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Testbericht

Susanne Kilimann / Stefan Grundhoff, 20. Oktober 2009
Der Messerschmitt Kabinenroller war vor einem halben Jahrhundert so innovativ wie heute. Überfüllte Innenstädte, Parkplatzprobleme und die lauter werdende Verbrauchsdiskussion lassen die Autodesigner zunehmend von überdachten Motorrädern träumen.

Das Grundkonzept des Nissan Land Glider ist alles andere als neu. Doch gerade in Japan sind die schmalen Cityflitzer derzeit ein heißes Thema. Wenn der Land Glider im leichten Galopp um die Ecke kurvt, weiß man zunächst nicht ob die Perspektive den eigenen Blickwinkel verzerrt. Aus der Nähe dann die Gewissheit. Der nur 1,10 Meter schmale Zweisitzer sieht aus, als hätte ein Comiczeichner einen Smart Fortwo an Front und Heck in die Länge gezogen und ihn so leicht verjüngt. Heraus kommt eine vierrädrige Mischung aus Motorrad und Citymobil, 3,10 Meter lang und 1,10 Meter breit. „Unter dem kuppelartigen Dach können hintereinander zwei Personen bequem Platz nehmen“, erklärt Nissan-Projekt-Direktor Takashi Nakajima den auf der Tokio Motorshow erstmals vorgestellten Glider, „genau das richtige für die überfüllten Innenstädte.“

„Seine Komposition ist eine Mischung aus weichen und hochwertigen Materialien im Innern zum Wohlfühlen“, so Nakajima weiter, „doch die ausladenden Kotflügel und die anderen Karosserieteile lassen den Land Glider nach außen hin wie einen gepanzerten Krieger erscheinen.“ So sieht Nissans visionäre Antwort auf Cityflitzer wie den Smart Fortwo aus. Knappe Abmessungen, ungewöhnliches Design und ein Elektrotriebwerk sollen die Zutaten sein, mit denen man ein Fahrzeug wie den Land Glider mittelfristig zur Serienreife bringen möchte. Fragt man Takashi Nakajima und den Produktplaner Ryusuke Hayashi nach einem Zeitrahmen, wann ein solches Fahrzeug die asiatischen Innenstädte bevölkern könnte, so blicken beide einhellig fünf bis zehn Jahre in Zukunft. Angetrieben wird Nissans Zwitterwesen von zwei Elektromotoren, die von einem im Fahrzeugboden befindlichen Lithium-Ionen-Akku gespeist werden. Strom getankt wird kontaktlos per Induktion wie bei der elektrischen Zahnbürste im eigenen Badezimmer. Einfach den Land Glider in der eigenen Einfahrt oder vor dem Supermarkt abstellen und schon saugt er sich die nötige Energie aus einer Kontaktplatte im Boden.

Ganz nebenbei soll ein Fahrzeug wie Nissans Land Glider nicht nur zum coolen und praktischen Citymobil werden, sondern auch noch Fahrspaß bereiten. Fährt man mit dem vierrädrigen Motorrad um die Ecke, legt sich die Fahrgastzelle um bis zu 17 Grad in die Kurve. Miteinander intelligent vernetzte Sicherheitssysteme sollen bei Land Glider dafür sorgen, dass dieser wie ein Fisch im Wasser ohne jegliche Fremdkontakte sicher durch den Verkehr schwimmt.

Wie die Vehikel aus der Zukunft erscheint auch der BMW Simple. Das Zwitterwesen aus München soll Fahrspaß, Effizienz und Sicherheit unter einen Hut bringen. Auf den ersten Blick sieht der schräge Vogel von BMW aus wie ein Mini-Raumschiff, ausgestattet mit zwei Rädern für terrestrische Erkundungstouren. Aber dieses Fahrzeug ist allein für den irdischen Gebrauch gedacht. In ihm haben BMWs Konstrukteure die Gene von Motorrad und Automobil vereint. Von letzterem hat das reichlich futuristisch anmutende Vehikel sein Gehäuse geerbt. Passagiere sind rundum gegen Wind und Wetter geschützt und die Ohren abgeschirmt gegen nervigen Umgebungslärm. Außerdem bietet die Hülle im Fall der Fälle den Sicherheitsvorteil, den ein normales Motorrad vermissen lässt.

Die Verwandtschaft zwischen Auto und Simple hält sich in Grenzen. Anders als der Nissan Land Glider ist sie auf zwei Rädern unterwegs, bringt es jedoch auf die identische Breite von 1,10 Meter. So nehmen auch beim BMW Simple Fahrer und Mitfahrer hintereinander Platz. Fahrtechnisch schlagen mit dieser Konstellation die Motorrad-Gene durch. In den Kurven lässt sich Simple in beachtliche Schräglagen bringen. „Dadurch bietet das Fahrzeug ein Maximum an Dynamik und Fahrspaß“, sagt Daniel Kammerer, bei BMW zuständig für die Technologiekommunikation.

Simple seht für „Sustainable and innovative mobility product for low energie consumption“ – also für nachhaltige und innovative Mobilität mit kleinem Verbrauch. Das 450 Kilogramm leichte Gefährt könnte beispielsweise mit einem 36 KW / 49 PS starken Benzinmotor ausgerüstet werden. Damit ließe sich das Zwitterwesen in weniger als zehn Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen. Denkbar wäre auch der Einsatz eines Elektromotors mit ähnlichen Beschleunigungswerten. Mit dem Verbrennungsmotor an Bord läge der Spritbedarf bei zwei Litern pro 100 Kilometer. Elektrisch motorisiert würde der Simple sechs Kilowattstunden für die Strecke benötigen, was 0,7 Litern Benzin entspricht.

Auf dem firmeneigenen Testgelände hat die schräge Studie, die bereits 2005 vom Stapel lief, etliche Runden absolviert. Öffentlich präsentiert wurde die Entwicklungsarbeit aber nie. Ganz nebenbei: Jetzt ist sie im BMW-Museum gelandet. Die mit der Studie gewonnenen Erfahrungen würden auf jeden Fall in künftige Projekte einfließen, betont Technologieexperte Kammerer. Besonders für „Project i“ dürften die gesammelten Erkenntnisse von größtem Interesse sein. In dieser Organisationseinheit entwickeln die bayrischen Auto- und Motorradbauer Fahrzeugkonzepte für die Megacitys dieser Welt. Irgendwann im nächsten Jahrzehnt sollen sie von der Startrampe rollen – und man darf gespannt sein, was da auf wie vielen Rädern anschwirren wird. Hat es alles schon einmal gegeben. Man denke nur an BMW Isetta und besonders den Messerschmitt Kabinenroller.
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Quelle: Autoplenum, 2009-10-20

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