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Testbericht

Stefan Grundhoff, 2. Januar 2021
Mini und britisch? Das war einmal. Seit mehr als 20 Jahren ist die Trendmarke fest in bayrischer Hand. Nachdem sich BMW von Rover und Land Rover zum Jahrtausendwechsel trennte, verblieb Mini im Münchner Portfolio. Die erste Mini-Generation war der Sprung in eine neue Ära.

Einer der größten Fehlgriffe der Unternehmensgeschichte von BMW war die Übernahme von Rover. BMW wollte sich Anfang der 1990er Jahre in größere Volumina aufschwingen und hatte sich aus welchen Gründen auch immer 1994 für die britische Automarke Austin Rover entschieden. Die alles andere als starken Briten waren mit alter Technik, historischen Fertigungsanlagen und wenig überzeugenden Fahrzeugen trotz des britischen Charmes und BMW-Investitionen von mehreren Milliarden Euro nicht auf stabile Räder zu bekommen. Land Rover verkauften die Münchner daraufhin zu Ford, Rover fiel zurück an eine Investorengruppe und allein Mini verblieb bei BMW. Die Kleinwagenmarke sollte mittelfristig die Flottenverbräuche senken und für den Premiumautobauer neue - speziell jüngere - Kundengruppen erschließen. Das Erstlingswerk des Mini mit der internen Bezeichnung R50 war ein gewaltiger Schritt. Das einst so knuffige Mini-Design, von Sir Alec Issigonis in den 1950er Jahren ersonnen, wurde allemal mutig in die automobile Neuzeit transferiert.

Auch 20 Jahre nach seinem Neustart ist der Mini ein modernes Auto und mehr als die meisten anderen Modelle ein Zeuge seiner Zeit. Das Design kann sich mit seinen rundlichen Formen und deutlichen Anlehnungen an den allerdings viel kleineren Ur-Mini sehen lassen. Im Innenraum gibt es bequemen Platz für zwei Personen vorn und im Fond können weitere zwei Personen mit überschaubaren Körperwuchs Platz nehmen. Innen wie außen bot das Design eine Mischung aus gestern und heute - mit Blick auf das damalige morgen.

Beim Antrieb mussten die Münchner tricksen, denn das prall gefüllte bayrische Motorenregal hatte nichts zu bieten, was in den als Fronttriebler konzipierten Mini gepasst hätte. Damals mieden die Münchner Frontantrieb wie der Teufel das Wasser und auch einen Vierzylinder sah man allenfalls als Notlösung für die kleinen Einstiegmodelle von 3er und 5er BMW an. Auf der Suche nach Motoren wurde man nach einigem hin und her in Südamerika fündig. Die Benziner holte man sich von Tritec / Chrysler aus Brasilien und die späteren Dieselaggregate stammten von Toyota. Beides Hersteller, die im BMW-Sinne nicht gerade für grandiose Motorenbaukunst bekannt waren. Doch man wollte haltbare Triebwerke mit vier Zylindern, die man quer über der Vorderachse einbauen konnte.

Die Idealbesetzung ist bis in die heutige Zeit hinein der Mini als sportliche Cooper-S-Variante. Der Cooper als Normalmodell bot etwas mehr Elan als der etwas zähe Mini One, der mit seinen 66 kW / 90 PS einzig als günstiges Einsteigermodell gedacht war. Bei den automobilaffinen Herren war der Mini schon wegen seines knuffig-charmanten Aussehens oftmals verpönt. Für die meist jungen Damen hinter dem Steuer war der Mini Cooper mit seinen 85 kW / 115 PS / 150 Nm allemal genug, um einen coolen Auftritt zu garantieren. Aus dem Stand geht es in unter zehn Sekunden auf Tepo 100 und auf der Autobahn schafft der Bayern-Brite 200 km/h. Besonders beliebt waren von dem coolen Cityflitzer aus Oxford bunte Modelle wie der uni-gelbe Flitzer mit dem schwarzen Kontrastdach. Das passt sich stimmig an A-, B- und C-Säule sowie die schwarzen Spiegelkappen und die Radhausverbreiterungen an.

