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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 5. Juli 2018
Mercedes will in Zukunft die einzelnen Marken deutlich differenzieren. Das Design gibt eine klare Aussage, wohin die Reise bei dem Stuttgarter Autobauer geht. Dabei durften wir auch schon das Interieur der zweiten Generation des Mercedes GLE begutachten und konnten einige Neuerungen ausmachen.

Früher war alles ganz einfach. Da gab es Mercedes-Benz, eine Handvoll Baureihen und dann lange nichts. Lediglich eine Schraubergarage aus Affalterbach ergänzte mit seinen AMG-Vehikeln, die anfangs nichts anderes als ein bisschen Chichi an der Front und mehr PS aufweisen konnten, das Angebot des schwäbischen Autobauers. Heute ist das anders. Jede automobile Nische will bedient werden, um erfolgreich zu sein und die Anzahl der Marken ist ebenfalls gestiegen. Neben Mercedes, eben noch AMG, Maybach und die Elektro-Division EQ. Da ist eine Unterscheidung dringend notwendig, vor allem weil jeder der einzelnen Submarken auch der übergeordneten Konzern-Designphilosophie folgt. Die umschreibt der oberste Mercedes-Formengießer Gorden Wagener gerne mit Schlagwörtern, wie \"Sinnliche Klarheit\" oder \"Hot and Cold\" (Dt. Heiß und Kalt). Also das Spiel mit den Gegensätzen, die jede Marke entsprechend ihrer Positionierung unterschiedlich umsetzt. Dass dieses Konzept keine Fingerübung verspielter Kreativlinge ist, zeigt die Tatsache, dass der Begriff \"Marke\" und eine genaue Positionierung heute, mehr denn je, unabdingbar für den Erfolg eines Automobilherstellers ist.

Jede einzelne der vier Marken bekommt dementsprechend ihr eigenes Design-Lastenheft, das sie eindeutig positioniert - eben von \"Hot\" (Mercedes-AMG) bis hin zu \"Cold\" (Mercedes EQ), während Mercedes den Kern darstellt und Maybach sogar noch etwas extrovertierter, also \"heißer\", um in Wageners Welt zu bleiben, daherkommt. \"Ultimativer Luxus\" nennt sich das dann in dem Sternen—Kosmos des obersten Design-Schöpfers. Das heißt, feine Materialien, wie zum Beispiel Anilinleder oder die Farbe Roségold, die sich im und am Auto findet, etwa in den Felgen, den Maybach-Logos oder unter der Perforierung der Ledersitze. Ein wichtiger Botschafter der Luxus-Einheit ist natürlich der Kühlegrill mit seinen engen verchromten senkrecht stehenden Streben, die einem Nadelstreifenanzug nachempfunden sind.

Die Kernmarke Mercedes tritt nüchterner, also \"reduzierter auf\", wie Gorden Wagener es nennt. \"Moderner Luxus\" heißt das im Mercedes-Design-Duktus. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Ansatzes ist die Kombination von Hightech-Elementen und Handwerkskunst. Ein gutes Beispiel dafür ist, das Interieur des neuen Mercedes GLE, der sich mit der E-Klasse die MRA-Plattform teilt. Von dem tabletartigen Bildschirm des Vorgängers ist nichts mehr übriggeblieben. Die Linien sind gerader, geometrischer und nicht so verspielt. Das Cockpit erinnert mit seinen zwei 12,3 Zoll-Bildschirmen an das der E-Klasse. Wenn wundert es? Allerdings finden sich bei genauerem Hinsehen feine Unterschiede, wie das etwas grobporigere Leder. Auffällig sind die beiden mit Leder bezogenen Haltegriffe links und rechts von der flachen, breiten Mittelkonsole.

Deutlich technischer und kühler kommt der Mercedes EQ daher. Der Sinn dahinter ist klar definiert. \"Wir wollen Lust auf die Marke machen, Lust auf Elektromobilität\", erklärt Stefano Tam. Bei den Elektromobilen ist es kein Wunder, dass die EQ-Formensprache unter der Überschrift \"Progessive Luxury\" läuft und das beherrschende Designthema - festhalten bitte - \"sinnliche Klarheit\" lautet, garniert mit einer Prise \"Seamless(nes)\". (dt. nahtlos, makellos). Letzteres erkennt man an den fließenden Linien, den verdeckten Fugen, dem digitalen Kühlergrill und die wenigen Lufteinlässe, um die windschlüpfrige Form des EQ C nicht zu sehr zu unterbrechen. \"Trotzdem ist sich die Elektromarke EQ der Mercedes-Benz Tradition bewusst und transportiert diese in die Zukunft des Automobils\" ergänzt Gorden Wagener. Das bedeutet, dass auch und gerade bei der Elektromobilität made by Mercedes Materialien, wie dunkles Holz und Wolle bei den Sitzbezügen zum Einsatz kommen. Eine interessante Skulptur zeigt die Form eines futuristischen Rennwagens, der an die Silberpfeile der 30er Jahre erinnert. Gut möglich, dass die Mercedes-Designer da noch einen Show-Car-Trumpf in der Tasche haben und diesen demnächst präsentieren. Der Pebble Beach Concours d\\\'Elegance wäre eine solche Gelegenheit, schließlich stand da letztes Jahr das Vision Mercedes-Maybach 6 Cabriolet.

Einen Mercedes AMG will man ohnehin nicht stehenlassen. Die Mercedes Sportdivision sind die wilden Jungs, der Designaufteilung. Oder: \"Performance Luxury\". Gut zu sehen beim AMG GT 4-Türer Coupé. Knackige Linien, ein breiter Grill, der an den der Fahrzeuge, die am Panamericana-Straßenrennen in Mexiko teilnahmen, erinnert, große Lufteinlässe sind die Insignien, die diese Fahrzeuge ausmachen. Dazu Spoiler sowie Carbon außen und Innen, statt Chrom. Die Materialien sind funktionell: Alcantara statt Leder und rote beziehungsweise gelbe Nähte. Das Aussehen der Instrumente spielen immer wieder auf den Rennsport an, wie das Drehzahlband, dass sich am oberen Rand des Displays von grün auf Rot entlangzieht.
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Quelle: Autoplenum, 2018-07-05

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