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Testbericht

Jürgen Wolff, 28. August 2008
Honda bringt eine neue Generation Jazz auf die Bühne - und man muss schon genau hinschauen, um die Unterschiede zu erkenne. Bis man einsteigt: Dann eröffnen sich ungeahnte Dimensionen im Kleinwagensegment.

Honda Deutschland-Sprecher Alexander Heintzel versichert hoch und heilig: "Auch wenn er auf den ersten Blick fast genau so aussieht wie sein Vorgänger - das ist kein einfaches Facelift sondern die neue, dritte Generation des Honda Jazz." Und Chefdesigner Makoto Iwaki bestätigt: "Nahezu kein Teil ist identisch - Evolution statt Revolution lautet unser Credo." Wohl wahr: Man muss denn auch schon ganz genau hinschauen, wenn man von außen wenigstens ein paar Unterschiede feststellen will. Die LED-Rückleuchten etwa gehören dazu - echt und nicht per Plastikschliff nur vorgetäuscht wie bei den meisten Konkurrenten in dieser Fahrzeugklasse. Der Rest der Veränderungen fällt weniger beim Hinsehen denn in ihrer Wirkung auf. Die etwa dreimal so großen Dreiecksfenster und die schmaleren A-Säulen etwa. Sie fallen so richtig erst auf, wenn man auf dem Fahrersitz Platz genommen hat und die bessere Rundumsicht registriert.

Wenig augenfällig aber sehr effektiv auch die Wachstumsrate des neuen Jazz. Er bleibt mit 3,9 Metern Länge zwar immer noch unter der Vier-Meter-Grenze für Kleinwagen, hat aber dennoch gut zugelegt: In der Länge um 55 und in der Breite um 20 auf jetzt 1695 mm. Das und die Verlängerung des Radstandes um 45 sowie der Spurweite um vorne 35 und hinten 30 mm kommt ausschließlich dem Innenraum und somit den Passagieren zugute. Denn der Platz im neuen Jazz ist für diese Klasse schon gewaltig.

Wer vorne Platz nimmt genießt rundum Lufthoheit: Viel Platz zum Beifahrer, üppige Kopffreiheit und eine Kombination aus Sitz, Lenkrad und Pedalerie, die sich vielfältig aufeinander einstellen lässt. Die Sitze selbst sind bequem körpergerecht geformt, selbst in engen schnellen Kurven bieten sie ausgezeichneten Seitenhalt. Hinten sieht es nicht anders aus. Statt der von Honda angegebenen drei sollte man es zwar besser mit höchstens zwei Passagieren im Heck versuchen - aber die haben reichlich Platz. Die Kniefreiheit ist selbst bei ganz zurück geschobenen Vordersitzen auch auf langen Fahrten bequem. Und zumindest für Passagiere unter 1,8 Meter Körpergröße geht auch die Kopffreiheit in Ordnung. Der Tank ist wie beim Jazz üblich unter den Vordersitzen montiert - das schafft hinten zusätzlichen Platz. Der Innenraum selbst ist ebenso funktional wie wertig ausgestattet. Die Materialien sind sauber verbaut und haben eine angenehm anzufassende Oberfläche. Eine Klimaanlage ist ebenso wie die Funktionstasten im Lenkrad oder zehn Dosenhalter bereits im Basismodell Serie, ansonsten lassen sich quer durch alle Ausstattungsstufen reichlich angenehme Extras ordern. Die Audio-Anlage etwa regelt die Lautstärke selbstständig entsprechend der Geschwindigkeit, iPod- und USB-Anschluss sind ebenso verfügbar wie wahlweise ein integriertes oder ein auf dem Armaturenbrett montiertes mobiles Navi. In den höheren Ausstattungsreihen gibt es selbst ein Panoramadach mit elektrisch bedienbarem Rollo, ein gekühltes Handschuhfach oder eine Bluetooth fähige Freisprechanlage für Handys.

