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Testbericht

Patrick Broich/SP-X, 25. Juni 2020
SP-X/Köln. Jawohl, wir waren schon so weit. So weit, dass unser hier besprochenes klassisches 911 Cabrio schon mit Katalysator vorfährt. Als 1985er gehört es zu den recht späten Exemplaren der ab 1973 gebauten Faltenbalg-Modelle mit beulenresistenten Stoßstangen, war gegen Ende – wenn wir ehrlich sein wollen – schon zu Neuzeiten veraltet, aber immer noch gut für einen spaßigen Trip ins Blaue.  Die letzten Elfer der zweiten Serie, im Volksmund „G-Modell“ (obwohl das so nicht stimmt und nur auf die frühen Exemplare zutrifft), schwingen sich noch einmal zu Höchstform auf, bevor die Baureihe abdankt. Der Hubraum ist inzwischen bei 3,2 Litern angekommen, die Techniker haben dem alten, luftgekühlten Boxer eine elektronische Bosch-Einspritzung verpasst, und es gibt eben nun auch den Katalysator. Performance-Freunde warnen, das von 170 kW/231 PS auf 152 kW/207 PS leistungsreduzierte Triebwerk lasse es an Biss vermissen. Das macht uns aber erst recht neugierig auf den Kat-911er.Doch gemach, erst das Verdeck herunterlassen und die Persenning drauffriemeln, bevor der Boxer per Schlüssel natürlich auf der linken Seite erweckt wird. Kurz orgeln, dann ist er am Start, verströmt seinen sonoren Klang und klingt auch ohne blechernen Resonanzkörper so unverkennbar, wie ein alter 911 nun eben so klingt. Der erste Gang rastet nur widerwillig ein, die Kupplung geht stramm: Früher war eben nicht alles so präzise. Jetzt aber los, die Landstraße wartet. Der große Drehzahlmesser in der Mitte dient als Kontrollinstanz, den kalten Motor noch nicht so zu fordern. Nach ein paar Kilometern und dem Entkommen aus dem städtischen Gewusel darf er aber auch mal drehen. Doch irgendwie haben sich die Maßstäbe verschoben – wenn ein Auto früher durch den Katalysator rund 20 PS verloren hat, brach eine Welt zusammen – heute geht es eher in Einhundert-PS-Schritten nach oben, über die damaligen Werte schmunzelt man schnell. Langsam ist der vergangene Elfer aber nicht, beschleunigt sogar sehr druckvoll. Er kann es also noch. Die menschliche Fracht wird sanft in die etwas patinierten Ledersessel geschoben, wenn der Tourenzähler den oberen Bereich der Skala erklimmt.Apropos! Der Drehzahlmesser ist ein guter Aufhänger, mal kurz auf das neuzeitliche Modell zu schwenken. Denn auch hier prangt er noch in der Mitte des Kombiinstrumentes und das ausladend. Und mechanisch im Gegensatz zu den restlichen Instrumenten-Segmenten, die nur noch virtuell dargestellt werden. Irgendwie cool. Jetzt muss auch beim offenen Elfer-Kollegen des Jahrgangs 2020 der Soundcheck her. Da die EU inzwischen fleißig reglementiert, fährt ein in Teillast daherschlendernder 992 tonal ungefähr auf Golf 8-Level. Das ist fast schon ein bisschen enttäuschend, aber zum Glück ändert sich das Klangbild mit steigender Drehzahl, dann entwickelt auch der 992 Elfer-Timbre – von wegen, die Wassergekühlten können keinen Sound.Interessant ist, dass der Neuzeit-Porsche insbesondere als Cabrio gar nicht unbedingt zum schnellen Fahren animiert, obwohl er das vor allem in der 331 kW/450 PS starken S-Variante schon richtig gut kann. Ob die Zielgruppe wohl so alt geworden ist, dass der Restkomfort etwas üppiger ausfällt? Jedenfalls lädt der mit Achtgang-Doppelkuppler ausgerüstete 992 zum Cruisen ein, federt kommod und setzt die beiden Passagiere sogar bei heruntergelassenen Scheiben keinem allzu gewaltigen Sturm aus.Aber irgendwie kann das doch nicht sein, ein Elfer darf doch nicht so weichgespült sein. Also, geben wir dem Dreiliter-Turbo mal Feuer, Drosselklappen bitte weiträumig öffnen. Dann erwacht