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Testbericht

Marcel Sommer, 13. November 2013
Das Vorfeld eines Flughafens wirkt für Außenstehende oft wie ein großer Armeisenhaufen. Für einen reibungslosen Ablauf in diesem geordneten Chaos sorgen unter anderem die Marshaller wie Heribert Ziegler in ihren schwarz-gelben Follow Me-Fahrzeugen.

Wenn ein Autofahrer in seinen Rückspiegel schaut, bekommt er in den meisten Fällen entweder nur die hinter ihm liegende Straße oder weitere Verkehrsteilnehmer zu sehen. Im Leben von Heribert Ziegler ist das anders. Bei ihm tauchen in regelmäßigen Abständen Verkehrsflugzeuge im Rückspiegel auf. Und nicht nur das: sie verfolgen ihn sogar. Was für jeden anderen Autofahrer zu seinen schlimmsten Albträumen gehört, ist für den 54 Jahre alten Essener Routine. Der Grund: Heribert Ziegler ist Marshaller am Düsseldorfer Flughafen. Was sich da so anhört wie eine Berufsbezeichnung aus dem fernen Orient, bedeutet ins Deutsche übersetzt so viel wie Einwinker oder Boden-Lotse am Flughafen. Die vollständige Berufsbezeichnung lautet Flight Line Marshaller, kurz FLM.

So unbekannt dieser Beruf auch ist, nahezu jeder, der jemals einen Flughafen mit offenen Augen besucht hat, kennt ihn. Denn die Marshaller sind die Personen, die in ihren, im Vergleich zum hinterherfahrenden Flugzeug, kleinen schwarz-gelb karierten Autos über das gesamt Flughafengelände flitzen. Während sich alle anderen Fahrzeuge an die aufgemalten Linien und Spuren halten, scheinen diese Regeln für die sogenannten Follow Me-Autos nicht zu gelten. Warum auch? Müssen sie doch schnellstmöglich zum ankommenden Flugzeug fahren und es in ein imaginäres Schlepptau nehmen.

Doch so einfach wie es sich anhört ist es nicht. Zudem haben sich die Aufgaben der Einweiser in den vergangenen Jahren ein wenig verändert. War es noch vor wenigen Jahren üblich, das frisch gelandete Flugzeug am Rollfeld, dem Taxiway, abzuholen, ist dies heute nicht mehr notwendig - die Technik macht es möglich. Doch von Anfang an: Als erstes erscheinen auf einem großen berührungsempfindlichen Bildschirm im Follow Me-Fahrzeug Daten eines sich im Anflug befindlichen Flugzeugs. Abzulesen sind die voraussichtliche Ankunftszeit und die Landebahn (Düsseldorf hat zwei), der Flugzeugtyp, die Registrierungsnummer sowie die geplante Parkposition beziehungsweise das zugewiesene Gate. Eine Fingerberührung später hat Heribert Ziegler den Auftrag angenommen. "Bei meinen Kollegen ist dieser Flug nun vom Display verschwunden. Wir schauen jetzt erst einmal, ob am Gate alles in Ordnung ist", erklärt er kurz und gibt seinem Kia Sorento die Sporen.

Die acht Jahre alten Kias mit rund 200.000 Kilometern auf der Uhr werden in naher Zukunft von Opel Antaras ersetzt. Nicht aus Solidarität zum Bochumer Opelwerk oder Unzufriedenheit gegenüber den Südkoreanern, sondern rein aus Kostengründen. In seiner zwanzigjährigen Karriere ist das allerdings nicht der erste Fahrzeugtypwechsel. Am 14. Oktober 2008 durfte er in einem 245 PS starken Porsche Cayenne in Follow Me-Fahrzeug-Optik die Flugzeuge abholen. Mit dieser PS-Zahl ist er global gesehen nicht allein. Denn wie in Düsseldorf werden auch auf anderen Flughäfen gelegentlich Sportwagen zu Werbezwecken für Follow Me-Aufgaben eingesetzt. So sorgte zwischenzeitlich in Bologna ein Lamborghini Aventador und in Hannover ein Audi R8 auf dem Weg zum Gate für glänzende Augen bei den Piloten.

