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Testbericht

Sebastian Viehmann, 6. Januar 2010
Indiens Automarkt wächst, doch große Schlitten braucht es nicht für den Umstieg vom Mofa aufs Auto. So sind City-Flitzer und kleine Familienkutschen die Stars der Delhi Motor Show. Auch Elektroautos und Hybride sind im Kommen.

Die Delhi Motor Show ist knallbunt, rappelvoll und weit entfernt von der Katerstimmung auf anderen Messen. Während es in Europa oder Nordamerika in Zukunft vor allem Verdrängungswettbewerbe geben wird, ist in Indien noch Goldgräberstimmung angesagt. Aussteller aus 25 Ländern präsentieren auf 140.000 Quadratmetern in 18 Hallen ihre Neuheiten. Die Veranstalter erwarten mehr als 1,8 Millionen Besucher.

Die Stars der Messe kommen aus heimischer Produktion. Der indische Suzuki-Partner Maruti hat seine Studie R III im Gepäck, ein sechssitziges MPV (Multi Purpose Vehicle) mit kompakten Abmessungen. Genau wie beim neuen Opel Meriva öffnen die Türen des R III gegenläufig, eine B-Säule hat das Concept Car nicht. Ob sich das wegen der Stabilität der Fahrgastzelle auch in einer Serienversion verwirklichen ließe, ist fraglich. Insgesamt zeigt Suzuki 17 Modelle, darunter die Limousine Kizashi. In Indien wird der Wagen als Luxuslimousine angepriesen, was sich auch an der Motorisierung ablesen lässt – während die meisten indischen PKW kleine Benziner und Diesel mit 1,2 bis 1,4 Litern Hubraum unter der Haube haben, wird der Kizashi von einem 2,4 Liter großen Aggregat befeuert. Auch neun verschiedene Motorräder und Roller werden auf dem Maruti-Suzuki-Stand präsentiert. Der neue Suzuki-Partner Volkswagen trommelt ebenfalls mächtig und feierte mit einer großen Show samt Tänzern die Asien-Premiere des neuen Polo.

Der indische Autobauer Tata Motors zeigt nicht weniger als 18 Neuheiten. Darunter ist der Minivan Aria, der mit sieben Sitzplätzen, GPS-Navigation, sechs Airbags und – Europas Hersteller mögen aufhorchen – sogar mit ESP ausgerüstet ist. Angetrieben wird der Wagen von einem 140 PS starken Commonrail-Dieselmotor, Allradantrieb gibt es optional. Der Billig-Zwerg Tata Nano, der in letzter Zeit vor allem durch Lieferengpässe in die Schlagzeilen geriet, ist in Delhi in zwei Spezialversionen „für Sie und Ihn“ zu sehen. Der Nano für die Dame hat eine Lackierung in „Cocktail-Rot“ mit Blümchenmuster, das sich auch im Innenraum fortsetzt. Da Tata neuer Hausherr bei Jaguar und Land Rover ist, dürfen natürlich auch die Briten in Delhi nicht fehlen – der imposante Jaguar XJ rundet die Palette des Autokonzerns nach ganz oben ab.

Auch alternative Antriebe sind Thema bei der Delhi Motor Show. Hyundai hat eine Elektroversion seines Kleinwagens i10 entwickelt. Die Koreaner haben außerdem zahlreiche Modelle mit Erd- und Flüssiggasbetrieb zu bieten. Tata zeigt die Elektro-Version seines Kompaktwagens Indica. Der viersitzige Indica Vista EV soll eine Reichweite von 200 Kilometern haben und wird in Kooperation mit einem norwegischen Unternehmen gebaut. Suzuki stellt eine Hybridversion des SX4 vor. Sogar die Amerikaner wollen sich in Sachen Ökoautos engagieren: General Motors entwickelt zusammen mit der Reva Electric Car Company (REVA) Stromer für den indischen Markt.

Toyota will noch in diesem Jahr den Prius nach Indien bringen. Messe-Star der Japaner ist jedoch der Etios, der speziell für den indischen Markt entwickelt wurde. Der kleine Fünfsitzer erscheint als Stufen- und Schräghecklimousine und hat sparsame Benzinmotoren unter der Haube. Chevrolet zeigt den 3,6 Meter langen und rund 7000 Euro teuren Kleinstwagen Beat. Ford verkauft in Indien neben den Modellen Fiesta und Fusion unter anderem den Geländewagen Endeavour und die kleine Stufenhecklimousine Ikon.

Noch sind Zweiräder die wichtigsten Verkehrsmittel des Landes, nicht einmal zehn von 1000 Indern besitzen ein Auto. Selbst der Tata Nano wird also vor allem für die Mittelschicht in den Städten erschwinglich sein. Die allerdings dürfte in den kommenden Jahren sehr schnell wachsen. Die Kehrseite des Auto-Booms auf dem Subkontinent konnte man beim Klimagipfel in Kopenhagen sehen: Genau wie China denkt Indien gar nicht daran, rechtlich verbindliche Zusagen zur Reduzierung von Klimagasen zu machen. Alles soll auf freiwilliger Basis geschehen. Umweltschützer sehen daher der kommenden Massenmobilisierung mit Sorge entgegen. Immerhin gibt es neue Abgasnormen, die im April 2010 in Kraft treten und in etwa den Euro IV-Standards entsprechen sollen.

Ausländische Hersteller wittern Morgenluft in Indien, doch genau wie in China gilt: Wer sein Stück vom Kuchen haben möchte, muss vor Ort sein. Indien schottet seinen Markt mit Strafzöllen hermetisch gegen Importe ab. Wird ein Auto aus dem Ausland eingeführt, schlägt die indische Regierung satte 60 Prozent obendrauf. An Steuern kommen nochmals mehr als 50 Prozent hinzu. So sind die meisten Autos auf Indiens Straßen auch dort gebaut worden. Marktführer ist Maruti-Suzuki. Das Unternehmen verkaufte im Jahr 2009 mehr als 620.000 Autos.
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Quelle: Autoplenum, 2010-01-06

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