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Testbericht

Sebastian Viehmann, 28. Januar 2008
Flüsterleise. Sänftengleicher Fahrkomfort - und trotzdem 445 PS: Der Lexus LS 600 h setzt eine hohe Messlatte für die kommende Hybrid-Konkurrenz deutscher Nobelmarken. Der reine Elektro-Modus ist aber eine Mogelpackung.

Xenon-Licht? Mit solchen Kinkerlitzchen gibt sich Lexus bei seinem Vorzeige-Kreuzer gar nicht erst ab. Der LS 600h hat selbstverständlich LED-Scheinwerfer. Daran kann man ihn auch sofort vom LS 460 unterscheiden. Die Ansage an die Konkurrenz ist klar: Hybrid ist Zukunft, die vor euch fährt. Und in Sachen Sicherheitsausstattung, Komfortoptionen und Fahrerassistenzsysteme hat Toyotas Edelmarke sogar die S-Klasse rechts überholt. Der Preis: Lexus-Piloten sollten sich in aller Ruhe mit einem Glas Wein und der Betriebsanleitung vor den Kamin setzen, damit sie alles verstehen, was ihr Auto so den ganzen Tag lang macht.

Eins macht der Hybrid-LS jedenfalls nicht: Krach. Wenn der Nippon-Gleiter losrollt (das tut er je nach Ladezustand der Batterie rein elektrisch), könnte man eine Fliege husten hören. Perfekter Schallschutz war schon immer die Domäne des großen Lexus. Das Innenraumgeräusch im LS 600h beträgt 28 db(A), das entspricht etwa dem Ticken einer Uhr. Das Fahrtgeräusch bei 50 Km/h hat Lexus mit 53 db(A) gemessen - etwa so laut wie ein Gespräch in Wohnzimmer-Atmosphäre.

Erst beim stärkeren Gasgeben schaltet sich der V8-Motor unbemerkt und völlig ruckfrei zu. Selbst beim Kickdown und bei hohen Geschwindigkeiten brummelt die Lexus-Maschine kraftvoll, aber äußerst leise vor sich hin. Die Schaltübergänge spürt man nicht einmal dann, wenn man sich im manuellen Getriebemodus befindet – so butterweich jongliert die Elektronik mit Drehzahl und Motorkraft. Man gewöhnt sich schnell ein ruhiges, gleichmäßiges Fahren an. Allerdings hat das Fahrgefühl im Gegensatz zu einem normalen V8 auch etwas seltsam Synthetisches. Dazu passt dann auch die schwammige Lenkung des Lexus.

Der erste Hybrid-V8 basiert auf dem Motor des LS 460. Das auf 394 PS erstarkte Aggregat kombiniert je nach Lastbereich direkte Benzineinspritzung und Saugrohreinspritzung. Die Typenbezeichnung 600 gaukelt sechs Liter Hubraum vor, tatsächlich sind es aber "nur" 4969 Kubikzentimeter. Zusammen mit dem Elektromotor ergibt sich die Gesamtleistung von 445 Pferdestärken. Das elektrische Kraftpaket sitzt unter der Mittelkonsole, ein stufenloses Automatikgetriebe sorgt für die Kraftübertragung. Ein mechanischer Allradantrieb mit Torsen-Differenzial verteilt im Normalzustand 60 Prozent der Antriebskraft auf die Hinterachse.

Während die 520 Newtonmeter Drehmoment des V8 erst bei 4000 Umdrehungen zur Verfügung stehen, stellt der Elektromotor schon aus dem Stand sein Drehmoment von 300 Newtonmetern bereit. Die Lexus-Ingenieure haben eifrig am ausgefeilten Kühlsystem für die elektrischen Komponenten gebastelt, damit diese Leistung möglich wurde. Man kann den Lexus-Kreuzer sogar rein elektrisch bewegen – theoretisch. Mit der „EV“ („electric vehicle“)-Taste am Armaturenbrett lässt sich der Wagen in den reinen Elektromodus schalten, wenn die Batterie genügend Saft hat. Das funktioniert aber nur bis 47 Km/h und über eine Strecke von rund zwei Kilometern. Sobald man das Gaspedal mehr als nur streichelt, deaktiviert sich der EV-Modus automatisch. Im hektischen Großstadtverkehr ist der Traum vom reinen Stromer schnell ausgeträumt.

Aber auch im normalen Hybridbetrieb knausert der Japaner mit dem Sprit. Bei unseren Testfahrten lag der Durchschnittsverbrauch im reinen Stadtverkehr bei 13 bis 15 Litern, bei extrem schonender Fahrweise und wenig Verkehr war ein Verbrauch von unter 11 Litern möglich. Außerorts und bei flotterer Fahrweise muss der V8 natürlich oft ran - aber ein Verbrauch von 8 bis 10 Litern bei einer 2,5 Tonnen schweren und 445 PS starken Luxuslimousine kann sich sehen lassen.

Ein dicker Pferdefuß dabei ist das Fassungsvermögen des Gepäckabteils. Das ist nämlich im Vergleich zum LS 460 auf in dieser Fahrzeugklasse äußerst dürftige 325 Liter geschrumpft. Schuld sind die dicken Batterie-Pakete samt Kühlsystem hinter den Rücksitzen. Auch die Zuladung reicht für eine Reise zu viert plus Gepäck kaum aus: Beim LS 600h L in Vollausstattung sind gerade mal 245 Kilogramm drin. Für die wichtigste Zielgruppe dieses Wagens – Chefs plus Chauffeur und ein paar Aktenkoffer – fallen diese Einschränkungen vielleicht nicht so ins Gewicht.

Bliebe noch der Preis. Wer sich einen luxus Lexus leisten kann, spricht nicht über Geld. Er hat es. Und zwar mindestens 99850 Euro (LS 600h). Die Langversion mit dem "Wellness"-Paket inklusive hinteren Massage-Sitzen und fürstlichem Fußraum schlägt mit 133100 Euro zu Buche, wenn man noch Metalliclack, die adaptive Geschwindigkeitsregelung sowie die volle Sicherheits-Dröhnung mit Infrarot-Hinderniserkennung, Gesichtsfeldmonitor und Notfall-Lenkassistent bestellt. Teurer kann der Hybrid-Riese dann aber nicht mehr werden.
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Quelle: Autoplenum, 2008-01-28

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