Nachdem an Gate C07 alles für die Ankunft des Iraqi Airways-Fluges aus dem Nordosten Iraks bereit steht, fährt Heribert Ziegler auf seine Warteposition. Interessanter Weise ist diese nur einen Steinwurf vom Gate entfernt. "Früher haben wir die Flieger quasi von der Landebahn zu ihrem Gate geleitet. Heutzutage holen wir sie erst kurz davor ab und führen sie die letzten paar Meter zu ihrer Parkposition", erklärt er. Und auch die berühmten Kellen, mit denen früher jedes Flugzeug eingewiesen wurde, können seit einigen Jahren oft im Auto liegen bleiben. "Visuelle Signalanlagen weisen in der Regel den Piloten den Weg zu ihrer Parkposition. Sie können an jeden Flugzeugtypen angepasst werden und funktionieren wirklich gut", schwärmt Heribert Ziegler. Doch wie auch überall im Leben gibt es auch am Flughafen Ausnahmen für die Regel. Liegt eine Parkposition nicht am Gate, sondern auf dem Vorfeld, müssen in Düsseldorf noch die guten alten Kellen gezückt werden. Hier draußen gibt es die Signalanlagen, anders als an anderen Flughäfen, noch nicht. Ob Regen, Schnee oder strahlender Sonnenschein - Marshaller wie Heribert Ziegler müssen dann die flugfähigen Stahlkolosse per Hand einweisen.

Neben dem eigentlichen Job als Einweiser fungieren die Marshaller auch gleichzeitig noch als Müllsammler und Tierkadaverbeseitiger. "Wenn es zu einem Vogelschlag kommt, sprich ein oder mehrere Vögel wurden von einem Flugzeug getroffen, sammeln wir die toten oder verwundeten Tiere ein. Aus diesem Grund brauchen wir auch Allradfahrzeuge, da wir oft über Wiesen und matschigen Untergrund fahren müssen", verrät Heribert Ziegler. Das Aufgabenfeld des Müllsammlers hört sich zwar negativ an, ist im Flugverkehr jedoch ein lebensrettender Bereich. Nicht ohne Grund fahren die Marshaller sechs Mal am Tag die bis zu drei Kilometer langen Start- und Landebahnen zur Kontrolle ab. "Selbst kleinste Metallteile können bei einem Flugzeug zu verheerenden Folgen führen", erklärt er. Der Concorde-Absturz in Paris am 25. Juli 2000 wird zum Beispiel auf solch ein kleines Metallteil zurückgeführt.

Doch nicht nur für die Unglücksprävention sind die Marshaller zuständig, wie spätestens seit den frühen Morgenstunden des 24. Januars 2005 klar wurde. An diesem verschneiten Montagmorgen rutschte ein Fracht-Jumbo über die Landebahn hinaus, wobei die zwei inneren Triebwerke Feuer fingen. "Auf Grund der schlechten Sichtverhältnisse bat mich der Tower den Jumbo zu seiner Parkposition zu leiten. Als ich bei ihm ankam, sah ich plötzlich das Unglück und meldete es", erinnert sich Heribert Ziegler. Danke seines schnellen Handelns und der umgehenden Löschaktion der Flughafenfeuerwehr kam bei diesem Unfall niemand zu schaden. Nicht ohne Grund werden die Stellen der Marshaller ausschließlich betriebsintern ausgeschrieben. "Wir müssen jeden Winkel im Flughafen kennen. Ich war zuvor sieben Jahre bei der Be- und Entladung beschäftigt und kenne die Arbeitsabläufe. Zudem muss man gut sehen, gut hören und Englisch sprechen können", gibt er zu bedenken. "Ich werde diesen Job auf jeden Fall, sofern ich es darf, solange ausüben bis ich 66 Jahre und vier Monate alt bin", fügt der Mann strahlend hinzu, der schon dem französischen Staatspräsidenten in seinem Regierungsflieger zeigte, wo es langgeht.
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Quelle: Autoplenum, 2013-11-13

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