moss bei der Mille Miglia 1955. Zusammen mit seinem Beifahrer Dennis Jenkinson hatte Moss dieses damals wohl härtesten Autorennen der Welt auf einem Mercedes 300 SLR mit der Startnummer 722 gewonnen. Während die Karosserie des ganz besonderen SLR mit Handarbeit bei McLaren im britischen Woking hergestellt wird, kommt das Kraftpaket unter der endlos langen Haube von AMG aus dem schwäbischen Affalterbach. Der 5,5 Liter große Achtzylinder wird durch einen mechanischen Lader zwangsbeatmet - was ihm nicht nur 478 kW/650 PS, sondern auch 820 Nm Drehmoment und Dampf in allen Lebenslagen entlockt. Die Verbindung von Front-Mittelmotor und angetriebener Hinterachse übernimmt die bekannte Fünfgang-Automatik mit manueller Schaltebene. Am besten, der Pilot entscheidet sich gleich für das Getriebeprogramm Sport: So satt klacken die einzelnen Gangstufen rauf und runter, dass man sich einen Eingriff über die Lenkradpaddel getrost sparen kann.

Trotz eines Leergewichts von knapp 1,8 Tonnen und eines Radstandes von 2,70 Metern ist der SLR wieselflink unterwegs. Im Vergleich zum Serien-SLR wurden noch einmal 44 Kilogrammn eingespart. 18 Kilogramm davon entfallen allein auf den Alu-Radsatz des 722ers.

Der Fahrer spürt von der neuen Leichtigkeit nur wenig: Der Airsplitter an der Frontschürze erhöht den Anpressdruck um 128 Prozent. Wichtiger als die schnöden Zahlen auf weißem Papier ist das reale Fahrgefühl. Sowohl bei geringen als auch bei hohen Geschwindigkeiten fährt sich das limitierte Prunkstück noch präziser und bissiger als sein Bruder - ohne dabei nervös zu werden. Ein Genuss ist nicht nur die Beschleunigung sondern auch das Bremsverhalten. Dank vergrößerten Keramikbremsen steht der Renner aus Tempo 100 nach weniger als 35 Metern. Dabei bleibt er stoisch ruhig und verlangt dem Fahrer kein ungewöhnliches Können ab.

Für all diejenigen, die zu spät kommen oder eben keine 476.000 Euro ausgeben möchten gibt es ein "preisgünstigeres" Trostpflaster: Den Chronographen TAG Heuer SLR bekommt man schon für vergleichsweise bescheidene 3.500 Euro – ebenfalls streng limitiert. Egal ob mit oder ohne Auto.
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Quelle: press-inform, 2008-01-24

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