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Testbericht

4. Juli 2005
München, 1. Juli 2005 – Eine Detektei würde diesen Wagen wohl nicht als Observierungsfahrzeug kaufen: Dafür dürfte der Chrysler 300C Touring einen Tick zu auffällig sein. Wir haben es selbst erlebt: An der Tankstelle oder an der roten Ampel – unser Testwagen bekommt die ungeteilte Aufmerksamkeit. „Was hat der denn für eine Maschine?“ „Was kostet der denn?“ „Der verbraucht sicher viel?“, fragen die Leute. Die Reaktion bei den Antworten sind meist: „Wow... boah...“ und ein erstauntes Gesicht. Wenn Sie wissen möchten, warum das bei welcher Antwort so ist, lesen Sie unseren Test des Chrysler 300C Touring 5.7 V8 AWD. Respekt einflößende Erscheinung Der 300C Kombi wirkt wie der vielzitierte Fels in der Brandung: Chrom-Applikationen an den Spiegeln und den Stoßfängern vermitteln den Eindruck einer edlen Limousine, die mit einer Länge von knapp über fünf Metern in die Liga von 7er und S-Klasse mitspielt. Der Wagen strahlt wuchtige Eleganz aus. Das Wort „filigran“ kann man in diesem Zusammenhang allerdings vergessen: Die klassisch-kastige Form, die markante Frontpartie mit dem massiven Kühlergrill und die wuchtigen 18-Zöller flößen Respekt ein. Das mächtige Schuhwerk verrät, dass der Begriff „Riesenräder“ nicht unbedingt nur mit Rummelplätzen in Verbindung gebracht werden muss. Geduckter Eindruck Schuld am martialischen Auftritt hat auch die eigenwillige Formgebung der Karosserie. Der 300C Touring wirkt geduckt. Während die Türen-Partie nach leicht hinten ansteigt, wird das Dach flacher. Die ohnehin recht kleinen Seitenfenster verjüngen sich nach hinten.

Zwei Auspuffenden eher dezent Ein dickes Ende: Die zwei Auspuffenden am beeindruckenden Hinterteil des Chrysler-Kombi wirken nahezu verloren und tun nichts vom prallgefüllten Pferdestall weiter vorn kund. Da ist die Beschilderung schon eindeutiger: "300C Hemi" steht da und "AWD". Der Kenner weiß, dass hier ein 5,7-Liter-V8 sein starkes Werk verrichtet und der große Kombi von allen vier Rädern getrieben wird. Sessel für lange Strecken geeignet Große Bügelgriffe öffnen den Weg ins Innere des 300 C Touring. Ledersitze laden ein, Platz zu nehmen. Die Sessel erweisen sich besonders auf langen Strecken als sehr bequem und lassen entspannt ankommen. Nur Seitenhalt dürften sie ein wenig mehr bieten. In der zweiten Reihe können die Gäste jede Menge Kniefreiheit genießen. Auch zwischen Kopf und Dach ist bei einem 1,80 Meter großen Menschen hinten noch genügend Luft. Ab Werk dickes Ausstattungspaket Das Cockpit ist aufgeräumt und funktional gegliedert. Insgesamt macht das Interieur einen gefälligen Eindruck, wirkt aber aufgrund eines hohen Plastik-Anteils beim Instrumenteneinsatz und am Lenkrad-Pralltopf nicht so wertig wie bei anderen Mobilen dieser Preisklasse.

