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Testbericht

Stefan Grundhoff, 27. März 2020
Die Corona Krise zieht weltweit immer größere Kreise und so langsam gibt es erste Analysen, wie sehr diese einzigartige Pandemie die Autoindustrie verändern wird. In diesem Jahr rechnen Experten mit einem Produktionsrückgang von bis zu zehn Millionen Fahrzeugen.

Allein durch die anhaltenden Produktionsausfälle im März und dem kommenden April wird es dem weltweiten Markt an rund 1,6 Millionen Fahrzeugen fehlen. \"Noch ist es zu früh, um konkrete Zahlen zu nennen, die den Einfluss der Pandemie auf die Autoindustrie belegen. Aber ich gehe davon aus, dass wir bisher nur einen Bruchteil der Verwerfungen sehen. Nicht zuletzt, weil sich mittelfristig auch das Verhalten der Konsumenten ändern wird\", so Andreas Radics, geschäftsführender Partner bei Berylls Strategy Advisors, \"selbst wenn die Produktion weltweit wieder anlaufen kann, ist offen, wie schnell sich das Kaufverhalten normalisiert.\" Erst gestern hatten Giganten wie Volkswagen oder Fiat Chrysler Automobiles verkündet, dass sie ihre Fertigungen länger als bisher geplant in den April hinein aussetzen müssen. Die Gründe hierfür sind die gleichen, wie beim Start vor knapp zwei Wochen. Zum einen geht es um die Gesundheit der Arbeiter bei der Produktion; zum anderen fehlen zunehmend dringend benötigte Komponenten, weil die Zulieferer ihre Fertigung ebenfalls ausgesetzt haben oder die Logistikketten per Schiff, Lastwagen, Zug oder LWW unterbrochen sind. \"Die gute Nachricht ist, dass die Fertigung in China nahezu überall wieder angelaufen ist und die Kunden wieder zu den Händlern gehen, um Autos zu kaufen\", räumt Andreas Radics ein, \"einzelne Marken melden, dass sie bereits wieder bei 70 bis 80 Prozent des erwartbaren Volumens angelangt sind. Sofern kein weiterer Covid-19-Ausbruch kommt, ist dies ein überaus positives Signal, aus diesem so wichtigen Markt.\"

Daher laufen auch bei den Krisenteams der Autohersteller in Europa, Asien und den USA längst unterschiedlichste Planungen, wann man in den zahlreichen Werken wieder in die Fertigung ansteigen kann. Firmen und Politik sind sich dabei einig, dass dies so schnell als möglich sein muss, denn die wirtschaftlichen Folgen kosten Tag für Tag hunderte Millionen Euro. Es droht nicht nur die Ausweitung der bereits begonnenen Kurzarbeit, sondern auch Kündigungen und Firmenpleiten, die durch welche immer auch gearteten Rettungsschirme auf lange Dauer nicht verhindert werden können.

Die Analysten von IHS gehen aktuell davon aus, dass der weltweite Markt in diesem Jahr um rund zehn Millionen Fahrzeuge sinken könnte, wenn die Krise länger andauert. Das wäre ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent. Dieser Rückgang durch den Ausbruch des Covid-19-Virus wäre damit deutlich schmerzhafter als die Wirtschaftskrise mit entsprechender Rezession in den Jahren 2008 / 2009, als es einen Rückgang um acht Prozent gab. Nach Berechnungen der Analysten von IHS dürfte es nach dem Wegbrechen von Produktion und Nachfrage nur eine langsame Erholung geben. Gleichlautend weisen IHS und Berylls jedoch darauf hin, dass vieles davon abhängt, ob China oder andere Regionen das Problem des Corona Virus nachhaltig im Griff haben oder es neue Infektionsherde geben könnte.

Für den chinesischen Markt geht IHS davon aus, dass in diesem Jahr 22,4 Millionen Fahrzeuge produziert werden können; das wären 2,3 Millionen Einheiten oder zehn Prozent weniger als 2019. In Europa soll der derzeit kalkulierte Rückgang bei 13,6 Prozent liegen, was ein Volumen von 15,6 Millionen Fahrzeuge bedeuten würde. Trotz Zwei-Milliarden-Rettungsprogramm für die US-Wirtschaft scheint die nachhaltige Rezession hier ebenfalls besiegelt. IHS prognostiziert für 2020 einen Absatz von 14,46 Millionen US-amerikanischen Fahrzeugen, was einem Rückgang von mindestens 15,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche. Das wären 2,4 Millionen weniger Fahrzeuge als ehemals geplant. Berylls-Analyst Andreas Radics: \"2020 sehe ich dennoch nicht als verlorenes Jahr, erwarte aber einen Absatzrückgang von etwas mehr als zehn Prozent gegenüber 2019. Immer vorausgesetzt die Krise schwächt sich innerhalb der nächsten drei Monate in Europa und den USA deutlich ab und das Virus ist und bleibt in China unter Kontrolle.\" Fest steht bereits jetzt, dass allein Firmen, die schnell eine geänderte Strategie für Produktion, Handel und Modellportfolio entwickeln und damit flexibel auf die Krise reagieren, mit überschaubaren Blessuren davonkommen können. Nicht leichter macht das Ganze, dass sich OEMs und ihre Zulieferer schon vor dem Ausbruch der Pandemie in einer schwierigen Phase befunden und die Investitionen für alternativen Antriebe und autonomes Fahren in die Milliarden gehen. Kein Zweifel dürfte jedoch daran bestehen, dass gerade einige kleinere Zulieferer an den Rand des Existenzminimums gedrängt werden dürften und selbst Autoherstellern wackeln könnten.
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Quelle: Autoplenum, 2020-03-27

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