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Testbericht

8. Mai 2013
München, 8. Mai 2013 - Das soll noch ein Ferrari sein? Bei allem Respekt vor dem 660-PS-Boliden, die Frage muss erlaubt sein. Denn der außergewöhnliche FF macht so vieles anders als seine Vorfahren und Geschwister. Vier Sitzplätze hatten schon frühere Fahrzeuge aus Maranello. Aber Allradantrieb? Und dann dieses Heck! So etwas hatte es bei der so stolzen und traditionsbewussten Sportwagenmarke noch nie gegeben. Und in den Augen vieler Ferraristi hätte es das auch niemals geben dürfen. Aber Firmenchef Luca di Montezemolo wollte "einen anderen Ferrari" - und den hat er bekommen. Ein Shooting Brake soll‘s sein Fangen wir mit dem Offensichtlichsten an: der Karosserie. Bei seiner Vorstellung wurde der FF (steht für Ferrari Four) schnell als Kombi verspottet. Das ist er trotz lang nach hinten gezogenem Dach und großer Heckklappe natürlich nicht. Vielmehr haben die Italiener die fast schon in Vergessenheit geratene Tradition eines Shooting Brakes wiederbelebt. Diese Kreuzung aus Schrägheck-Coupé und Kombi wurde mehrfach in den 1960er- und 1970er-Jahren erprobt, als gelungene Beispiele sind etwa der Volvo P1800 ES ("Schneewittchensarg") und der Reliant Scimitar GTE in Erinnerung geblieben. Ein Shooting Brake liefert die wohl eleganteste Lösung, eine schnittige Karosserie mit viel Stauraum auszustatten. Das ist auch den Designern von Pininfarina, deren Federn der FF entstammt, auf beeindruckende Weise gelungen. Dennoch ertappt man sich immer wieder dabei, sich auszumalen, wie der 4,91 Meter lange Zweitürer wohl in klassischer Coupé-Form aussehen würde. In solchen Gedankenspielen kann man den Vorderwagen getrost übernehmen, wie er ist. Denn die lange Motorhaube, der große Kühlergrill, die weit nach hinten gezogenen Scheinwerfer, die muskulösen Kotflügel und die flach stehende Windschutzscheibe ergeben vorne den Look eines Ferrari wie aus dem Bilderbuch. Auch die untere Hälfte der Heckpartie mit breiten Backen, mächtigem Diffusor, integriertem Spoiler und runden Rückleuchten fügt sich perfekt ins Familienalbum ein. Mit geräumigem Kofferraum Über die Frage "Shooting Brake: ja oder nein?" mögen die Fans weiter streiten. Nicht zu diskutieren ist die Tatsache, dass das gewählte Konzept überzeugend umgesetzt ist. In keinem Ferrari hat man je hinten besser gesessen. Es gibt zwei sportlich-eng geschnittene Einzelsessel, passable Kopf- und keine opulente, aber zumindest ausreichende Beinfreiheit. Der Kofferraum fasst nicht nur die sonst in dieser Liga übliche Golftasche, sondern dank 450 Liter Fassungsvermögen zwei, drei oder vier davon. Die Rückenlehnen lassen sich dreigeteilt umlegen, dann passen bis zu 800 Liter hinein. Wer die optimal ausnutzen will, kann für schlappe 10.000 Euro ein optisch und größenmäßig perfekt abgestimmtes Gepäckset ordern. Für Golf- oder Ski-Urlaube muss also nicht mehr zusätzlich ein SUV angeschafft werden.
Von Hinterrad- bis Allradantrieb Für den Wintertrip nach Kitzbühel oder St. Moritz ist der FF aber nicht nur aufgrund seines großen Stauabteils, sondern vor allem wegen seines Allradantriebs bestens geeignet. Das erste 4x4-System in der Firmengeschichte ermöglicht die Beibehaltung des traditionellen Mittelfrontmotors mit Transaxle-Aufbau und soll nur halb so schwer sein wie herkömmliche Systeme. Standardmäßig wird die Antriebskraft an die Hinterräder geschickt, was in Kurven von Leicht-das-Heck-kommen-lassen bis zum radikalen Drift jede Menge Fahrspaß garantiert. Nur bei Bedarf wird auch Antriebsmoment auf die Vorderachse übertragen. Zwölf Zylinder und 6,3 Liter Hubraum Für den Vortrieb ist im FF ein hochdrehender V12-Benzindirekteinspritzer zuständig, der aus 6,3 Liter Hubraum 660 Pferdestärken und ein maximales Drehmoment von 683 Newtonmeter holt. Dieser Motor ist hinsichtlich Klangcharakteristik und Leistungsausbeute eine Wucht. Das deutet er beim heftigen Aufheulen zum Start erstmals kurz an und führt es anschließend auf beeindruckende Art und Weise fort. Es geht nicht immer laut und aggressiv zur Sache, sondern kann bei Tempo 50 in der Stadt recht kommod und fast schon dezent geschehen. Zumindest so lange, bis man den unruhig werdenden Gasfuß nicht mehr unter Kontrolle hat und kräftig aufs Pedal tritt. Dann faucht und brüllt der Zwölfzylinder, wie