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Testbericht

Wolfram Nickel/SP-X, 4. September 2016

Drei Liter ist heute bei Pkw ein typischer Hubraumwert für einen Sechszylindermotor. 1991 nutzte der Porsche 968 das gleiche Volumen mit nur vier Zylindern. Schon in der 176 kW/240 PS starken Basisversion setzten die Sportcoupés und Cabriolets 305 Nm frei – fast so viel wie der V8 im Ferrari Mondial. Die Turbo-Ausführung kam gar auf 224 kW/305 PS und eine Vmax von 280 km/h. Mehr Tempo bot damals nicht einmal der 911 Turbo. Ein Erfolg wurde der 2+2-Sitzer trotzdem nicht.

Dabei konnte der 968 in vielerlei Hinsicht überzeugen. „Bester Vierzylinder-Saugmotor der Welt“, meinten die Medien. Der relativ leistungsstärkste war er mit mehr als 100 Nm Drehmoment pro Liter Hubraum ebenfalls und der schnellste (mindestens 255 km/h) sowieso. Als erster Porsche erhielt der 968 ein manuelles Sechsganggetriebe, eine Schaltung, über die damals sonst nur Lotus Omega, BMW 850i und Audi 100 S4 verfügten. Und noch eine technische Delikatesse hielt beim Porsche 968 Einzug: Noch vor dem Topmodell 928 erhielt er die Tiptronic-Automatik mit fünf Schaltkennlinien und manueller Schaltoption, die zuerst im 911 Carrera 2 Zeichen gesetzt hatte. Gab es doch damals keine vergleichbare sportliche Getriebeautomatik von anderen Herstellern. Beeindruckend waren auch die 1993 nachgelegten, extrem teuren und raren 968 Turbo S und 968 Turbo RS. War der 224 kW/305 PS starke 968 Turbo S ein straßenzugelassener Renner mit Sperrdifferential, zielte der bis zu 257 kW/350 PS kräftige Turbo RS auf Einsätze bei GT-Rennen.

Genutzt hat all das dem 968 aber nur wenig. Denn Anfang der 90er-Jahre befand sich der Sportwagenmarkt im Abwärtstrend. Gleichzeitig war das Sportwagen-Startfeld so dicht wie noch nie besetzt. Vor allem, seit neben der heimischen Konkurrenz auch Modelle wie Nissan 300 ZX, Toyota Supra oder Mazda RX-7 auf den kleinen Markt drängten.

Auch wenn die Japaner letztlich Nischenangebote blieben, hatte es ein Porsche 968 schwer, zumal die Preise für den großen Vierzylinder zwischen 90.000 und 105.000 Mark betrugen. Entsprechend bestürzend waren die Absatzzahlen des 968, der es in vierjähriger Bauzeit insgesamt nur auf rund 12.800 Einheiten brachte, davon rund 4.000 Cabriolets. Daran änderte auch der 1992 nachgeschobene 968 CS nichts, der mit abgemagerter Serienausstattung über 17.000 Mark billiger war als der reguläre Porsche 968.

Zu hohe Preise und zu wenig Image urteilten damals viele Sportwagenkäufer über die Coupés und Cabriolets. Wer sich dennoch einen der bis 1995 in gebauten Porsche 968 kaufte, erlebte zuverlässigen Fahrspaß, wie heute auch die Youngtimerszene weiß. Nachfahre des 968 ist übrigens der Boxster/Cayman, der in der neuesten Ausführung mit dem Zusatz 718 nun den Vierzylinder in die Sportwagen aus Zuffenhausen zurück gebracht hat. Heute übrigens reichen zwei Liter Hubraum für 220 kW/300 PS.

Porsche-PS zählen doppelt, heißt es. Das könnte man auch für die Zylinder gelten lassen – zumindest beim 968 von 1991.

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Fazit
Porsche-PS zählen doppelt, heißt es. Das könnte man auch für die Zylinder gelten lassen – zumindest beim 968 von 1991.
Testwertung
5.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2016-09-04

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