Gute Ausstattung ab Werk Die Ausstattung lässt wiederum kaum Wünsche offen. Sogar die Lederbezüge, das DVD-Navigationssystem mit großem Farbmonitor, der CD-Wechsler und die Zweizonen-Klimaautomatik sind ab Werk an Bord. Die Liste der aufpreispflichtigen Extras ist ungewohnt kurz, nur die getönten Scheiben für den Fond, das Walnuss-Dekor für Wählhebel, Türgriffe und Lenkrad, die MP3-Funktion und das Schiebedach sind bei unserem Testwagen gegen Extra-Geld zu haben. Gepäckabteil mit 630 Litern Wir untersuchen die Kombi-Qualitäten: Die Heckklappe schwingt beim Aufmachen weit nach oben und öffnet ein paar Zentimeter des Daches mit. Hinter der großen Heckklappe verbirgt sich ein geräumiges Ladeabteil: Bis zu 630 Liter Gepäck passen hier rein. Kleine Utensilien können in den verschiedenen Fächern des doppelten Laderaumbodens versteckt werden. Dieses Stausystem lässt sich auch komplett herausnehmen. Wer noch mehr transportieren muss, kann mit wenigen Handgriffen die Lehnen der Rückbank umlegen und sich so einen Raum von 1.602 Litern zaubern. Geborgenes Gefühl Das eigentlich Schöne an diesem Auto ist das Feeling im Innenraum. Gut beschützt vor der Außenwelt sitzt man hinter dem Volant und genießt das gute Platzangebot. Besonders im dichten Stadtverkehr vermittelt der 300C Touring den Insassen ein geborgenes „My-car-is-my-Castle“-Gefühl. Leider erweist sich das Castle dann auch beim Einparken als eine schwer einnehmbare Burg: Die Sicht nach hinten ist aufgrund der kleinen Fenster nicht optimal. Es gibt aber eine elektronische Parkhilfe, die beim Rangieren hilft.

Gewaltiger Vortrieb Doch erleben wir lieber erst einmal den gewaltigen Vortrieb. Nach dem Einlegen der Fahrstufe und dem ersten Gasgeben ist klar: Der große Chrysler hat nicht zu viel versprochen. Aber das ist kein Wunder: Hinter dem massiven Grill wummert der bereits erwähnte 5,7-Liter-Hemi-Motor, dessen 340 Pferde rausgelassen werden wollen. Anfahren ist ein Genuss für sich: Der Vorderwagen hebt sich leicht, aber so merklich, wie man das von einem typischen amerikanischen Wagen erwartet. Dazu faucht der V8 zunächst kraftvoll, aber unterdrückt. Der über zwei Tonnen schwere Oberklasse-Kombi zieht so druckvoll nach vorn, dass man das Lenkrad unwillkürlich straffer anpackt. Diese phänomenale Kraftentfaltung heißt in Zahlen ausgedrückt: In 6,4 Sekunden ist der Sprint auf Tempo 100 absolviert, bei 250 km/h wird abgeregelt. Gute Elastizität Auch in puncto Elastizität verhält sich der wuchtige Wagen richtig schön agil: Schließlich stehen bei 4.000 Touren 525 Newtonmeter Drehmoment bereit. Zur Power kommt die Musik: Die Geräuschkulisse ist das ganze Drehzahlband durch so kraftvoll, wie man das von einer achtzylindrigen Maschine erwartet. Nur bei sehr hohen Touren wird die Pferdeschar wohl böse und brüllt doch recht laut. Sanfte Fünfgang-Automatik Eine Fünfgang-Automatik kümmert sich um die Kraftübertragung. Wer mag, kann auch am Schalthebel sequenziell die Gänge wechseln. Im Automatikmodus schaltet das Getriebe sanft, nur beim beherzten Kick-down ist der Schaltvorgang deutlich zu spüren. Die Schaltung passt sich dem Fahrstil des Fahrers an und dreht die Gänge bei einer ambitionierten Fahrweise entsprechend höher aus.