man es sich kaum schöner vorstellen könnte - gleichzeitig schießt der fast 1,9 Tonnen schwere Wagen mit einer Wucht nach vorne, die einem kurzzeitig die Gesichtszüge einfrieren lässt, bevor sich diese zu einem lang anhaltenden breiten Grinsen formieren. Die Fahrleistungen des FF sind von denen eines praktischen Lastesels so weit entfernt wie Italien von einer stabilen Staatsregierung: Null auf 100 in 3,7 Sekunden, null auf 200 in 11,0 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 335 km/h bringen das in nackten Zahlen deutlich zum Ausdruck. Nettes Gimmick: Der Beifahrer kann die aktuelle Geschwindigkeit und die Drehzahlen auf einem eigenen Display in der Armaturentafel verfolgen. Formel 1 lässt grüßen Ermöglicht werden diese Werte aber nicht allein vom bärenstarken Motor, sondern auch dank des auf der Hinterachse platzierten Siebengang-Doppelkupplungstriebes. Das hört nicht zufällig auf den Namenszusatz "F1", denn es erinnert in Bedienung und Arbeitsweise tatsächlich an die Renner aus der Formel 1. Es gibt keinen Gangwahlhebel, sondern lediglich in der Mittelkonsole Knöpfe für den Automatikmodus und den Rückwärtsgang. Wer selbst schalten will, erledigt das über Paddles am Lenkrad. Die Gangwechsel selbst erfolgen äußerst zügig und kaum spürbar. Erst im Sport-Modus ändert sich das. Dann knallen die Gänge bei unglaublich kurzen Schaltzeiten förmlich rein. Echtes Formel-1-Feeling ist angesagt.
Keine Lenkstockhebel An die Königsklasse des Motorsport erinnert aber noch mehr im FF: zum Beispiel das Lenkrad. Wie bei Sebastian Vettel, Fernando Alonso und Co. kann der Pilot alle wichtigen Funktionen direkt am Volant steuern. So finden sich hier der Starterknopf für den Motor sowie der Schalter für die Fahrwerkseinstellung. Blinker, Licht und Scheibenwischer werden statt über Lenkstockhebel ebenfalls direkt am Steuerrad bedient. Und dann ist da noch das Manettino, wie bei Ferrari der Drehschalter genannt wird, über den sich die fünf Fahrmodi (ESC Off, Sport, Comfort, Wet, Ice) einstellen lassen. Diese nehmen unter anderem Einfluss auf das ESP, die Kennlinie des Gaspedals, Schaltzeiten und die Härte der Stoßdämpfer. Von bretthart bis komfortabel Womit wir beim Thema Fahrwerk wären: Das macht im FF einen ausgezeichneten Job. Da wo es sein muss, lässt es den sportiven Shooting Brake wie ein Brett auf der Straße liegen und perfekt um die Ecke zirkeln. Und wo das nicht vonnöten ist, rollt der serienmäßig auf 20-Zöllern laufende Ferrari fast schon richtig komfortabel ab. Wie hart oder weich die Federung in letzter Konsequenz arbeitet, kann der Fahrer individuell konfigurieren. Die Lenkung agiert so messerscharf, wie man sich das von einem Boliden nur wünschen kann. Dass die groß dimensionierte Bremsanlage mit Keramikscheiben für standesgemäße Verzögerung sorgt, muss schon als selbstverständlich bezeichnet werden. Alles hat seinen Preis Mindestens 258.111 Euro müssen Kunden für einen FF auf den Tisch legen. In der Regel werden noch diverse Euros für Extras dazukommen. Da stört es wohl die wenigsten, dass der elegante Viersitzer auf dem Papier bereits 15,4 Liter und in der Praxis problemlos 25 Liter schluckt. Nicht nur dadurch stellt der FF unter Beweis, dass er allemal ein "richtiger" Ferrari ist.
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Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb
Anzahl Gänge:7
Getriebe:Doppelkupplungsgetriebe
Motor Bauart:Ottomotor in V-Form mit Benzindirekteinspritzung
Hubraum:6.262
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:12
Leistung:486 kW (660 PS) bei UPM
Drehmoment:683 Nm bei 6.000 UPM
Preis
Neupreis: 258.111 € (Stand: Mai 2013)
Fazit
Mit dem FF baut Ferrari zum ersten Mal ein Auto, das nicht nur schnell und schnittig ist, sondern darüber hinaus hohen Alltagsnutzen bietet. Vier Sitzplätze, ein großer Kofferraum und der Allradantrieb erweitern die Einsatzmöglichkeiten des Boliden ungemein. Das mag nicht jedem Traditionalisten gefallen, bringt der Marke aber neue Kundschaft. Das Konzept eines brachialen Shooting Brakes ist zudem momentan einzigartig, einen direkten Konkurrenten gibt es nicht. Trotzdem ist der sündhaft teure FF ein Ferrari durch und durch, der mächtig Spaß macht.
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2013-05-08

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