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Testbericht

Sebastian Viehmann, 13. Juli 2011
Vor 25 Jahren starb der Autodesigner Elwood Engel. Er schuf Ikonen wie den 61er Lincoln Continental oder das Chrysler Turbine Car - und Flossen mochte er gar nicht leiden.

Ende der 50er Jahre trug man in Detroit den Chrom mit der sprichwörtlichen Kelle auf. Dicke Schlitten mit mächtigen Heckflossen und allerlei Raketen-Zierrat wurden zum Symbol einer automobilen Überfluss-Gesellschaft. In den 60er Jahren folgte der radikale Schnitt: Amerikas Straßenkreuzer wurden zwar nur selten kleiner, aber fast durchgehend nüchterner, gerader, kantiger. Eines der schönsten Beispiele dafür bietet der 61er Lincoln Continental. Das Flaggschiff aus Fords Luxus-Sparte ist bis heute eine Ikone des Automobilbaus und stammt aus der Feder des Designers Elwood Engel. Engel, der im Zweiten Weltkrieg als Kartograph bei der US-Armee eingesetzt war, lernte sein künstlerisches Handwerk an der Designschule von General Motors. Er gestaltete zu Beginn seiner Karriere aber keine Autos, sondern landwirtschaftliche Maschinen. Auch Haushaltsgeräte wie Wecker, Küchenutensilien oder sogar Frauenschuhe ersann Engel am Zeichenbrett.

Durch seine Freundschaft mit dem Industriedesigner George Walker schaffte Engel den Sprung in die Auto-Liga, als Walker einen Auftrag des Ford-Konzerns an Land zog und schließlich zum Vizepräsidenten für Design ernannt wurde. Engel entwickelte den 61er Lincoln Continental aus dem eckigen 58er Ford Thunderbird, den er ebenfalls entworfen hatte. Das Auto wurde so erfolgreich, dass der Ford-Konzern die Marke Lincoln nicht wie ursprünglich geplant nach 1960 einstellte. Die ruhigen, eleganten Formen und die „Selbstmördertüren“ waren die Markenzeichen des 5,4 Meter langen Luxus-Lincolns, der 1963 auch durch ein tragisches Ereignis weltbekannt wurde: US-Präsident John F. Kennedy wurde während seiner Wahlkampftour durch Dallas im offenen Wagen erschossen. Erst nach dem Attentat ließ man das Auto mit einer gepanzerten Haube nachrüsten, heute steht Kennedys Lincoln im Henry Ford-Museum in Detroit.

1961 wechselte Elwood Engel von Ford zu Chrysler und wurde dort Chefstylist. Engel ersetzte Virgil Exner, dessen extrovertierte Flossen-Monster das Design des Autoriesen in der „Forward Look“-Ära jahrelang geprägt hatten. Der 57er Chrysler 300 C zum Beispiel ging auf Exners Konto. Elwood Engel musste in den 60ern nun den Gegenkurs umsetzen. Ab 1962 war die „Forward Look“-Ära beendet, Chrysler hatte eine klare, nüchterne Designsprache beschlossen. Unter Engels Ägide entstanden in den 60er Jahren Schlachtschiffe wie der Plymouth Fury, kantige Kompaktwagen wie der Dodge Dart oder wuchtige Coupés wie der Dodge Polara 500.

Engel hatte auch das letzte Wort bei der Gestaltung der berühmten Muscle Cars Dodge Charger, Dodge Challenger und Plymouth Barracuda. „Get hot!“ gab Engel seinen Leuten am Reißbrett mit auf den Weg. Das Ergebnis enttäuschte nicht: Gegen den Barracuda sahen Ford Mustang, Chevrolet Camaro oder Pontiac Firebird ziemlich alt aus. Mit ellenlanger Motorhaube und kurzem Heck flossen die Formen des Wagens harmonisch von Stoßstange zu Stoßstange, durch versenkte Türgriffe und Scheibenwischer vermieden die Designer jeden störenden Einfluss auf den aerodynamischen Gesamteindruck.

Elwood Engel war dafür bekannt, „alle Ecken eines Autos auszufüllen“ – entsprechend imposant fielen die Autos des Chrysler-Konzerns in den späten 60er und frühen 70er Jahren aus. Auch wenn Engel nicht mehr selbst zum Zeichenstift griff, hatte er ein ausgezeichnetes Gespür dafür, welches Design beim Publikum ankam und welches nicht. Er legte bei den Tonmodellen gern für den letzten Schliff selbst Hand an. Chrysler Verkaufserfolge sprachen für ihn. Engel war bis 1973 Chryslers Designchef und blieb dem Konzern noch ein Jahr als Berater erhalten. Er starb 1986.

Sein vielleicht interessantestes, wenn auch kommerziell nicht erfolgreiches Projekt war das Chrysler Turbine Car von 1963. Der Wagen wurde von einer Gasturbine angetrieben. Mit mehr als 45.000 Umdrehungen pro Minute und einem vibrationsarmen Lauf war dieser Antrieb im Land der bollernden V8-Maschinen extrem ungewöhnlich. Manche der 203 Testpersonen, die unter gewöhnlichen Autofahrern ausgelost wurden und das Turbine Car erproben durften, fühlten sich gar an einen Staubsauger erinnert. Trotz des weitgehend erfolgreichen Testverlaufs und vieler weiterer Forschungen baute Chrysler das Gasturbinenauto nie in Großserie.

Das Turbine Car wurde aber nicht nur wegen seiner einzigartigen Technik legendär, sondern ebenso wegen des zeitlos eleganten Designs. Der im Farbton „Turbine Bronze“ lackierte Wagen mit schwarzem Hardtop erinnerte stark an die Ford Thunderbirds, die Elwood Engel bei Ford geschaffen hatte. Auch wenn es das Turbinen-Coupé nicht in die Serienproduktion schaffte, so lebten doch einige Gestaltungselemente in Dodge-Modellen der 60er Jahre weiter.
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Quelle: Autoplenum, 2011-07-13

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