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Testbericht

Stefan Grundhoff, 17. Dezember 2010
Citroen möchte sein Mauerblümchendasein ablegen – besonders in Deutschland. Die Franzosen wollen Siege bei der Rallye-WM in bare Münze umwandeln und nicht länger den exotischen Billigheimer mimen. Es geht zurück zu den Wurzeln.

Was hat Citroen in den letzten 25 Jahren nicht alles unternommen, um sich effektvoll in Szene zu setzen? Neue Autos noch und nöcher, immer neue Ideen und kaum ein klare Linie. Doch mit der wilden Stocherei im undurchsichtigen Nebel von Design, Modellfamilien und visionären Technologien soll Schluss sein. „So um das Jahr 2000 war bei uns der absolute Tiefpunkt erreicht“, räumt Jean-Pierre Duvivier, bei Citroen für Marketing und Technik zuständig, selbstkritisch ein, „es musste etwas passieren. Nach und nach haben wir danach unsere Produktpalette auf Vordermann gebracht. Es tut sich etwas.“ Citroen hatte seit Mitte der 80er Jahre nicht viel Innovatives zu bieten. Die Oberklasse-Limousine CX war das letzte Fahrzeug, der sich gegenüber der Konkurrenz ernsthaft als Citroen in Szene setzen konnte.

Viel zu lange bauten die Franzosen den technisch überholten und alles andere als guten 2CV. Die Ente gilt trotz ihrer schier unendlichen Schwächen neben dem CX bis heute als Aushängeschild der Marke mit der Doppelschwinge. Die Liste der Fahrzeuge, die zumindest in Deutschland kaum ein Bein auf den Boden brachten, ist lang. Das Oberklassemodell XM floppte ebenso wie AX, BX oder alle weiteren Bestrebungen, im Kompaktklassesegment eine Chance gegen Golf, Astra und Co. zu haben. Der Citroen Xsara war ein lieber Bursche, doch bei den Kunden kam er nicht an. Dabei zeigten die Franzosen mit der Sportversion in der Rallye-Weltmeisterschaft, dass sie auch sportlich etwas auf die Beine stellen konnten. Darauf folgte der WRC-C4 und nicht enden wollende Siege. Mit dem C4 wurde Sebastian Loeb zur Rallye-Legende. Citroen profitierte davon wenig, weil die Marke kein einziges sportliches Serienfahrzeug bot.

Doch so langsam scheint sich Citroen als eine Hälfte des PSA-Konzerns zu berappeln. Man scheint in der Pariser Konzernzentrale verstanden zu haben, dass die Konkurrenz aus Deutschland, Japan und Korea nur mit guten Produkten, Hightech und Emotionalität anzugreifen ist. Bestes Beispiel sind die noch jungen Modelle C3 und C4. Sie verzichten auf extravagante Designkapriolen vergangener Jahre, mit denen sich allenfalls der ein oder andere Individualist anfreunden kann. Doch die Masse steht nun einmal auf Design von der Stange. Sportlichkeit, Emotionalität und Hightech sind kein Hexenwerk. Das zeigen nicht nur Hersteller aus Europa, sondern längst auch aus Japan und besonders Korea. Bereits für sein Mittelklassemodell C5 bekamen die Franzosen gute Noten und so langsam muss sich auch ein neuer C1 in Position bringen. Die Konkurrenz trommelt härter denn je. Auf der Suche nach neuen Ertragsquellen schielt Citroen neidisch zu Herstellern wie Mini oder Fiat hinüber, die mit Szene-Kleinwagen imposante Umsätze generierten.

Nach ähnlichem Vorbild wurde die Modellreihe DS herausgebracht. Dabei orientiert sich jedoch nur der Name an der göttlichen Oberklasselimousine, die ab Ende der 50er Jahre zur Legende wurde. „DS“ heißt bei Citroen seit einiger Zeit das absolute Topmodell. Der DS 3 macht einen hoffnungsvollen Anfang und es geht weiter. „Im Frühjahr werden wir den DS 4 vorstellen und Ende des Jahres 2011 kommt noch der DS 5“, erklärt Jean-Pierre Duvivier. Der DS 4 basiert auf dem neuen Kompaktklassemodell Citroen C4; der DS 5 wird das Topmodell der neuen Fünferreihe. Die Plattform teilt sich der neue C5, der auf der IAA im Herbst vorgestellt wird, mit dem Peugeot 508, der bereits Anfang 2011 seine Premiere feiert. Der C 5 wird wie bisher als Limousine und Kombiversion erhältlich sein. Der DS 5 soll in zwei Versionen folgen; als Standardbenziner mit über 200 PS und als Diesel-Hybrid. Während ein 163 PS starker Vierzylinder-Diesel hier die Vorderachse antreibt, wird die Hinterachse von einem 30 KW / 41 PS starken Elektromotor angetrieben, der 200 Nm leistet und für den rechten Vortrieb auch auf schlechtem Untergrund sorgen soll.

„Der DS 5 wird wie der Peugeot über ein sequentielles Automatikgetriebe verfügen“, so Jean-Pierre Duvivier. Der Elektromotor soll bei den Schaltvorgängen die bei den sequentiellen Getrieben allzu nervigen Zugkraftunterbrechungen durch einen kurzen Boost überspielen. Das Thema Start-Stopp, das bei PSA „e-HDI“ genannt wird, kommt in den nächsten Jahren in der gesamten Modellpalette. „Den Anfang machen die größeren Diesel mit 1,6 und dann 2,0 Litern Hubraum“, erklärt der Citroen-Mann für Marketing und Technik. Bis auch die Benziner komplett auf Start-Stopp-Systeme umgestellt sind, dürfte jedoch das Jahr 2013 / 2014 erreicht sein. So lange wird es hoffentlich nicht dauern, bis Citroen sein wenig überzeugendes Navigationssystem von Zulieferer Magneti Marelli ins automobile Nirwana schickt. Es gehört auch in der aktuellsten Version im Citroen C4 zu den schwächsten auf dem Markt. Noch schlechter ist das ältere System gleicher Bauart, das nach wie vor in Modellen wie C5 oder DS3 Racing arbeitet.

Auch ein neues Topmodell scheint in Planung zu sein, denn mit Blick auf die wichtigen Märkte in Frankreich, der Schweiz und in China dürfte ein Mittelklassemodell wie der C5 zu wenig sein. Ein neuer C6 auf einer verlängerten Plattform von Citroen C5 und Peugeot 508 dürfte daher fest eingeplant sein. „Wir denken auch über andere DS-Modelle nach“, orakelt Duvivier weiter, „auch ein DS1, DS2 oder vielleicht sogar DS6 wäre denkbar. Das sind jedoch alles noch reine Gedankenspiele. Entschieden ist definitiv nichts.“ Immerhin scheint Citroen verstanden zu haben. Ohne sportliche und emotionale Modelle wird es auf den internationalen Märkten schwer.
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Quelle: Autoplenum, 2010-12-17

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