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Testbericht

Benjamin Bessinger/SP-X, 31. März 2010

Über kein anderes US-Fahrzeug ist zuletzt so viel geschrieben worden wie über den Chevrolet Volt. Schließlich soll der Stromer mit dem eingebauten Kraftwerk nicht nur General Motors retten, sondern gleich auch noch das Auto neu erfinden und die Benzinvorräte bis in alle Ewigkeit strecken.

Das ist vielleicht ein bisschen viel verlangt, zumal der Rekordverbrauch von 1,6 Litern nur für die ersten 100 Kilometer gilt und nur bei vollem Akku erzielt werden kann. Aber einer kleinen Revolution kommt der Star aus Detroit tatsächlich gleich. Immerhin will er das erste Elektroauto sein, bei dem niemand mehr Angst vor dem Ende der Reichweite hat, selbst wenn seine Lithium-Ionen-Akkus nach etwa 60 Kilometern leer sind. Dann nämlich produziert der Volt seinen Strom einfach selbst. „Range Extender“ heißt das Zauberwort, das die 4,40 Meter lange Fließheck-Limousine zum Zwitter zwischen Elektro- und Hybridfahrzeug macht. Es steht für einen kleinen Benzinmotor, der im Ernstfall einen Generator antreibt und so den Strom für weitere 400 Kilometer erzeugt.

In der Theorie ist das Prinzip mittlerweile hinlänglich bekannt, weil die Amerikaner seit drei Jahren über kaum mehr etwas anderes reden. Doch ein dreiviertel Jahr vor dem Verkaufsstart in den USA und etwa 18 Monate bevor sowohl der Volt als auch der baugleiche Opel Ampera nach Europa kommen, hat General Motors erstmals zu einer kurzen Testfahrt geladen und damit die Tür zur Praxis immerhin einen Spalt weit geöffnet. Denn viel mehr als 600 Meter muten die Ingenieure ihrem Hoffnungsträger zumindest in der Hand von Externen noch nicht zu.

Schon bei der ersten Sitzprobe überrascht der Volt. Sieht man einmal von der bescheidenen Kopffreiheit im Fond ab, ist er nicht nur vergleichsweise geräumig, sondern vor allem ist er für einen Chevrolet ausgesprochen liebevoll und hochwertig ausgeschlagen: Umgeben von Konsolen mit integrierten Sensortasten und riesigen Monitoren, auf denen es bunter flimmert als auf einem iPhone, fühlt man sich am Steuer wie Captain Future. Ein Eindruck, den auch der gewaltige Schaltknüppel auf dem hohen Mitteltunnel stützt – dabei muss man damit nur noch die Wahl zwischen vorwärts und rückwärts treffen. Schließlich fahren Elektroautos nur in einem Gang.

Obwohl an Bord alles neu ist und kein einziger Schalter aus irgendeinem anderen Chevrolet übernommen wurde, fühlt man sich an Bord des Volt auf Anhieb zu Hause. „Dieses Auto darf dem Fahrer keine Rätsel aufgeben, sonst haben wir schon vor dem Start verloren“, hatte Chefentwickler Frank Weber gemahnt und sein Versprechen eingelöst: Einfach den Startknopf drücken, den Wählhebel auf D stellen und Gas, Verzeihung: Strom, geben – schon fährt der Volt los. Einfacher kann man es dem Kunden kaum machen.
Wie jeder Stromer surrt daraufhin auch der Volt sanft und seidig davon und fährt flüsterleise in die Zukunft. Während der Wagen langsam Fahrt aufnimmt, hört man nur das Pfeifen des Windes und das Surren der Reifen – oder ein elektronisches Geschnatter. Das nämlich haben die Entwickler eigens als Warnung programmiert, damit Passanten dem akustischen Tarnkappenbomber nicht vor die Stoßstange tölpeln.

