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Testbericht

Stefan Grundhoff, 22. Dezember 2010
Es gab langweiligere Autojahre als 2010. Nach dem Katastrophenjahr 2009 konnte es nur aufwärts gehen. Das tat es – wenngleich die Neuzulassungen ohne die Abwrackprämie in Deutschland absackten. Doch die Stimmung macht die Musik.

Und die hat sich deutlich gebessert. Dabei ist der gesamtwirtschaftliche Aufschwung nur die eine Seite der Medaille. Denn nach und nach scheinen immer mehre Deutsche wieder mehr Lust auf das Thema Auto zu haben. Die Zugewinne der Autoindustrie stammen jedoch zumeist aus den USA und insbesondere China, wo mehr denn je die Post abgeht. Doch auch in Deutschland sind Autos wieder im Kommen. Der fahrbare Untersatz war im abgelaufenen Jahr 2010 selbst für Umweltverbände und die Anti-Auto-Lobby nicht die Dreckschleuder schlechthin. Die Bestrebungen der Industrie, Verbräuche zu senken und Abgase zu verhindern, sind gewaltig und entsprechend kostenintensiv. Das spüren viele und honorieren die meisten.

Deutlicher wurde in diesem Jahr mehr denn je, dass Elektroautos keinesfalls ein Allheilmittel sind. Modelle wie Mitsubishi i-MIEV, Peugeot iOn und Citroen C-Zero sind die nächsten Elektromobile auf dem Markt; weitere stehen in den Startlöchern. Doch die Kaufpreise sind astronomisch und so können sich allenfalls Energieunternehmen und Firmen aus der Energiebranche leisten, die elektrisch betriebenen Imageprodukte kostenintensiv zu kaufen oder zu leasen. Für den Endkunden sind die Stromer bis dato uninteressanter denn je. Viele hatten sich von den Elektroautos bereits 2010 mehr erhofft, doch die Strommasten wuchsen im Jahr nach der IAA nicht in den Himmel. Mehr denn je setzen sich dagegen ebenso verbrauchsarme wie leistungsstarke Benziner in Szene. Kleinere, aber nicht zu kleine Hubräume scheinen in den nächsten Jahren das Maß der Dinge zu sein. Hier hat 2010 einen Trend gesetzt, der sich fortsetzen wird. Für Diesel unterhalb der Mittelklasse scheint es dagegen schwer zu werden.

Die meisten Autohersteller sind aus den Negativschlagzeilen hinaus. Auch die drei großen US-Firmen können wieder etwas durchatmen. Chrysler müht sich unter Fiat-Regie redlich, General Motors wittert Morgenluft und Ford scheint besonders in Europa fitter denn je aufgestellt. Ruhiger ist es um den deutschen GM-Ableger Opel geworden. Hier enttäuschte das neue Volumenmodell Astra keinesfalls als Modell an sich. Doch gegen den übermächtigen VW Golf hat der üppig dimensionierte Astra in der so wichtigen Kompaktklasse keinen Meter an Boden gut gemacht. Auffälliger denn je setzen sich derweil die koreanischen Hersteller Hyundai und Kia in Szene. Ganz anders die Japaner: Toyota und Lexus würden das Autojahr 2010 besonders in Deutschland allzu gerne aus den Geschichtsbüchern streichen. Die Negativ-Schlagzeilen durch nicht enden wollende Rückrufaktionen sorgen zusammen mit wenigen Neuheiten für einen deutlichen Abwärtstrend, den es 2011 / 2012 aufzuhalten gilt.