Was den Jazz zur Kaufempfehlung macht ist jedoch vor allem das schier unerschöpfliche und höchst variable Raumangebot. Beispiel Rücksitze. Ihre Flächen lassen sich zum Beispiel mit einem Handgriff hochklappen und einrasten. Damit geben sie nicht nur den Zugriff auf ein kleines Geheimfach frei sondern schaffen auch einen zweiten Laderaum - Fahrräder mit abmontiertem Vorderreifen lassen sich hier quer ebenso reinschieben wie üppige Topfpflanzen in der Höhe. Klappt man dagegen - ebenso einfach - die im Verhältnis 60:40 geteilten Sitze vor, so entsteht eine ebene Ladefläche, die einem Audi A4 Avant zur Ehre gereichen würde. Drei komplett montierte 26" Moutainbikes lassen sich hier unterbringen - oder, versichert Heintzel, bis zu 28 Getränkekisten. Wer die Lehne des Beifahrersitzes umklappt, kann sogar Ladung bis 2,4 Meter Länge mitnehmen - das reicht satt für einen Satz Ikea-Regale. Ein kleiner Van also, dieser Honda Jazz. Schon bei ganz normaler Bestuhlung schafft der reguläre Kofferraum 428 Liter - fast doppelt so viel wie ein VW Golf und nur ein paar Liter weniger als eine Mercedes A-Klasse. Allerdings weiß Honda beim Jazz viel mehr mit dem Platz anzufangen. Unter dem Ladeboden findet sich statt des Reservereifens ein 64 Liter fassendes und 23 cm tiefes Staufach etwa für Sportzeug oder nasse Gegenstände. Der Ladeboden lässt sich allerdings auch hochklappen und unterteilt dann den Kofferraum horizontal - mit einem Gepäcknetz in der Mitte, in dem sich kleine Einkäufe narrensicher und stabil selbst bei flotter Kurvenfahrt verstauen lassen.

Beim Fahren selbst zeigt sich der Jazz dann eher wieder als durchschnittlicher Vertreter seiner Klasse. Nach wie vor gibt es ihn nur mit einer Auswahl von zwei - allerdings neuen - Benzinmotoren, die zudem noch in ihrer Leistung eng beisammen liegen. Ein Diesel ist nicht geplant, über einen Hybrid für den Jazz denke man bei Honda ernsthaft nach, sagt Alexander Heintzel. Bis dahin müssen der 1,2-Liter-Motor mit 66 kW/90 PS und der 1,4-Liter-Motor mit 73 kW/100 PS reichen. Beide machen den Jazz nicht wirklich flott - aber allemal alltagstauglich. Die bessere Wahl ist die 1.4-Liter-Maschine. Durchaus kultiviert und geräuscharm treibt sie den Jazz binnen 11,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 182 km/h. Die 5-Gang-Handschaltung (gegen Aufpreis gibt es auch eine 6-Stufen-Automatik) arbeitet präzise und gut abgestimmt - was man von der Lenkung auch in der neuen Generation leider nicht sagen kann: Sie ist zu leichtgängig, dadurch nur in Maßen präzise und vermittelt wenig Gefühl zur Fahrbahn. Scheibenbremsen rundum gehören ebenso zur Serienausstattung wie ESP- Längst vorbei sind die Zeiten, als es im Kleinwagensegment nur nach dem Motto "Geiz ist geil" ging. Heute tummeln sich hier nicht nur Kunden mit klammer Brieftasche sondern auch "Downsizer", die bislang eine Fahrzeugklasse höher unterwegs waren und nun ein kleineres, verbrauchsgünstigeres und wendigeres Fahrzeug für die Stadt suchen, ohne aber auf den liebgewordenen Komfort verzichten zu wollen. Ein knapp kalkulierter Kaufpreis ist dann nicht mehr ganz so wichtig. Hondas Upgrade-Programm hat denn auch seinen Preis: Der Basis-Jazz mit 1,2-Liter-Motor ist ab November schon für 12.550 Euro zu haben. Die Topversion 1.4 Exclusive allerdings kommt auf satte 18.850 Euro - und lässt sich schon alleine mit Metalliclack und i-Shift-Automatik problemlos über 20.000 Euro lupfen. Klein kann heute ganz schön teuer sein.

Quelle: Autoplenum, 2008-08-28

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