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Testbericht

Stefan Grundhoff, 10. Dezember 2020
Bekommt der erfolgreiche Renault Clio nunmehr Konkurrenz aus dem eigenen Hause? Die Zeiten, in denen ein Dacia allein die Billigkäufer locken konnte, sind lange vorbei. Der neue Sandero greift nach dem Eifelturm.

Ähnlich wie die Konzerne von Volkswagen oder PSA setzt auch Renault-Nissan mehr denn je auf eine Plattformstrategie. Nur so lassen sich die gigantischen Entwicklungskosten für ein neues Modell reduzieren, Ableitungen sparen und eine breite Modellpalette umsetzen. Bestes Beispiel dafür ist der neue Dacia Sandero. Der sieht nicht nur noch gefälliger aus als sein allemal erfolgreicher Vorgänger, sondern ist in Sachen Plattform, Antrieb und Sicherheitssysteme mit der gleichen Technik unterwegs, der auch der deutlich teurere Renault Clio eine Heimat bietet. Wer genau hinschaut und die Preise vergleicht, dürfte sich dabei oftmals für das deutlich günstigere Modell mit dem Dacia-Signet entscheiden, weil längst auch Design und Verarbeitung stimmen. Der günstige Preis ist beim Sandero längst nicht mehr Kaufgrund Nummer eins - doch die Preise von Sandero und Sandero Stepway müssen andere Hersteller fassungslos machen. Längst schielt Dacia Fiat, Citroen, Hyundai, Skoda oder eben Renault hinüber.

Der große Clou ist dabei die optische SUV-Ableitung des 4,10 Meter langen Sandero Stepway, für die sich rund 60 Prozent der Kunden entscheiden. Dunkle Kunststoffdetails rundum sowie 41 mm mehr Bodenfreiheit und Dachträgerleisten, die sich mit einem Dreh zum Gepäckträger machen lassen, sorgen dafür, dass der neue Sandero schick aussieht und jede Menge Alltagsnutzen bietet. Vorbei sind ohnehin die Zeiten, als die Dacia-Modelle wie ausgediente Technik der alten Renault-Modelle noch ein paar Jahre auftragen mussten. Abgesehen von dem wenig empfehlenswerten 65-PS-Basisantrieb für den Standard-Sabdero gibt es moderne Turbo-Benziner, die eben auch Renault Clio und Co. befeuern. So behält der neue Dacia Sandero Stepway TCe 90 in der Basisversion Essential einen günstigen Preis von 11.390 Euro. Der besser ausgestattete Stepway Comfort mit dem 100-PS-Bifuel-Benziner kostet ebenfalls gerade einmal 13.090 Euro und bietet dafür LED-Scheinwerfer, Nebelscheinwerfer, Navigationssystem, Klimaanlage oder Einparkhilfe. Für 550 Euro extra bekommt der Franzose, der in Rumänien oder Marokko vom Band läuft, schlüssellosen Zugang, Mittelarmlehne und elektrische Parkbremse. Für weitere 450 Euro dürften sich viele Kunden für Totwinkelassistent, Rückfahrkamera und Einparkhilfe vorne entscheiden.