Satte Lage auf der Autobahn Dank des permanenten Allradantriebes (62 Prozent der Kraft fließt an die Hinterachse, 38 Prozent treiben die Vorderräder an) setzt sich der Mega-Chrysler ohne Traktionsprobleme in Bewegung und liegt satt auf der Straße. Auch bei hohen Autobahngeschwindigkeiten kommt keine Unsicherheit auf. Auf kurvigen Landstraßen lässt die etwas indirekte Lenkung zwar kein wirkliches Sportwagen-Handling zu, aber für seine Größe kann das Mobil auch ambitioniert durch die Biegungen gescheucht werden. Zudem ist die Seitenneigung der Karosserie überraschend geringer als wir es von dem großen Chrysler erwartet hätten. Das Fahrwerk ist insgesamt relativ straff ausgelegt. Kurze Bodenwellen werden den Insassen häufiger gemeldet, als in dieser Klasse üblich. Hoher Spritverbrauch Kommen wir zu einem kleinen, besser gesagt großen Wermutstropfen des starken Gefährts: dem Spritverbrauch. Der Hersteller gibt den Durchschnitt mit 13,2 Litern an. Das erscheint uns eher als zurückhaltende Angabe. Wir haben den Durst des Kombis kaum auf unter 17 Liter zügeln können – selbst bei bewusst defensiver Fahrweise. Bei langen Autobahn-Etappen saugt sich das großvolumige Aggregat schon mal über 20 Liter durch die Düsen. Da der Wagen nur einen 73-Liter-Tank hat, müssen längere Schnellstraßen-Trips öfter unterbrochen werden. Vier Zylinder schalten sich ab Dabei ist eigentlich bereits ab Werk eine Spritspar-Vorrichtung montiert: Der Hemi-Motor verfügt über eine automatische Zylinderabschaltung. Wird von der Maschine nicht die volle Kraft abgefordert, schalten sich vier der acht Zylinder ab. Die Ab- und Zuschaltung passiert in Sekundenbruchteilen ruckfrei und vom Fahrer völlig unbemerkt. Das soll bis zu einem Fünftel Sprit sparen. Vergleichsweise günstig Dafür gibt es wieder etwas Positives über den Preis zu sagen: Unser Testwagen kostet 54.750 Euro und hat dafür fast alles an Bord, was man sich in dieser Klasse wünscht. Der Preis klingt im ersten Moment hoch, aber im Vergleich sieht die Sache schon wieder anderes aus. Da es in der Oberklasse keine Kombis dieser Größe gibt, schauen wir zu den Premium-Marken eine Nummer kleiner: Ein BMW 545i Touring ist ab 60.500 Euro zu haben, ein Mercedes E 500 T kostet knapp 62.000 Euro, der neue Audi A6 Avant 4.2 quattro steht mit 62.800 Euro in der Liste.
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Technische Daten
Antrieb:Allradantrieb
Anzahl Gänge:5
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:V-Motor
Hubraum:5.654
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:8
Leistung:250 kW (340 PS) bei UPM
Drehmoment:525 Nm bei 4.000 UPM
Preis
Neupreis: 54.750 € (Stand: Juni 2005)
Fazit
Der 300C Touring 5.7 AWD ist eine geräumige, sehr bequeme Reiselimousine, die mit ihrem ultra-starken Motor und dem sicheren Fahrverhalten einen zusätzlichen Spaßfaktor bringt. Dass man als sein Besitzer Individualist sein und die Blicke anderer akzeptieren können muss, sollten wir nicht verschweigen. Auch nicht, dass der große Chrysler Respekt einflößend ist: Jedenfalls konnten wir uns davon überzeugen, dass der starke Ami ein ziemlich gutes Überholprestige hat und auf der linken Autobahnspur Platz gemacht bekommt – auch wenn man eigentlich nur friedlich Kolonne fahren wollte. Ein Kriterium ist allerdings absolut nicht zu unterschätzen: Wenn man sich den Preis anschaut, sollte man genau überlegen, ob man sich für ein deutsches Produkt des DaimlerChrysler-Konzerns entscheidet, einen der beiden Bayern nimmt oder eben doch lieber den günstigen Chrysler 300C. (hd)

Quelle: auto-news, 2005-07-04

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