Zu den großen Gewinnern gehört auch 2010 erneut der Volkswagen-Konzern, der nach wie vor fast alles richtig zu machen scheint. Die Produkte boomen klassenübergreifend; mit Passat und Sharan stießen zwei neue Modelle der Kernmarke ins Herz der Konkurrenz. Während Seat blass blieb, zeigt sich Skoda unverändert stark. Die deutschen Premiumhersteller können sich allesamt nicht beklagen. Zur größten positiven Überraschung wurde hier der 5er BMW. Dass dieser gut werden würde, war nicht nur Experten klar. Wie stark er die Konkurrenz unter Druck setzen würde, überraschte dagegen viele. Besonders die kaum ältere E-Klasse von Mercedes sah den 5er an sich vorbeirauschen und in Ingolstadt wartet man gespannt auf 2011, wenn im Frühjahr der neue A6 kommt. Nicht so stark wie erwartet verlief in vielen Regionen bisher der Start des prächtigen Audi A1. Er konnte den Mini kaum ernsthaft unter Druck setzen; sollte sich im kommenden Jahr mit mehr Sportlichkeit jedoch effektvoller in Szene setzen können. Der Mini zeigte mit dem Countryman, dass es auch maxi geht. Die Bestelllisten sind voller denn je.

Aus Stuttgart gab es glücklicherweise mehr Nachrichten als das leidige Endlos-Thema „Stuttgart 21“. Freuen kann sich Mercedes-Benz. Auch für die Marke mit dem Stern lief es 2010 wieder prächtig. Einen Sensationserfolg gab es für den Prototyp des Mercedes SLS E-Cell. So stark und so sexy kann ein Elektroantrieb sein. Viele Porsche-Fans hatten befürchtet, dass die Sportwagenmarke aus Zuffenhausen durch den gewaltigen VW-Einfluss verblassen würde. 2010 gab es das Gegenteil zu bewundern. Das Jahr lief insbesondere durch den neuen Panamera und den neuen Cayenne prächtig. Seat hat ein schweres Jahr hinter sich. In Szene setzen konnte sich nur der neue Seat Alhambra als Schatten des VW Sharan.

Technologisch hat sich markenübergreifend 2010 überraschend wenig getan, was der Kunde erfahren kann. Die Techniken waren allesamt bekannt und gehen mehr denn je in Serie. Das sind zum einen entsprechende Effizienzmaßnahmen, aber auch Fahrer-Assistenzsysteme, die sich mit Volumenmodellen wie VW Passat oder Opel Astra zunehmend durchsetzen. Etwas mehr hatte man vom Fiat-Konzern erwartet, die sich ohne echte Neuheiten kaum signifikant in Szene setzen konnten. Zum Jahresende gab es jedoch ein Ausrufezeichen in Richtung Jeep. Der neue Grand Cherokee auf Basis der aktuellen Mercedes M-Klasse ist ein Klasse-Auto geworden. Ebenfalls ein Lichtblick: das neue Volvo-Doppel aus S 60 und V 60. Volvo gehört mittlerweile dem chinesischen Unternehmen Geely. Doch ansonsten ist 2010 von den Chinesen wenig zu hören – zumindest in Europa und speziell Deutschland.

Wie war 2010 für die Franzosen? Die Verkäufe blieben im erwarteten Rahmen und echte Neuheiten gab es vorrangig bei Citroen, die mit C3 / DS3 sowie C4 / DS 4 Lust auf die extravagante Marke machen. Renault setzt ohne Unterlass weiter auf das Thema Elektroantrieb und Peugeot atmet tief durch, um den neuen 508 und die Kombination aus Elektro- und Dieselantrieb in Serie zu bringen. Das kommt jedoch erst Anfang 2011. Nur besser werden kann es für einige der japanischen Hersteller. Honda hatte außer einem zahnlosen CR-Z nicht viel zu bieten und auch bei Mitsubishi blieb es abgesehen vom ordentlichen Crossover ASX blass. Nissan setzt fast alles auf das neue Elektroauto Leaf. Doch nur das Thema „Elektro“ ist eben zu wenig – gerade für die ehemals sportlichste Asienmarke. Mazda musste sich 2010 ebenfalls in Enthaltsamkeit üben. Ein gründlich überarbeiteter Familienvan wie der Mazda 5 ist zu wenig. Nächstes Jahr soll es mit der neuen Designlinie Kodo und einem Nachfolger des CX-7 besser werden.
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Quelle: Autoplenum, 2010-12-22

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