Dabei fährt der Volt flott, aber alles andere als sportlich. Mit Blick auf die Reichweite haben die Entwickler den Antrieb elektronisch gedrosselt. Und so ganz können sie die geschätzten zehn Zentner Übergewicht für den Batteriepack nicht wegdiskutieren. Für eilige Fälle allerdings gibt es einen Dynamic-Mode ohne Drosselung: Dann nutzt der Viertürer die vollen 110 kW/150 PS und geht mit seinen 370 Nm so heftig zu Werke, dass sogar ein bisschen die Reifen quietschen, wie sonst bei Camaro oder Corvette. Lohn der Mühe sind ein Sprintwert von etwa neun Sekunden und ein Spitzentempo, das mit 160 km/h weit jenseits dessen liegt, was in Amerika auf öffentlichen Straßen erlaubt ist.
Treibt man dieses Spiel etwas häufiger, geht die Reichweitenanzeige trotz regenerativer Motorbremse relativ schnell in den Keller. Während bei jedem anderen E-Auto der Zwangstopp an der Steckdose drohen würde, bleibt Entwicklungsingenieur Trent Warnke dabei ganz gelassen und vertraut auf den Range Extender, von dem bei dieser Testfahrt allerdings nichts zu hören und zu spüren ist. Denn um den Akku wirklich leer zu fahren, ist die vorgegebene Strecke viel zu kurz. „Das haben Sie mit den meisten Kunden gemein“, tröstet Warnke über die Enttäuschung hinweg: Weil die durchschnittliche Tagesstrecke in Amerika wie in Europa weit unter den 60 Kilometern rein elektrischer Reichweite liegt, werden sie den Verbrenner wohl allenfalls am Wochenende auf dem Weg zur Schwiegermutter oder bei der Urlaubsreise brauchen.

Selbst dann allerdings kann man mit dem Volt eher sein Gewissen als seine Brieftasche entlasten. Zwar rechnen die Amerikaner vor, dass eine Akkuladung weniger kostet als eine Flasche Mineralwasser und man künftig pro Meile nur noch zwei Cent bezahlen muss. Doch wird der Volt schon nach Abzug der 7.500 Dollar Öko-Prämie wohl zwischen 35.000 und 40.000 Dollar kosten und damit doppelt so teuer sein, wie ein konventionelles Auto seines Formats. Da muss man viel fahren, bevor man sparen kann.

Zwar sind die Amerikaner felsenfest von ihrer Idee überzeugt und beginnen in diesen Tagen mit der Vorserienproduktion, damit Ende des Jahres tatsächlich die Markteinführung starten kann. Doch auf ewig wird es wohl auch der Volt alleine nicht reißen können. Deshalb arbeitet GM längst an einer neuen Generation von Fahrzeugen, deren ersten Vorboten jetzt bald auf der Weltausstellung in Shanghai zu sehen sind: Sie sind ebenfalls elektrisch angetrieben, fahren nur noch auf einer Achse und wenn’s sein muss ohne Fahrer, brauchen weniger Platz als eine Telefonzelle und sehen in ihrem Osterei-Design so futuristisch aus, dass daneben der Volt fast schon so altbacken wirkt wie ein Oldtimer – so schnell können sich die Zeiten ändern. SP-X Benjamin Bessinger

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Chevrolet Volt – Technische Daten:
Viertürige Fließhecklimousine der Kompaktklasse, Elektromotor mit Reichweitenverlängerer, 110 kW/150 PS, max. Drehmoment: 370 Nm, 0-100 km/h: 9,0 s, V-max: 160 km/h, Verbrauch: 1,6 Liter, Preis: voraussichtlich ca. 40 000 Euro

Kurzcharakteristik Chevrolet Volt:
Alternative zu: Toyota Prius, Honda Insight, VW Golf Blue Motion und all den kleinen Elektroautos, die angeblich bald auf den Markt kommen sollen.

Passt zu: Techno-Avantgardisten und Hardcore-Ökos

Sieht gut aus: vor der Greenpeace-Zentrale, dem Umweltministerium und dem Firmensitz von Google oder Apple

Was kommt noch: der baugleiche Opel Ampera

SP-X/New York. Über kein anderes US-Fahrzeug ist zuletzt so viel geschrieben worden wie über den Chevrolet Volt. Schließlich soll der Stromer mit dem eingebauten Kraftwerk nicht nur General Motors retten, sondern gleich auch noch das Auto neu erfinden und die Benzinvorräte bis in alle Ewigkeit strecken.

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Fazit
SP-X/New York. Über kein anderes US-Fahrzeug ist zuletzt so viel geschrieben worden wie über den Chevrolet Volt. Schließlich soll der Stromer mit dem eingebauten Kraftwerk nicht nur General Motors retten, sondern gleich auch noch das Auto neu erfinden und die Benzinvorräte bis in alle Ewigkeit strecken.

Quelle: Autoplenum, 2010-03-31

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