Zu dem Schnäppchenpreis gibt es ein gutes Platzangebot, gefälliges Design und einen modernen Antrieb. Der ein Liter große Dreizylinder-Turbo klingt kernig und fährt sich auch so. 74 kW / 101 PS und ein maximales Drehmoment von 170 Nm ab 2.000 U/min sind in dieser Liga allemal ausreichend. Auch weil der Dacia Sandero Stepway TCe 100 Eco-G kaum mehr als 1,2 Tonnen Leergewicht auf die Waage bringt. Aus dem Stand in 11,6 Sekunden auf Tempo 100 geht ebenso in Ordnung wie eine Höchstgeschwindigkeit von knapp über 180 km/h. Dabei liegt der Normverbrauch bei 4,6 Liter Super auf 100 Kilometer, wenn man Super tankt. Mit Flüssiggas verbrennt der Franzose 6,5 Liter auf der gleichen Strecke. Daher kaum ein Grund, einen noch sparsameren Dieselmotor zu vermissen, den die Franzosen nicht allzu schweren Herzens aus dem Programm geworfen haben. Eco-G - was sich liest wie der Name eines französischen Rappers aus einem Außenbezirk von Paris, ist die Bifuel-Variante, deren 100-PS-Version nicht nur über den 50-Liter-Benzintank verfügt, sondern in der Reserveradmulde über einen zusätzlichen 32-Liter-Flüssiggastank in der Reserveradmulde. Das soll Reichweiten von 1.300 Kilometer ermöglichen, die einen Diesel tatsächlich nahezu obsolet machen. Der Dreizylinder ist akustisch in jedem Tempo überaus präsent und wird auf der Autobahn ab 130 km/h gerade im sechsten Gang sehr träge. Nur mühsam drückt sich die Tachonadel über die 150er-Marke bis an die Höchstgeschwindigkeit von 183 km/h.

Ebenso wie das Design und die Ausstattung ist auch das Fahrverhalten des Dacia Sandero über die Jahre und speziell mit der neuen Clio-Plattform erwachsen geworden. Die Abstimmung ist gerade beim Stepway allemal straff und die um vier Zentimeter erhöhte Bodenfreiheit macht sich durchaus bemerkbar, wenn es flotter durch Kurven geht. Die Hinterachse in Koppellenkerkonstruktion wirkt bei spürbaren Bodenunebenheiten stössig und etwas unkomfortabel. Die Lenkung ist präzise, aber zu gerade bei höheren Tempi zu leichtgängig und könnte mehr Rückmeldung von der Fahrbahn geben. Wirklich stören wird das jedoch kaum einen Kunden. Das sieht beim Geräuschniveau im Innern durchaus anders aus, denn der Franzose wird gerade bei höheren Geschwindigkeiten recht laut, was nicht nur am deutlich zu vernehmenden Dreizylindermotor liegt. Die Geräuschdämmung des Dacia Sandero könnte ebenso besser sein wie die Windgeräusche von Seitenscheiben und Außenspiegeln

Deutlich gewonnen hat der Innenraum des Sandero. Instrumente, Schalter und Bedienelemente sehen nicht nur besser aus, sondern fühlen sich ebenso wie viele Verkleidungen und Applikationen an. An ein Billigmodell vergangener Zeiten erinnert wenig und wieder einmal kommt einem in den Sinn, dass der Dacia Sandero nicht nur der externen Konkurrenz wehtut, sondern gerade in den höheren Ausstattungspaketen mit Textileinsätzen am Armaturenbrett auch am Renault Clio knabbert. Das Lenkrad - auf Wunsch mit Lederummantelung - liegt gut in der Hand, an den unsichtbaren Bediensatelliten für das Soundsystem über dem rechten Knie hat man sich beinahe schon gewöhnt und das Acht-Zoll-Navigationsdisplay mit benachbarten Handyhalterung ist nicht schön, aber praktisch. Leider steht das Mobiltelefon in der Klemmhalterung im direkten Sichtfeld des Fahrers. Zudem sitzt es sich im Dacia Sandero Stepway besser als bisher. Was fehlt ist eine Sitzheizung, die zum Markstart weder vorne noch hinten gegen Aufpreis angeboten wird. Das Platzangebot ist ordentlich und auch der Laderaum hat mit 328 Litern ein solides Volumen, das sich durch Umlegen der Rücksitze auf 1.108 Liter erweitern lässt. Praktischer als bisher: die um zwei Zentimeter abgesenkte Ladekante und der separate Öffner am Heckdeckel. Auf Wunsch bringt ein elektrisches Schiebedach mehr Luft und Licht in den Innenraum. Was will man für einen Preis von unter 15.000 Euro mehr?
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Technische Daten
Antrieb:Front
Getriebe:Sechsgang-Handschaltung
Motor Bauart:Dreizylinder mit Turboaufladung
Hubraum:999
Preis
Neupreis: 13090 € (Stand: 2020-12-10)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2020-12-10

Getestete Modelle
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