der anfangs so zahm wirkende Boxer, verpasst der inzwischen auch schon 1,6 Tonnen wiegenden Karosse einen Tritt. Keine vier Sekunden vergehen bis 100 km/h, kaum 13 bis 200 Sachen. Das sind schon andere Dimensionen, dagegen wirkt beim historischen Elfer alles, als laufe die Welt in Zeitlupe.Aber die Frage ist am Ende doch, welcher mehr Spaß macht. Ein bisschen werden die schlechteren Fahrleistungen des 85ers durch den innen heftiger tobenden Wind kompensiert – und der Motor ist auch in der Teillast eher präsent. Im Faltenbalg ist das Fahren noch mehr Arbeit, während es im 992 fast beiläufig geschieht, außer, man will bewusst schnell fahren – dann wendet sich das Blatt. Doch Kunden, die Rundenrekorde aufstellen wollen, dürften um die offenen Varianten ohnehin eher einen Bogen machen. Als Cruiser ist der 992 also wunderbar geeignet und dank seiner zwei Gesichter ziemlich multifunktional. Außerdem ist er ein rollender Computer mit geradezu verschwenderischer Displayfläche für das ganze Infotainment. Aber auch die Hardware ist beinahe angsteinflößend technisch: Er lenkt auf Wunsch sogar mit der Hinterachse, gleicht Wank- und Nickbewegungen aus und kann so programmiert werden, dass das hydraulische Liftsystem an vorher definierten Orten den Vorderwagen anhebt, um besser über Temposchwellen zu gelangen. Was da alles kaputtgehen könnte.So etwas dürfte für nicht wenige Alt-Porschefans Firlefanz sein, sie sehen schon den Katalysator und die Bosch-Motronic im alten Elfer kritisch und feiern dort lieber die in der Preisliste genannten Features wie Make-up-Spiegel und Quarzzeituhr. Immerhin, Klangfarbe, Grundform und der prägnante Drehzahlmesser in der Mitte sind auch beim neuen Porsche 911 geblieben und lassen ihn authentisch wirken. Kostenpunkt 136.102 Euro in Grundausstattung. Die guten, puren Faltenbalg-Cabrios gibt es schon für etwas mehr als ein Drittel dieses Preises. Porsche 911 Carrera Cabrio 3.2 – Technische Daten:Zweitüriger Sportwagen, Bauzeit 1983 bis 1989, Länge: 4,29 Meter, Breite: 1,65 Meter, Höhe: 1,32 Meter, Radstand: 2,27 Meter3,2-l-Sechszylinder-Otto-Boxermotor mit Luftkühlung, elektronischer Benzineinspritzung und Katalysator, 152 kW/207 PS, maximales Drehmoment: 284 Nm bei 4.800 U/min, 0-100 km/h: 6,1 s, Vmax: 245 km/h, Fünfgang-SchaltgetriebeEhemaliger Neupreis: ab 75.980 Mark (1985)Heutiger Marktpreis nach Classic DataNote 1: 81.000 EuroNote 2: 57.000 EuroNote 3: 40.000 EuroPorsche 911 Carrera S Cabrio – technische Daten:Zweitüriger Sportwagen, Länge: 4,52 Meter, Breite: 1,85 Meter, Höhe: 1,30 Meter, Radstand: 2,45 Meter3,0-l-Sechszylinder-Otto-Boxermotor mit Direkteinspritzung und doppelter Turboaufladung, 331 kW/450 PS, maximales Drehmoment: 530 Nm bei 2.300 bis 5.000 U/min., 0-100 km/h: 3,7 s, Vmax: 306 km/h, Achtgang-Automatik (Doppelkupplung), Durchschnittsverbrauch: 9,1 l/100 km, CO2-Ausstoß: 208 g/km, Effizienzklasse: F, Grundpreis: ab 136.102 EuroDer milde Frühsommer macht Lust auf Cabrio. Eine kühlende Brise frischer Luft kann man klassisch genießen im 35 Jahre alten Porsche 911 Cabrio. Geht aber bei entsprechendem Budget auch in der offenen Variante des aktuellen 992. Spannend zu erfahren, was sich binnen nur drei Dekaden so alles geändert hat.
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Fazit
Der milde Frühsommer macht Lust auf Cabrio. Eine kühlende Brise frischer Luft kann man klassisch genießen im 35 Jahre alten Porsche 911 Cabrio. Geht aber bei entsprechendem Budget auch in der offenen Variante des aktuellen 992. Spannend zu erfahren, was sich binnen nur drei Dekaden so alles geändert hat.

Quelle: Autoplenum, 2020-06-25

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