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Testbericht

Günter Weigel/SP-X, 29. März 2012

Mercedes SL, das heißt für die Kundschaft in den allermeisten Teilen der  Welt mindestens SL 500. Der verfügt über einen vermeintlich standesgemäßen Achtzylinder und nur damit über das nötige Prestige. Dabei hatte der Ur-SL lediglich sechs Brennräume und war damit zu seiner Zeit einer der besten Sportwagen der Welt. Heute schiebt Mercedes den SL 350, also die sechszylindrige Version des aktuellen Roadsters, fast verschämt ins Schaufenster. Dabei hat der 225 kW/306 PS-starke Zweisitzer mehr Leistung als der Ur-SL und auch mehr als viele Achtzylinder in der SL-Ahnenreihe.

Anders als diese, kommt er normgerecht mit 6,8 Litern Super 100 Kilometer weit und emittiert folglich lediglich 159 Gramm CO2 je Kilometer. Für den Sportler mit Spareffekt berechnen die Schwaben 93.534 Euro, knappe 14.000 Euro weniger als für den V8. Dafür erhalten die Kunden ein gleichermaßen komfortables wie fahraktives Automobil, das die Tradition des SL fortführt. Wobei SL heute weniger für „sportlich leicht“, sondern vielmehr für „sportiv luxuriös“ steht.

Der Roadster gehört in die oberste Liga der offenen Fahrzeuge, ist mit seinem Klappdach und den Fülle von technischen Annehmlichkeiten von der Armada der Assistenten bis hin zum Nackenföhn aber mehr Gleiter als Sportler. Dabei sind die absoluten Fahrleistungen durchaus sportlich, wenngleich sie nicht ganz an einen echten Sportwagen heranreichen. So sprintet der SL 350, befeuert von seinem 3,5-Liter V6 in 5,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Bei 250 km/h greift die Elektronik zügelnd ein. Vollgasfahrten auf leeren Autobahnen beherrscht er, allerdings sind die lange Tour oder der Bummel über kurvige Landstraßen eher sein Metier. Fahren als Genuss, nicht als Sport, lautet das Motto. Passend dazu bietet der Kofferraum selbst bei geöffnetem Dach Platz für 364 Liter Gepäck, mit geschlossenem Dach fasst er mehr als 500 Liter. Genug also für die Reise zu Zweit.

Es muss nicht immer etwas mehr sein, selbst wenn es das häufig darf. Im Falle des großen Roadsters von Mercedes ist weniger zwar nicht mehr – das widerspräche auch den Gesetzen der Logik – aber es ist mehr als genug, wenn man zwei Zylinder weniger wählt.

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Fazit
Es muss nicht immer etwas mehr sein, selbst wenn es das häufig darf. Im Falle des großen Roadsters von Mercedes ist weniger zwar nicht mehr – das widerspräche auch den Gesetzen der Logik – aber es ist mehr als genug, wenn man zwei Zylinder weniger wählt.

Quelle: Autoplenum, 2012-03-29

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