Zum klassischen Auftritt gehören neben dem Kontrastdach die Chromelemente an Stoßstangen, Schürzen, Scheinwerferumrandungen und dem einzelnen Auspuffendtopf, der den 115 PS starken Cooper vom deutlich kräftigeren Cooper S mit zunächst 163 und später 170 PS unterscheidet. Der Mini Cooper S hatte in seiner ersten Generation ebenfalls einen 1,6 Liter großen Vierzylinder, dem durch einen Kompressor jedoch Flügel verliehen wurden. Der normale Mini Cooper muss mit nennenswert weniger Leistung auskommen. Dafür verzichtet das Triebwerk auf das kompressortypische Jaulen gerade unter Last und die 115 PS reichen allemal, um flott unterwegs zu sein. Zudem war der Durst des Cooper nicht ganz so üppig wie der des Mini Cooper S. Sparsamer waren allein die Diesel oder die zweite Motorengeneration, die von PSA stammte. Was de R50 als Cooper fehlt, ist ein Sechsganggetriebe, denn der Mini Cooper muss mit fünf Fahrstufen auskommen. Die lassen sich sportlich schalten, wenngleich die Schaltwege kürzer sein könnten.

Allen Mini-Modellen der Ursprungsgeneration R50 gemein ist das sprichwörtliche Gokart-Gefühl, denn bei einer Länge von 3,64 Metern bietet auch die Neuauflage des Mini Mitte des Jahres 2001 vier Räder an den Ecken der Plattform, die für viel Raum im Innern, einen maximalen Radstand und geringe Karosserieüberhänge sorgen. Die für die Klasse niedrige Sitzposition ist angenehm und die Stoffsitze sind in einem guten Zustand. Das gilt auch für das griffige Lederlenkrad, das eine gute Rückmeldung von der Fahrbahn gibt. Auch mit der vergleichsweise überschaubaren Motorleistung macht der Mini Cooper jede Menge Laune, zieht flott los und hat selbst in schnell gefahrenen Kurven kaum Seitenneigung. Die spürbaren Antriebskräfte in der Lenkung sind ungewöhnlich für ein Auto, das aus dem Hause BMW stammt, doch man gewöhnt sich daran. Bei den stärkeren Modellen Mini Cooper S oder gar dem 218 PS starken Sportversion John Cooper Works sieht das schon anders aus. Da nerven die Antriebskräfte des Frontkratzers mehr.

Der Retrocharme im Innern ist und bleibt Geschmacksache, kam bei den meisten Kundinnen jedoch gut an. Hinter dem Steuer gibt es allein einen Drehzahlmesser und eine kleine Digitalanzeige. Tacho, Tankanzeige, Motortemperatur und Kontrollleuchten sind mittig in der Armaturentafel positioniert - in einem historisch anmutenden Zentralinstrument. Eine Reminiszenz an den klassischen Mini, doch praktisch und übersichtlich ist anders. Schon schicker ist die zentral darunter positionierte Radio- und Klimabedienung sowie die Schalterleiste, die die Minifans stolz \"Togglebar\" nennen. Hier werden Fensterheber, Antischlupfregelung, später auch ESP, sowie Zentralverriegelung und Nebelscheinwerfer über Kippschalter bedient. Mit einer entsprechend guten Ausstattung gibt es in dem kleinen Mini Cooper Details wie Sitzheizung, sportliche Ledersitze oder ein mächtiges Panoramadach. Anfang der 2000er Jahre setzte der Mini gerade auch in der Individualisierung Maßstäbe - auch weil die BMW-Verantwortlichen von Beginn an das Marketing in den Vordergrund stellten. So gab es besonders beliebte Sondermodelle, begehrte Ausstattungspakete und andere Karosserievarianten wie das Mini Cabrio mit dem hässlichen, aber charaktervollen Überschlaggeweih. In der zweiten Generation folgte neben dem dreitürigen Hatch der Generation R56 erneut ein Cabrio sowie unter anderem den Clubman mit einer Tür links, zwei rechts und zwei hinten.

Das Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist riesig. Ein gut ausgestatteter Mini Cooper aus den frühen 200er Jahren mit weniger als 120.000 Kilometern und guter Ausstattung kostet weniger als 3.500 Euro. Auch wenn die Oberflächen im Innenraum seinerzeit zurecht häufig kritisiert wurden, so ist die langfristige Qualität ordentlich und die Rostprobleme am Mini der Generation R50 sind überschaubar. Wichtiger als bei anderen Fahrzeugen ist die entsprechende Ausstattung. Klimaautomatik, Leder- oder Teilledersitze, Xenonlicht, Sitzheizung, mindestens 17-Zöller und Panoramadach sollten es schon sein. Dann steht dem Fahrspaß mit der ersten Mini-Generation der BMW-Neuzeit nichts mehr im Wege.

Quelle: Autoplenum, 2021-01-02

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