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Testbericht

Stefan Grundhoff, 16. September 2015
Nachdem sich kaum ein Kunde für elektrische Ökomodelle wie einen BMW i3, die Mercedes B-Klasse ed oder den Nissan Leaf interessiert, springen einige Hersteller auf den leistungsstarken Tesla-Zug auf.

Denn wer sich auf der IAA 2015 die wenigen Studien wie den Porsche Mission E, das Audi e-tron quattro Concept oder gar den spektakulären Thunder Power anschaut sieht, dass die Zeiten elektrischer Enthaltsamkeit vorbei zu sein scheinen. Während an fast jedem Messestand Plug-In-Hybriden im Scheinwerferlicht strahlen, gibt es kaum mehr als eine Handvoll neuer Elektroautos. Die wenigen, die surrend auf die Bühnen fahren, gehen jedoch in die Vollen. Hier regiert mehr denn je das Prinzip Tesla. Unansehnliche Öko-Fahrzeuge als visueller Ausdruck automobiler Enthaltsamkeit haben keine Chance beim Kunden. Das zeigen die verheerenden Zulassungszahlen in all jenen Staaten, wo keine fetten Kaufsubventionen vom Staat locken. Da Ökoautos nicht laufen, sollen es auf der IAA elektrische Sportskanonen richten.

Die viersitzige Porsche-Studie des Mission E in strahlendem Zahnarzt-weiß will der staunenden Konkurrenz mit 441 kW / 600 PS und eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern fahrdynamisch um die Ohren fegen. Noch spektakulärer als die Fahrleistungen von 0 auf Tempo 100 in unter vier Sekunden oder weit über 200 km/h Spitzengeschwindigkeit ist jedoch jene Zeit, die der Schwabe für den Schluck aus der elektrischen Pulle an der Ladesäule benötigt. In kaum mehr als einer Viertelstunde soll das Akkupaket wieder auf 80 Prozent seiner Leistungsfähigkeit erstarken. Das ist jedoch nur mit einer derzeit allzu visionären Ladestärke von 800 Volt zu erzielen - ähnlich dem Supercharger von Tesla. Im Normalmodus kommt der Viertürer induktiv über eine 400-Volt-Bodenplatte elektrisch wieder zu Kräften. Der nur 1,30 Meter hohe Porsche Mission E will auf der Frankfurter Leistungsschau nicht nur als Elektrokonzept, sondern auch als Designvision glänzen. Das viertürige Coupé bietet unter anderem vier Einzelsitze, ein innovatives Bedienkonzept mit Gesten- und Blickfunktionen sowie Allradantrieb und Vierradlenkung.

Audi hat der Elektromobilität vor Jahren einst lautstark abgeschworen und rollt diese alles andere geräuschlos auf der diesjährigen IAA wieder auf die Showbühne des eigens errichteten Messespiegelsaals. Das bis zu 370 Kilowatt starke e-tron quattro Concept zeigt sich als üppig dimensionierter Crossover dabei nicht nur praktikabler als das ehemals vorgestellte Kleinstserienmodell des R8 e-tron, sondern auch deutlich leistungsstärker. "Audi wird Anfang 2018 einen rein elektrisch angetriebenen Sport-SUV in der Oberklasse präsentieren. Die Technikstudie gibt einen konkreten Ausblick darauf", sagt Audis Technik-Vorstand Ulrich Hackenberg, "sie vereint Fahrspaß mit großer Reichweite, einem ausdrucksstarken Design und exzellentem Komfort". Der E-Audi nutzt die Kraft von drei Elektromotoren, wobei eine E‑Maschine die Vorderachse und zwei die Hinterachse antreiben. 0 auf Tempo 100: 4,6 Sekunden auf 100 km/h und eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von Tempo 210.

Fest steht, dass mit elektrischen Mikroreichweiten von unter 200 Kilometern wie sie aktuell ein BMW i3, ein Mitsubishi i-MIEV, die elektrische Mercedes B-Klasse ed oder ein Nissan Leaf bietet, kein Kunde aus dem Lager der Verbrennungsmotoren zur Elektromobilität zu locken ist. Tesla hat mit seinem Model S gezeigt, dass es auch anders geht. Das haben mittlerweile auch andere Hersteller für sich entdeckt und kopieren die Idee eines sehenswerten Elektromodells des Luxussegments mit spektakulären Fahrleistungen. Audis blauer Elektro-SUV lockt mit 320 (kurzzeitig 370) Kilowatt, 800 Nm Drehmoment und Dank einer Batterie-Energiekapazität von 95 kWh mit bis zu 500 Kilometern Reichweite. Viel weniger dürfte ein Elektrofahrzeug, wenn es überhaupt Marktchancen haben soll, nicht offerieren. Um Nachzutanken benötigt das Ingolstädter Zukunftsmodell jedoch selbst per Schnellladung 50 Minuten.

Das zeigt auf der Internationalen Automobil Ausstellung unter anderem die ungewöhnliche Konzeptstudie des Thunder Power. "Wir wollen für unser Auto die besten Komponenten haben. Das fängt beim Design an und hört bei der Technik auf", erklärt Marketing-Chef Christopher Nicoll. Erfahrene Automobil-Veteranen werden von einer taiwanesischen Firma angeheuert, um ein Auto aus dem Boden zu stampfen. Der Kopf hinter dem Thunder Power ist Dr. Peter Tutzer, der während seiner 35jährigen Karriere bei Lotus, Porsche und Bugatti gearbeitet hat. Eine 125-kWh-Lithium-Ionen-Batterie soll dem E-Mobil eine Reichweite von 650 Kilometern bescheren. Der Käufer hat die Wahl zwischen 230 kW / 313 PS oder 320 kW / 435 PS. Entscheidet man sich für die kräftigere Variante, erreicht der Thunder Power in weniger als fünf Sekunden aus dem Stand Landstraßen-Tempo und erst bei 250 km/h ist Schluss. Trotz des großen Akkus soll die Limousine weniger als zwei Tonnen wiegen. Ab 2017 soll der elektrisierende Donnervogel zu Preisen ab 65.000 Euro zu haben sein.

Was einem auf der IAA noch mehr zu denken gibt, als die neue elektrische Sportlichkeit, ist, dass viele der Hersteller mit bekannten Elektrofahrzeugen, diese allenfalls noch im Schatten der großen Bühnen präsentieren. Plug-In-Hybriden geben den Ton an. Bei Mercedes stehen neben der Aerodynamik-Studie IAA zudem das S-Klasse Cabrio oder die neuen Modelle von GLC und C-Klasse Coupé im Vordergrund. Keine Spur von der B-Klasse electric drive oder einem neuen Smart Fortwo ed. Bei BMW sieht es in Sachen i3 nicht anders aus, denn hier überstrahlen 7er, X1 und eine Reihe von Plug-In-versionen alles. Und selbst bei Mitsubishi, Citroen und Peugeot spielt das elektrische Triumvirat aus i-MIEV, C-Zero und iOn keine Rolle mehr. Eine dünne Modellpflege gibt es zumindest für den europäischen Ladenhüter Nissan Leaf. Der soll Dank 30-kWh-Akku nunmehr bis zu 250 Kilometer schaffen.
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Quelle: Autoplenum, 2015-09-16

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