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Testbericht

Sebastian Viehmann, 8. Juni 2012
Ein französischer Student durchquert sein Heimatland mit einem Batterie-Roller - 3500 km in vier Wochen, mit einem Budget von 10 Euro pro Tag. Vianney Bureau wird so zum Botschafter der Elektromobilität, immer auf der Suche nach der nächsten Steckdose.

Es ist stockdunkel und Vianney Bureau ist durchnässt bis auf die Knochen. Seit 35 Kilometern kämpft er sich im Regen über die Straße, die Hände sind klamm, das monotone Surren seines Elektrorollers ist sein steter Begleiter. Jetzt ein warmes Bett und etwas Feines zu Essen, das wäre schön - doch Vianney hält eisern durch. Schließlich steht er erst am Anfang seiner 3500 km-Tour durch Frankreich.

Zu allem Überfluss geht auch noch der Akku zur Neige, die erste Panne auf der Reise. Vianney schiebt seinen Roller einen Kilometer weit, bis ihn eine nette Familie zum Essen einlädt. "Das waren definitiv die schönsten Stunden des Tages", schreibt Vianney auf seiner Facebook-Seite - und fällt todmüde ins Bett. Am nächsten Tag muss er Kilometer 386 seiner Tour erreichen und nicht zu spät in Le Mans ankommen. Immerhin ist die Frage der Unterkunft diesmal geklärt. Ein Freund der Familie, Polizist von Beruf, will ihm auf einer Polizeiwache Unterschlupf gewähren. Eine Steckdose wird sich dann sicher auch finden.

Seit dem 1. Juni surrt der französische BWL-Student Vianney Bureau mit seinem Elektroroller durch Frankreich - ohne Emissionen und mit der festen Überzeugung, die Langstreckentauglichkeit von elektrischen Zweirädern unter Beweis zu stellen. Ausgangs- und Zielpunkt der Reise ist Paris. Die 3500 km will der 21-Jährige in einem Monat zurücklegen, mit einem Budget von 10 Euro am Tag. Unterstützt wird der junge Mann von der Firma GOVECS aus München, sie lieh Vianney für die Tour einen Elektroroller vom Typ GOVECS GO! 2.4. Pro Batterieladung kann der Scooter bis zu 100 Kilometer zurücklegen, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h.

Vianney schläft meistens im Freien. Außer seinem Schlafsack, einer Regenjacke, einer Abdeckung für seinen Elektroroller und ein bisschen Werkzeug hat er kaum etwas dabei. Jeden Tag sieht er sich vor allem mit einer Herausforderung konfrontiert: Wo lädt er seinen elektrischen Scooter auf? 120 km muss er im Schnitt jeden Tag zurücklegen und zwei Ladepausen einplanen. Vor allem wenn die Strecke bergauf führt, schrumpft die Batteriereichweite des Rollers schnell.

Irgendeine Strom-Zapfstelle findet sich immer, doch schon am vierten Tag bekommt Vianney die erste Abfuhr. "Sie zahlen ja nicht einmal dafür", keift ihn eine Dame in Oudon an, als er um Strom für eineinhalb Stunden bittet. Meistens aber erfährt der französische Student Unterstützung, Menschen laden ihn zum Essen ein und spendieren ihm Saft für seinen Roller, den Vianney liebevoll "Gogo" nennt. So war er nach anfänglichem Misstrauen auch bei einer Bauersfamilie willkommen, die ihm frischen Salat und Gemüse vorsetzte, während der Roller an der Steckdose hin. Die Energie reichte für 105 km bis nach Bellac.

Auf seiner Facebook-Seite hält Vianney Freunde und Bekannte auf dem Laufenden und erntet anerkennende Kommentare. Die kann er auch brauchen, denn bis zum Zieleinlauf in Paris, der am 2. Juli geplant ist, liegt noch reichlich Wegstrecke vor ihm. Unter anderem stehen Bordeaux, Toulouse, Montpellier, Aix-en-Provence, Cannes, Nizza, Monaco und Lyon auf dem Reiseplan. Vorgesehen sind außerdem Stopps im italienischen Turin und in Genf.
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Quelle: Autoplenum, 2012-06-08

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